Baden-Württemberg

Kleine politische Landeskunde


Hrsg.: LpB

1999

 

Kleine politische Landeskunde

Inhaltsverzeichnis

 

Die Landwirtschaft

In keinem anderen Wirtschaftsbereich sind seit Kriegsende die Strukturveränderungen so tiefgreifend gewesen wie in der Landwirtschaft. Auch in Baden-Württemberg hat die Landwirtschaft ständig an Gewicht verloren. Seit 1949 sind von 324.200 Betrieben mit mindestens einem Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche 243.200 oder 75 Prozent aus der Land- und Forstwirtschaft ausgeschieden. Besonders ausgeprägt verlief der Strukturwandel in den 60er und 70er Jahren mit einer jährlichen Abnahme um durchschnittlich 6800 Betriebe. Im vergangenen Jahrzehnt wurden täglich neun Betriebe im Land aufgegeben. Charakteristisch für die Landwirtschaft im Südwesten ist immer noch die große Bedeutung von Kleinbetrieben in Form bäuerlicher Familienbetriebe und der traditionell hohe Anteil an Nebenerwerbslandwirten, die tagsüber einem anderen Beruf nachgehen und nach Feierabend ihren Hof umtreiben. Durch die Preis- und Strukturpolitik der Europäischen Union (Agenda 2000) ist die Situation der Landwirtschaft auch hierzulande äußerst schwierig geworden.

Land der Sonderkulturen

Schwetzinger Spargel, Tettnanger Hopfen, Bühler Zwetschgen, Filderkraut, bundesweit bedeutendstes Erzeugerland für Äpfel, Tabak und Erdbeeren, zweitgrößtes weinbautreibendes Bundesland: Die Beispiele belegen, dass dem Anbau von Sonderkulturen in Baden-Württemberg eine besondere Bedeutung zukommt. Auf die Sonderkulturen, die durch besondere Ansprüche an Wachstumsfaktoren, intensiven Arbeitsaufwand und hohe Anforderungen an Erntetechnik und Weiterverarbeitung geprägt sind, entfallen zwar nur 4 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Land, aber rund drei Viertel der Verkaufserlöse aus pflanzlicher Erzeugung. Über die zahlreichen Sonderkulturen hinaus gibt es im Südweststaat eine vielfältige Landwirtschaft mit Getreide-, Hackfrucht-, Ölfrucht-, Futteranbau sowie Grünland und Forstwirtschaft. Je nach Klima, Boden, Höhenlage und Absatzmöglichkeiten haben sich dabei regionale Schwerpunkte entwickelt. In nicht wenigen Landesteilen ist die Agrarproduktion durch Tierzucht und -haltung geprägt, deren Produkte eine wesentliche Einkommensquelle darstellen.

 

Spargelstechen in Graben-Neudorf

Spargelstechen in Graben-Neudorf bei Karlsruhe. 
Foto: Landesbildstelle Baden, Karlsruhe 

 

Traditionell hoher Anteil an Nebenerwerbslandwirtschaft

58.000 der insgesamt 81.000 landwirtschaftlichen Betriebe in Baden-Württemberg (1997) mit einer Fläche von jeweils mehr als einem Hektar sind Nebenerwerbsbetriebe. Von 1979 bis 1997 hat sich der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe an der Gesamtzahl landwirtschaftlicher Betriebe von 60,9 Prozent auf 66,3 Prozent erhöht. Die Nebenerwerbslandwirtschaft hat in Baden- Württemberg Tradition. Dies ist zum Teil eine Folge der relativ hohen Besiedlungsdichte, vor allem in Realteilungsgebieten, in denen das Land nicht von einem einzelnen Hoferben geschlossen übernommen, sondern unter den Geschwistern aufgeteilt wurde, aber auch im Einzugsbereich der Städte und gewerblich- industriellen Ansiedlungen. Hier lockten schon immer besser bezahlte Arbeitsplätze in Gewerbe und Industrie. Landwirtschaftliche Betriebsfläche ging zudem für Bauplätze, Gewerbe- und Verkehrsflächen verloren. Besonders hoch ist der Anteil der Nebenerwerbslandwirte an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in den Kreisen Calw, Rottweil und im Zollernalbkreis: Dort nutzen die Nebenerwerbslandwirte weit mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Fläche.

 

Grafik Landwirtschaftliche Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe

 

Haldenhof im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck

Zeugnisse der bäuerlichen Kultur in Baden-Württemberg sind in den regionalen Freilichtmuseen zu sehen. Das Foto zeigt den stattlichen Haldenhof, ein Schwarzwaldhaus aus Schonach. Der Hof steht heute im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck im Kreis Tuttlingen. 
Foto: Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck

 

Rückgang der Erwerbstätigen

Der tiefgreifende Strukturwandel in der Wirtschaft des Landes hat sich auch stark auf die Verteilung der Erwerbstätigen in den einzelnen Wirtschaftsbereichen ausgewirkt. Am ausgeprägtesten war dabei der Rückgang der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft. 1950 arbeitete noch jeder Vierte in diesem Bereich, heute ist es nur noch jeder Zwanzigste.

Das Weinland Baden-Württemberg

»Der Wein erfreut des Menschen Herz« wusste schon der Psalmist. Den Badenern und Württembergern ist dies wohl bekannt: Baden-Württemberg ist mit einem Anteil von rund 25 Prozent an der bundesdeutschen Rebfläche nach Rheinland-Pfalz das zweitgrößte weinbaubetreibende Bundesland. 1998 umfasste die Gesamtrebfläche annähernd 29.000 Hektar. Im Anbaugebiet Baden werden folgende Weinbaubereiche unterschieden: Badische Bergstraße/ Kraichgau, Bodensee, Breisgau, Kaiserstuhl, Markgräflerland, Ortenau, Tauberfranken, Tuniberg. Das Anbaugebiet Württemberg umfasst die Bereiche Kocher-Jagst-Tauber, Oberer Neckar, Remstal-Stuttgart, Württembergisch-Unterland, Württembergischer Bodensee.

Zwischen den Anbaugebieten bestehen beträchtliche Unterschiede im Rebsortiment. So kultivierten 1998 die Badener Weingärtner 68 Prozent weiße und nur 32 Prozent rote Rebsorten, während in Württemberg die Rotweinerzeugung mit 69 Prozent im Vordergrund steht. Der Gutedel wird nur im badischen Markgräflerland angebaut, Trollinger, Lemberger, Schwarzriesling und Samtrot findet man fast nur im Weinbaugebiet Württemberg, wo mit der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg eine lange Tradition der Neuzüchtung, Kreuzung und Veredelung von Rebsorten besteht. Unter anderem wurde hier die Kernerrebe geschaffen, eine Neuzüchtung aus Trollinger und Riesling, benannt nach Justinus Kerner, dem Dichter der schwäbischen Romantik. Unter den Weißgewächsen dominiert in Baden der Müller- Thurgau, während in Württemberg der Riesling den ersten Rang einnimmt. Bei den Rotweinrebsorten behauptet in Baden der Blaue Spätburgunder die Spitzenposition. In Württemberg lag 1998 bei den Roten der Trollinger mit 23 Prozent an der Spitze der Sortenskala. Gemeinsam haben die Weine aus Baden und Württemberg ihre hohe Qualität: Die Erzeugung beschränkt sich fast ausschließlich auf Qualitätsweine und Qualitätsweine mit Prädikat.

 

Strümpfelbach im Remstal

Strümpfelbach: ein Teilort der Gemeinde Weinstadt im württembergischen Weinanbaugebiet Remstal-Stuttgart. Neben seiner Weine ist Strümpfelbach bekannt für seine historischen »Wengerterhäuser«. 
Foto: Landesbildstelle Württemberg, Stuttgart

 

Spitzenstellung beim alternativen Landbau

Das Land nimmt beim alternativen Landbau eine Spitzenstellung ein: In der Bundesrepublik und in der Europäischen Union weist Baden-Württemberg nach Zahl und Fläche den höchsten Anteil alternativ wirtschaftender Betriebe auf.

 

Landwirtschaftliche Flächen in den Naturräumen Baden-Württembergs

 

Weinberge am Kaiserstuhl

Weinberge am Kaiserstuhl. Die großflächige Terrassierung wird heute nicht mehr durchweg positiv gesehen.
Foto: Landesbildstelle Baden, Karlsruhe

 


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