Baden-Württemberg

Kleine politische Landeskunde


Hrsg.: LpB

1999

 

Kleine politische Landeskunde

Inhaltsverzeichnis

 

Die Bevölkerung

Um 1900 lebten auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg rund 3,8 Millionen Menschen. Heute sind es rund 10,4 Millionen (1998).

 

Menschen in der Stadt

Menschen in der Stadt. Foto: Landesbildstelle Württemberg, Stuttgart

 

Frauen in der Mehrheit

Frauen sind in Baden-Württemberg in der Mehrheit. Von den 1998 ermittelten Einwohnern des Landes waren 51 Prozent weiblich und 49 Prozent männlich.

15,1 Prozent der Bevölkerung älter als 65 Jahre

Der Anteil der unter 15jährigen an der Gesamtbevölkerung Baden-Württembergs liegt bei 16,9 Prozent. Die größte Gruppe bilden die 18 bis 40jährigen mit 32,9 Prozent, gefolgt von der Gruppe der 40 bis 65jährigen mit 31,8 Prozent. 15,1 Prozent der Bevölkerung des Landes sind 65 Jahre und älter.

Ausländeranteil in den Kreisen unterschiedlich

Der wirtschaftliche Aufschwung, Änderungen in der Altersstruktur und längere Ausbildungszeiten verursachten in den sechziger Jahren in der Bundesrepublik einen zunehmenden Arbeitskräftemangel. Mit der verstärkten Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer wurde versucht, dem entgegenzuwirken. Wegen der Wirtschaftsstruktur und der guten Erwerbsmöglichkeiten kamen besonders viele von ihnen nach Baden-Württemberg. Der Anteil der Ausländer an der baden-württembergischen Bevölkerung beträgt 12,1 Prozent (1998). 31,1 Prozent aller Ausländer kommen aus EU-Ländern, vor allem aus Italien (14,4%) und Griechenland (6,6%). Die größte Gruppe von Ausländern außerhalb der EU bilden die Türken mit 28,1 Prozent. Die zweitgrößte Gruppe stellen Angehörige des früheren Jugoslawien mit 12,2 Prozent. Regional gesehen haben sich die ausländischen Mitbürger sehr unterschiedlich über das Land verteilt. Der Ausländeranteil ist im Main- Tauber-Kreis mit 5,8 Prozent sowie in den Kreisen Emmendingen (5,9%) und Biberach (6,1%) am geringsten. Generell zeigen die eher ländlich geprägten Kreise wie Ortenaukreis, Breisgau-Hochschwarzwald, Freudenstadt, Neckar-Odenwaldkreis und Hohenlohe einen geringeren Ausländeranteil. Deutlich über dem Durchschnitt des Landes liegt der Ausländeranteil in den Stadtkreisen Heilbronn (20,5%), Ulm (18,2%), Pforzheim (17,3%) und Heidelberg (16,4%) sowie in den Landkreisen Böblingen (16,7%), Ludwigsburg (16,4%), Esslingen (15,3%) und Göppingen (14,5%). Die höchsten Ausländeranteile haben die Stadtkreise Mannheim mit 21,1 Prozent und Stuttgart mit 24,7 Prozent. Auffallend ist, dass über die Hälfte aller in Baden-Württemberg lebenden Ausländer (52,8%) zwischen und 50 Jahre alt sind. Die größte Gruppe ist die der 20 bis 30jährigen. Von den 1998 in Baden-Württemberg lebenden Ausländern waren rund 53 Prozent männlich. Die 1998 zu verzeichnende geringe Bevölkerungszunahme ist auf einen positiven Wanderungssaldo und einen leichten Geburtenüberschuss zurückzuführen, der eindeutig von der ausländischen Bevölkerung getragen wird.

Am dichtesten besiedelt: die industriellen Ballungsräume

Mit Abstand am dichtesten besiedelt sind in Baden-Württemberg die industriellen Ballungsräume, allen voran die Region Stuttgart. Es folgen die Regionen Unterer Neckar und Mittlerer Oberrhein. Am wenigsten Einwohner je Quadratkilometer haben die Regionen Franken, Bodensee-Oberschwaben und Donau-Iller. Während in der Region Stuttgart durchschnittlich 705 Menschen pro km2 leben, sind es in der Region Donau-Iller nur 164. Vergleicht man die Bevölkerungsdichte in den Stadt- und Landkreisen, so ist diese vor allem in den an Stuttgart angrenzenden Landkreisen Esslingen, Ludwigsburg, Böblingen und dem Rems-Murr-Kreis, aber auch in dem an die Städte Mannheim und Heidelberg angrenzenden Rhein-Neckar-Kreis sehr hoch.

Die räumliche Bevölkerungsverteilung

Seit dem Abschluss der Gebiets- und Verwaltungsreform Mitte der siebziger Jahre zählt das Land gerade noch 1110 Gemeinden. 54,4 Prozent dieser Gemeinden haben weniger als 5000 Einwohner (1998). Lediglich 2,1 Prozent, das sind 23 Gemeinden, haben mehr als 50.000 Einwohner. An der Spitze steht die Landeshauptstadt Stuttgart (585.274), gefolgt von Mannheim (310.475) und Karlsruhe (276.571). Die zahlenmäßig meisten Gemeinden, nämlich 515 oder 46,4 Prozent, haben zwischen 1000 und 5000 Einwohner.

Die alternde Gesellschaft

Graphik Altersaufbau der Bevölkerung in Baden-Württemberg

Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 

Ein »Jahrhundert der Senioren« scheint auf die bundesdeutsche Bevölkerung zuzukommen. Diese Entwicklung erfordert eine rechtzeitige Auseinandersetzung mit den zu erwartenden Problemen. Nicht nur der Staat, sondern alle politischen Kräfte und gesellschaftlichen Gruppen sind hier gefordert. Auch in Baden- Württemberg zeigt sich der Alterungsprozess. Aus der früheren »Pyramide« (unten breit, oben spitz) wird langsam ein »Alters-Pilz« mit umgekehrten Proportionen. Insgesamt hat sich in Baden-Württemberg die Zahl der Personen im Alter von über 75 Jahren von 1970 bis 1997 fast verdoppelt.

 

Graphik Bevölkerungsdichte in Baden-Württemberg

Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

 

Spätaussiedler

Rund 12.600 Aussiedler sind im Jahr 1998 aus ost- und südosteuropäischen Ländern nach Baden-Württemberg gekommen. 1997 waren es noch 16.700. Die Abnahme der Zahl von Aussiedlern war bereits in den Jahren zuvor zu beobachten und hat sich weiter fortgesetzt. Hatte 1990 der Zugang von Spätaussiedlern nach Baden-Württemberg mit rund 92.000 noch eine Rekordmarke erreicht, so haben sich Zugang, Aufnahme und staatliche Unterbringung der Spätaussiedler in den letzten Jahren verstetigt und sind kontinuierlich gesunken. Die größte Gruppe der Spätaussiedler kommt aus der ehemaligen Sowjetunion (rund 80 Prozent), gefolgt von Spätaussiedlern aus Rumänien und Polen.

Asylbewerber in Baden-Württemberg

Auch die Anzahl der Asylsuchenden in Baden-Württemberg ist in den letzten Jahren rückläufig. 1998 waren es mit rund 10.800 Personen zwar annähernd gleich viele wie im Jahr 1997, aber im Vergleich zu den Jahren davor ist dies ein deutlicher Rückgang von Menschen, die im deutschen Südwesten Asyl suchen und aufgenommen wurden. Ursächlich für diese Entwicklung dürfte vor allem die Wirkung der Asylrechtsänderungen aus dem Jahre 1993 sein, die bundesweit zu einem massiven Rückgang der Asylsuchenden führte. Hinzu kommen weitere Faktoren, etwa die deutlich abgesenkten Leistungen für Asylsuchende oder die Umstellung von Geld- auf Sachleistungen. Seit dem 1. April 1998 ist die Unterbringung der Asylsuchenden Sache der Kreise. Zum Jahresbeginn 1999 hielten sich in Baden-Württemberg rund 27.600 Asylbewerber auf, untergebracht in staatlichen oder kommunalen Unterkünften. Von den im Land aufgenommenen Asylbewerbern kamen 1998 die meisten aus dem ehemaligen Jugoslawien (51,7 Prozent). Zweitwichtigstes Herkunftsland war die Türkei (11,8 Prozent), gefolgt vom Irak mit 9,1 Prozent. Am 1. Juli 1993 trat ein neues Asylrecht in Kraft. Seither kommen Ausländer in Deutschland nicht mehr in das Asylverfahren, wenn sie über einen sogenannten »sicheren Drittstaat« einreisen. Sie können umgehend zurückgewiesen werden. Mit dem Amsterdamer Vertrag der Europäischen Union vom Juni 1997 wurde ein wesentlicher Teil der Ausländer- und Asylpolitik der Mitgliedstaaten der EU vergemeinschaftet. Da die Kommunen die Hauptlast der Aufnahme von Asylbewerbern und Flüchtlingen tragen, ist für sie von besonderem Interesse, ob im Rahmen dieser europäischen Harmonisierung eine Verteilungsquote oder ein finanzieller Lastenausgleich zwischen den Mitgliedstaaten gewählt wird.

 

Foto Spätaussiedler- und Asylantenkinder

12,1 Prozent der im Südwesten lebenden Menschen waren Anfang des Jahres 1999 ausländische Mitbürger Nach Hessen ist dies im Vergleich der Bundesländer die zweithöchste Ausländerquote. Immer wieder ist das Zusammenleben von Deutschen und ausländischen Mitbürgern unter dem Stichpunkt »Integration« Inhalt lebhafter Diskussionen, zuletzt während des Bundestagswahlkampfes 1998. Unter dem Schlagwort »Doppelpass« wurde über eine Änderung des Staatsbürgerschaftsrechts und die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft für Ausländer diskutiert. Ab dem 1. Januar 2000 soll ein neues Staatsbürgerschaftsrecht in Kraft treten: Ausländische Kinder und Mitbürger sollen dann bis zum Alter von 23 Jahren sowohl die deutsche Staatsangehörigkeit als auch die ihres Herkunftslandes haben können und müssen sich dann entscheiden. Für erwachsene Ausländer wird die Einbürgerung erleichtert: Sie können bereits nach acht Jahren statt wie bisher nach 15 Jahren einen deutschen Pass beantragen. »Multikulturelle Gesellschaft« oder »Grundwerte«- und »Verantwortungsgemeinschaft« sind zwei der zahlreichen Positionen, die in der Diskussion über den »Doppelpass« vertreten werden. Von grundsätzlicher Bedeutung aber ist Toleranz im gemeinsamen Zusammenleben, die diese Kinder aus aller Herren Länder im schulischen Alltag erfahren und einüben. Das positive Bevölkerungswachstum der letzten Jahre in Baden-Württemberg wird zu großen Teilen von der ausländischen Bevölkerung getragen. Auch der Wanderungsgewinn des Landes entfällt zum größeren Teil auf die Zuwanderung von EU-Bürgern und Menschen aus Osteuropa und dem ehemaligen Jugoslawien. Jedes Jahr erhalten in Baden-Württemberg rund 18.000 Personen die deutsche Staatsangehörigkeit 
Foto: dpa

 

Bürgerkriegsflüchtlinge 

Vor allem in den größeren Städten Baden-Württembergs halten sich zahlreiche Bürgerkriegsflüchtige aus dem ehemaligen Jugoslawien auf. 1998 wurden nur Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina als Bürgerkriegsflüchtlinge angesehen. Ende 1998 waren dies rund 13.600. Viele von ihnen sind aber inzwischen in ihre Heimat zurückgekehrt oder haben die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt.

 

Graphik über Mundarten in Baden-Württemberg

Die Hauptsprachgrenzen in Baden-Württemberg 
– Wie in den Mundarten aus Schnee Schnai oder Schnäa wird –

»Grombira?« sagen die Leute in Rottenburg, Nagold oder Freudenstadt »Äbirn« heißen sie in Künzelsau, »Jardepfel« in Balingen, »Härdöpfel« in Waldshut und die Ravensburger nennen sie gar »Bodabira« – gemein sind die Kartoffeln. In der Mundart wissen oft nur die Menschen in der betreffenden Region, was gemeint ist. Jenseits der immer mal wiederkehrenden Phasen öffentlicher Dialektbegeisterung halten sich die Dorf- und Regionalsprachen in Baden-Württemberg mit Zuverlässigkeit. Weder das Fernsehen mit seiner »planierten« Sprache, noch die Mobilität der modernen Gesellschaft oder das Verschwinden traditioneller bäuerlicher Lebensformen gefährden ernsthaft die Mundart. Gerade in Baden-Württemberg lässt sich die enge Verknüpfung von Siedlungsgeschichte und politischer Entwicklung mit der Geschichte der Landessprachen und der Entwicklung der Mundarten gut zurückverfolgen. Die Karte zeigt anhand von Beispielen die Hauptsprachgrenzen in Baden-Württemberg

 


Copyright ©   1999  LpB Baden-Württemberg   HOME

Kontakt / Vorschläge / Verbesserungen bitte an: lpb@lpb-bw.de