Baden-Württemberg

Kleine politische Landeskunde


Hrsg.: LpB

1999

 

Kleine politische Landeskunde

Inhaltsverzeichnis

 

Mahn- und Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus in Baden-Württemberg

Internet: Gedenkstätten in Baden-Württemberg 

»Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie lässt sich ja nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.« (Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985)

 

Deportation von Landtagsabgeordneten aus Karlsruhe in das Konzentrationslager Kislau am 16. Mai 1933. 
Foto: Landesbildstelle Baden, Karlsruhe

 

Zahlreiche Mahn- und Gedenkstätten erinnern heute in der Bundesrepublik Deutschland an die zwölf Jahre währende, grauenvolle national- sozialistische Gewaltherrschaft. Jahre, in denen auch auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg Menschen aus politischen, rassischen, religiösen und anderen Gründen, wegen Widerstand und Verweigerung verfolgt, gequält, gefoltert, durch Zwangsarbeit vernichtet oder ermordet wurden. Auch hier wurden Menschen wegen geistiger oder körperlicher Behinderung als »lebensunwert « und »minderwertig« eingestuft und getötet. Grafeneck auf der Schwäbischen Alb war nur einer dieser weithin bekannten Orte, an dem »Euthanasie«- Maßnahmen zur »Vernichtung lebensunwerten Lebens« auf schrecklichste Art und Weise »durchgeführt« wurden. In Stetten am Kalten Markt richtete die Gestapo schon im März 1933 das erste Konzentrationslager im heutigen Baden-Württemberg ein. Es bildete den Grundstock des späteren ausgedehnten Systems der Konzentrationslager. Eine andere Todesstation war das Konzentrationslager Oberer Kuhberg in Ulm. Es existierte von November 1933 bis zum Juli 1935. Heute gibt es dort eine Gedenk- und Dokumentationsstätte. Sie ist die einzige in ihrem ursprünglichen baulichen Zustand erhaltene Stätte des nationalsozialistischen Konzentrationslager- Systems in Baden-Württemberg. Die Topographie der Mahn- und Gedenkstätten in Baden-Württemberg, an denen sich vor wenigen Jahrzehnten unvorstellbares Leid abspielte, ist noch keineswegs abgeschlossen. Immer noch werden durch neue Forschungen Einzelheiten bekannt. Zunehmend bemühen sich Bürger und Institutionen um Aufhellung der Ereignisse und Wirkungsmechanismen dieser grauenvollen Vorgänge. Vor allem auch das Interesse an einer lokalgeschichtlichen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ist gewachsen. In der Errichtung von Gedenkstätten drückt sich die Überzeugung aus, dass wir aus der Geschichte lernen können, wenn wir uns mit ihr auseinandersetzen. Die vielfältigen und unterschiedlichen Formen des Gedenkens sind Ausdruck politischer Kultur, Gedenkstätten und der Umgang mit ihnen Spiegelbilder historisch-politischen Bewusstseins. Seit 1996 hat der Landtag der Landeszentrale für politische Bildung eine besondere Verantwortung für die Gedenkstätten in Baden- Württemberg übertragen

 

Grafik "Ehemalige Konzentrationslager"

© Verein für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

 


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