10 Jahre
Fachreferat Frauen

1991- 2001 
Eine Dokumentation

Frauen und Geschichte



INHALT

Frauen suchen ihre Geschichte – 
und finden sie



“Die ‚Spurensuche’ führte mich zu meinen ‚Spuren’; Träume und Gespräche mit meiner Mutter, mit meinen Großmüttern brachten bisweilen auch Schmerzhaftes ... bei mir zum Bewusstsein. Ich habe noch vieles aufzuarbeiten, jedoch habe ich dadurch auch ein neues Verständnis für all das, wie es war, bekommen.”

“Ich wollte mit der Frauenstudienfahrt auf die Suche nach Frauenspuren gehen und hatte gedacht, ich würde sie vor allem in der Geschichte finden. Doch Sie haben mir gezeigt, dass es auch in der Gegenwart tolle Frauen gibt, die etwas aus sich und ihrem Leben machen. Das hat mir Mut gemacht.”1 

Ein gelungener “Startschuss” für das Angebot des Fachreferats Frauen der Landeszentrale für politische Bildung im Bereich Frauen-Geschichte war das 1992 veranstaltete Wochenendseminar “Frauen suchen ihre Geschichte”. Der (nach wie vor) viel zu seltene frauenspezifische Blick auf die Vergangenheit fand bei den Teilnehmerinnen trotz großer Altersunterschiede, verschiedener Bildungsabschlüsse und Lebensformen unerwartet große Resonanz. Offensichtlich hatte das Frauenreferat hier ein Thema aufgegriffen, das viele Frauen bewegt und das – so der Jahresbericht 1992 –“neben großer Betroffenheit auch Mut und Stolz erweckte auf bedeutende ‚Schwestern’ der Frauengeschichte, die bisher nicht wahrgenommen wurden.”
Der vielfach formulierte Wunsch von Teilnehmerinnen, gegen die “Geschichtslosigkeit” von Frauen anzugehen und Frauen-Spuren in Geschichte und Gegenwart zu “sichern”, schlug sich im Veranstaltungsangebot des Fachreferats Frauen in Form weitere Seminare nieder (z. B. “Auf den Spuren der Göttin” zum Thema Matriarchat) und motivierte die Referatsleiterin 1993 in Zusammenarbeit mit einer Kollegin der Außenstelle Stuttgart der Landeszentrale zur Konzeption der Frauenstudienfahrt “Frauenspuren in Baden-Württemberg”. Aufgrund des großen Erfolgs dieses Angebots wurden auch 1994 und 1995 mehrtägige Studienreisen in württembergische und badische Landesteile durchgeführt, die Frauen-Geschichte lebendig machten. Zusätzlich fanden Besuche in “aktuellen” Frauen-Projekten und Gespräche mit politisch oder gesellschaftlich aktiven Frauen statt.2 Da Sparzwänge eine Fortsetzung dieser mit großer Begeisterung und Entdeckerinnenfreude angenommenen Fahrten erschwerten, entwickelte das Frauenreferat 1998 mit seinem Politischen Tag “Auf den Spuren der Frauen” in Stuttgart eine eintägige und damit kostengünstigere Variante dieser kreativen Form der Geschichtsvermittlung.3 
Im Jahr 1999 führte eine - wegen großen Andrangs nochmals durchgeführte - Exkursion zahlreiche Teilnehmerinnen ins Bonner FrauenMuseum zur Ausstellung “Politeia”, die in Verbindung mit einem Workshop zur deutschen Geschichte nach 1945 aus Frauensicht den Teilnehmerinnen “eindrücklich die Bedeutung von eigenem Nach-Denken, Nach-Forschen und der Vergewisserung der eigenen Geschichte nahe legte” (Jahresbericht 1999).


POLITEIA, Szenarien aus der Deutschen Geschichte nach 1945 aus Frauensicht, Tagesworkshop im FrauenMuseum Bonn, Juli 1999

Neben der Vermittlung von Frauen-Geschichte an “Endverbraucherinnen” stellt die Kooperation mit Fachfrauen und Netzwerken der historischen Frauenforschung aus Baden-Württemberg bei der Durchführung von Tagungen und Vorträgen einen weiteren Tätigkeitsschwerpunkt des Fachreferats Frauen dar. Erwähnt seien hier die – häufig im “Haus auf der Alb” durchgeführten – großen Fachtagungen “Standpunkte – Perspektiven der Frauengeschichtsforschung in Baden-Württemberg” (1993), “Geschlecht – Macht – Arbeit” (1994), “Frauen und Nation” (1996) und “Revolutionen und weibliche Emanzipationsstrategien 1789-1848” (1997), der mehrere Veranstaltungen zum 150. Jahrestag der 1848er-Revolution im Jahr 1998 folgten.4 
Unter dem Motto “Die Alten haben noch etwas zu sagen” stand das 1999 vom Frauenreferat in Kooperation mit dem Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung an der Universität Ulm durchgeführte Seminar “ZeitZeuginnenArbeit und ZeitZeugenArbeit”, das sich an Frauen und Männer richtete. Anhand der Beschäftigung mit der eigenen Lebensgeschichte und Fragen nach Formen von deren Vermittlung an jüngere Generationen beschäftigten sich die Teilnehmenden unter anderem damit, ob Frauen einen anderen Zugang, einen anderen Blick für ihre Geschichte haben als Männer.

Frauen-Geschichte wie auch Leben und Handeln historischer Frauen-Persönlichkeiten finden sich freilich nicht nur in Veranstaltungen des Frauenreferats, die dies explizit zum Thema machen. So wurde eigens für den Einsatz in Seminaren das Feature “Mutige Frauen” entwickelt, das mit einer beeindruckenden Zusammenschau von historischen Frauen, von “Pionierinnen in der Männerwelt” und von Frauen, die sich in den letzten Jahrzehnten gegen Unrecht und Gewalt eingesetzt haben, die Geschichte des Kampfes von Frauen um soziale und politische Gerechtigkeit lebendig werden lässt. Die positiven Rückmeldungen von Frauen (und Männern!) zu diesem Feature zeigen, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Frauen für Einzelne sein kann und wie dadurch Erkenntnisse über Bedingungen der Identitätsbildung und des eigenen “Geworden-Seins” möglich werden.

Anmerkungen:
1 Rückmeldungen von Teilnehmerinnen der ersten Frauenstudienreise des Fachreferats Frauen 1993. 
2 Die erste dieser 3 Studienreisen wurde ausführlich dokumentiert; vgl. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hg.): Frauenspuren in Baden-Württemberg. Eine Frauenstudienfahrt, Stuttgart 1993.
3 Kooperationspartnerin bei diesem Angebot war der Verein Stuttgarter Frauenmuseum e.V.
4 Zu allen diesen Fachtagungen liegen Publikationen vor, vgl. z.B. Frauen & Geschichte Baden-Württemberg/Haus der Geschichte Baden-Württemberg/Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hg.): Frauen und Revolution. Strategien weiblicher Emanzipation 1789 bis 1848, Tübingen 1998.


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