Baden-Württemberg

Kleine politische Landeskunde


Hrsg.: LpB

1999

 

Kleine politische Landeskunde

Inhaltsverzeichnis

 

Umweltschutz im Industrieland Baden-Württemberg

»Der gebildete Mensch macht sich die Natur zu seinem Freund.« (Friedrich Schiller, 1759-1805)

Als dicht besiedeltes Land mit großem Industrieanteil, hoher Verkehrsbelastung, intensiver Landwirtschaft und hohem Einkommens- und Konsumniveau ist Baden-Württemberg in besonderem Maße von Umweltproblemen betroffen. Im Vergleich zu anderen Industrieregionen verfügt das Land jedoch über ein relativ hohes Umweltschutzniveau. Und trotz aller Anstrengungen und Erfolge von Landesregierung, Städten und Kommunen sowie Umweltorganisationen haben die Probleme nur punktuell abgenommen. Auf breiter Front sind sie insgesamt gewachsen und bleiben eine gesellschaftspolitische Herausforderung.

 

Naturschutzgebiet

Foto: Schober-Penz

 

Umfassende Daseinsfürsorge

Umweltpolitik wird von der Landesregierung als umfassende und nachhaltige Daseinsfürsorge verstanden, die nicht nur Symptome kurieren will. Langfristige, in sich logische und schlüssige Konzepte jenseits der Tagesaktualität sind angesagt. Grundprinzipien der Umweltpolitik sind Verursacher-, Vorsorge- und Kooperationsprinzip. Umweltpolitik ist aber kein Anliegen von wenigen Experten und Politikern, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Herausforderung, die für die Bürgerinnen und Bürger nachvollziehbar sein muss.

Strategien für die Umweltprobleme im Weltmaßstab

Der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ist ein Ziel mit Verfassungsrang. Baden- Württemberg war 1987 mit der Gründung eines eigenständigen Umweltministeriums Vorreiter in Sachen Umweltschutz. Im Juni 1996 wurden Umweltministerium und Verkehrsministerium zum Ministerium für Umwelt und Verkehr zusammengeführt. Es wird seit November 1998 von Ulrich Müller geleitet. Nachdem auf drängenden Problemfeldern der Umweltpolitik in den vergangenen Jahrzehnten Fortschritte erzielt werden konnten, geht es jetzt nach der »Reparatur der Schäden« um Fragen des Umweltschutzes im Weltmaßstab. Das Ministerium setzt dabei auf Kommunikation: _ Der »Umweltplan Baden- Württemberg« soll allen gesellschaftlichen Kräften Gelegenheit geben, an einem langfristigen Orientierungsrahmen mit dem Zieljahr 2010 mitzuwirken. Ziel sind Qualitätsstandards und Maßnahmen für die verschiedenen Handlungsfelder wie Klima- und Gewässerschutz sowie Ressourcenschonung. Hier sind Eigenverantwortung und Kreativität gefragt, wo herkömmliche Instrumente wie Gesetze und Detailregelungen an ihre Grenzen stoßen. _ In Umweltpartnerschaften mit der Wirtschaft und der Landwirtschaft sollen Umweltprobleme im partnerschaftlichen Dialog gelöst und Unternehmen der Einstieg in eine rohstoff-, energie- und abfallärmere Produktion erleichtert werden. _ Durch Öko-Audits und Umweltmanagement sollen für Unternehmen branchenspezifische Leitfäden aus der Praxis für die Praxis gewonnen werden. Unternehmen, die auf ökologische Effizienz setzen, soll über das Steuersystem Anreize für umweltfreundliches Verhalten geschaffen werden. _ Die lokale »Agenda 21« weist den Kommunen bei der Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens eine Schlüsselrolle zu. »Global denken – lokal handeln« ist die Devise des Agenda- Prozesses, der bürgerschaftliches Engagement, Kreativität und Anstöße vor Ort fördert.

 

Blautopf bei Blaubeuren

Eine der schönsten Quellen Deutschlands: der Blautopf bei Blaubeuren im Alb-Donau-Kreis 
Foto: Landesbildstelle Württemberg, Stuttgart

 

EU-Binnenmarkt – Chancen und Gefahren für den Umweltschutz

Durch den Europäischen Binnenmarkt und das damit verbundene politische Zusammenwachsen der Mitgliedstaaten entstehen neue Chancen im Bereich der Umweltpolitik, aber auch Gefahren für die Umwelt. Baden-Württemberg hat aufgrund seines vergleichsweise hohen Umweltstandards ein besonderes Interesse an einem hohen europäischen Umweltschutzniveau. Das schwächste Glied in der Kette darf nicht das Niveau bestimmen. Umweltschutz ist eine europäische Herausforderung. Ein Beispiel für die Notwendigkeit einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in den Bereichen Wasser- und Umweltqualität ist der Bodenseeraum. Hier wie auch am Rhein sind partnerschaftlicher

 

Entwicklung der Flächennutzung in Baden-Württemberg 
– Ergebnisse der Flächenerhebungen 1989, 1993 und 1997 – 
 

Tabelle über die Flächenerhebung und -nutzung in Baden-Württemberg

Betriebsfläche, Wasserfläche und Fläche anderer Nutzung (z. B. Unland, Übungsgelände). 2) Summe aus Gebäude- und Freifläche, Betriebsfläche ohne Abbauland, Erholungsfläche, Verkehrsfläche, Friedhof. 
Quelle: Statistisches Landesamt Baden Württemberg

Dialog und gemeinsame Maßnahmen der europäischen Regionen gefragt. Aber auch in anderen Bereichen wie der Umweltforschung oder der Einrichtung eines »Umwelt- Informationssystems« spielt das Land Baden-Württemberg bereits auf nationaler wie auf europäischer Ebene eine führende Rolle.

Luftverschmutzung

Hauptverursacher der Luftverunreinigung sind die gewerbliche Produktion, die industriellen Feuerungsanlagen, Kraftwerke, die privaten Heizungen und der Kraftfahrzeugverkehr. Die Schwefeldioxid-Emission in Baden-Württemberg konnte von 1987 bis 1995 um rund zwei Drittel reduziert werden. Größtes Problem bleibt die hohe Belastung der Luft mit Stickstoffoxiden, die zu über 70 Prozent aus dem Kraftfahrzeugverkehr stammen. Baden-Württemberg ist das Problem Luftverschmutzung massiv angegangen: Heute werden im Land die fortschrittlichsten Luftreinhaltepläne in der Bundesrepublik Deutschland erarbeitet.

Wasserreiches Bundesland

Rund 75 Prozent des Trinkwassers im Land stammen aus Grund- und Quellwasser. Baden-Württemberg gehört damit zu den wasserreichen Bundesländern. Industrie- und Gewerbebetriebe, bei denen mit wassergefährdenden Stoffen umgegangen wird, Abfall- und Abwasseranlagen, Altlasten, Eingriffe in schützende Deckschichten wie z. B. Baggerseen und die Landwirtschaft haben jedoch das Wasser zunehmend gefährdet. Der Gewässerschutz gehört deshalb zu den wichtigsten Aufgaben der Umweltpolitik. Für ihn sind Bund und Länder gemeinsam zuständig. Mit der Novellierung des baden- württembergischen Wassergesetzes 1996 wurde dieses Rechtsgebiet durchgehend ökologisiert. Zum Schutz der Gewässer gibt es seitdem entlang von Flüssen, Bächen und Seen geschützte »Gewässerrandstreifen«. Auf einer Länge von rund 50.000 km darf hier Grünland nicht mehr umgebrochen werden, damit Nähr- und Schadstoffe nicht in die Gewässer abgeschwemmt werden.

Grundwasserschutz durch umweltverträgliche Landwirtschaft

Baden-Württembergs Grundwasser ist trotz Verbesserungen immer noch recht hoch mit Nitraten und Pestiziden belastet. Belastungsschwerpunkte sind vor allem Gebiete mit landwirtschaftlichen Intensivkulturen und leicht durchlässigen Böden. Neben der Verminderung des Schadstoffeintrags aus der Industrie hängt heute im Land ein wirksamer Grundwasserschutz weitgehend von einer umweltverträglichen Landwirtschaft ab. Mit der Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung wurde bereits 1988 ein Modell zur Reduzierung von Nitratbelastungen und zur Vermeidung des Eintrags von Pflanzenschutzmitteln eingeführt. Gleichzeitig wurde damit auch ein finanzieller Ausgleich für die Landwirte geschaffen, um eine umweltverträgliche Landwirtschaft in Wasserschutzgebieten zu unterstützen. In Baden-Württemberg sind annähernd 20 Prozent der Landesfläche als Wasserschutzgebiete ausgewiesen. Ziel des Landes ist es, zur nachhaltigen Sicherung des Trinkwasservorkommens alle Grundwasservorkommen, die für die öffentliche Wasserversorgung geeignet sind, als Schutzgebiete festzusetzen.

Abwasser

Der Bau von zentralen Kläranlagen war eine der wesentlichen Umweltschutzaufgaben der vergangenen Jahrzehnte. Heute werden im Land die Abwässer von 95 Prozent der Bevölkerung in rund 1200 zentralen Kläranlagen gereinigt. Die Umweltund Wasserqualität hat sich dadurch messbar verbessert. Zukünftig gilt es, durch angepasste und finanzierbare Konzepte für die dezentrale Abwasserbeseitigung auch Lösungen für den ländlichen Raum weiter voranzubringen und somit die dort meist kleinen Gewässer zu entlasten.

Der Patient Wald: die Diagnose im Südwesten

flächenhaft geschädigtes Waldstück im Schwarzwald

Baden-Württemberg ist nach Bayern das waldreichste Bundesland. 37,8 Prozent der Landesfläche sind bewaldet. Nach den Ergebnissen der terrestrischen Waldschadensinventur von 1998 zeigte sich im Durchschnitt eine leichte Verbesserung des Belaubungs- und Benadelungszustands. Der Schwarzwald und das Neckarland haben weiterhin den größten Anteil geschädigter Bäume (Bild: flächenhaft geschädigtes Waldstück im Schwarzwald). Trotz des deutlichen Rückgangs der Schwefeldioxidimmissionen bleiben die hohen Säure- und Stickstoffeinträge ein bedeutendes Risiko. Und trotz der günstigen Entwicklung des Kronenzustandes in den letzten Jahren bestehen auch weiterhin Risiken für die Stabilität des Waldökosystems. 
Foto: Landesbildstelle Württemberg, Stuttgart 

Abfall – ein Problem für den Industriestandort Baden- Württemberg? Sichtbarste Zeichen unserer »Wegwerfgesellschaft« sind Abfälle. Anfang der 90er Jahre drohte in zahlreichen Stadt- und Landkreisen der »Entsorgungsnotstand«. Mit der Verpackungsverordnung (1991) sowie der Einführung des Dualen Systems wurde ein erster Schritt in Richtung Vermeidung und Wiederverwertung von (Verpackungs-) Abfällen getan. 1996 trat das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz in Kraft. Im Rückgang der Haus- und Sperrmüllmengen können die Stadt- und Landkreise auch einen Erfolg ihrer Abfallberatung und ihres Verwertungsangebots für die Bürger sehen. Das Haus- und Sperrmüllaufkommen konnte in Baden- Württemberg pro Kopf und Jahr von 269 kg (1990) auf 163 kg (1997) gesenkt werden. Gleichzeitig werden mehr Wertstoffe aus dem Hausmüll abgeschöpft. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die aus den Haushaltsabfällen der Verwertung zugeführten Menge (ohne Grün- und Bioabfälle) mehr als verdoppelt. An Bio- und Grünabfällen wurden 1997 im Land 1,1 Millionen Tonnen separat erfasst. In 24 Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs erfolgte die Bioabfallerfassung 1997 ganzjährig und flächendeckend.

 

Randecker Maar im Kreis Esslingen

Das Randecker Maar im Kreis Esslingen ist ein ehemaliger Vulkankrater. Dreiviertel des Kraterrandes sind noch erhalten, der Krater selbst ist heute Weidegelände. Die gegen rund um das Randecker Maar ist ein beliebtes Wandergebiet. Zahlreiche Burgruinen wie die Teck, Die Ruine Rauber und die Ruine Reußenstein sind hier zu finden. 
Foto: Landesbildstelle Württemberg, Stuttgart

Sondermüll

Im Jahr 1990 fielen im Land fast 700.000 Tonnen »klassische « Sonderabfälle an. 1996 waren es noch rund 500.000 Tonnen, von denen 61,2 Prozent zur Verwertung abgegeben wurden. Dennoch bleiben Behandlung, Deponierung und Verbrennung von Sonderabfällen ein Problem. In den wichtigsten Branchen der Wirtschaft des Landes, dem Maschinen- und Fahrzeugbau wie auch in der Elektrotechnik, fallen Sonderabfälle an, die zu einem Großteil außerhalb der Landesgrenzen entsorgt werden. Baden-Württembergs Sondermülldeponie ist die Deponie Billigheim im Neckar- Odenwald-Kreis. Sie kann eine Million Kubikmeter Sondermüll aufnehmen. Außerdem steht im Salzbergwerk Heilbronn eine Untertagedeponie zur Verfügung. Zur sicheren und umweltverträglichen Entsorgung von Sonderabfällen wurde 1994 ein Entsorgungsvertrag mit der Abfallverwertungsgesellschaft in Hamburg geschlossen. Sonderabfallverbrennungsanlagen gibt es in Baden-Württemberg nicht. Der lange Streit um den Standort einer solchen Anlage in Kehl und im Mittleren Neckarraum zeigt, dass keiner sie vor der eigenen Haustür haben will.

Abfälle und Reststoffe in Baden-Württemberg

Tabelle Abfälle und Reststoffe in Baden-Württemberg

1) einschl. stofflich verwertetem Sperrmüll 2) Wertstoffgemische einschl. Rückstände aus der Sortierung 3) 1996 geänderte Erhebungsmethodik 4) Problemstoffe, Aschen, Stäube, Schlacken, Shredderrückstände 5) für 1990 keine getrennten Daten für Industrieschlamm und Schlamm aus der Papierherstellung 
Quelle: Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg

Gütezustand der Fließgewässer in Baden-Württemberg auf biologisch-ökologischer Grundlage (Stand: 1998) Gewässergüteklassen der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser der Bundesrepublik Deutschland (LAWA) LAWA-Güteklassierung für Fließgewässer

Die Bestimmung der Gewässergüte wird nach einem bundeseinheitlichen biologischen Verfahren der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) auf der Grundlage der Bioindikation vorgenommen (vgl. Erläuterungen zur Karte). Für die einzelnen Güteklassen gelten folgende Kriterien:

Güteklasse I: unbelastet bis sehr gering belastet Gewässerabschnitte mit reinem, stets annähernd sauerstoffgesättigtem und nährstoffarmem Wasser; geringer Bakteriengehalt; mäßig dicht besiedelt, vorwiegend mit Algen, Moosen, Strudelwürmern und Insektenlarven; sofern sommerkühl, Laichgewässer für Salmoniden.

Güteklasse I – II: gering belastet Gewässerabschnitte mit geringer anorganischer Nährstoffzufuhr und organischer Belastung ohne nennenswerte Sauerstoffzehrung; dicht und meist in großer Artenvielfalt besiedelt; sofern sommerkühl, Salmonidengewässer.

Güteklasse II: mäßig belastet Gewässerabschnitte mit mäßiger Verunreinigung und guter Sauerstoffversorgung; sehr gute Artenvielfalt und Individuendichte von Algen, Schnecken, Kleinkrebsen, Insektenlarven; Wasserpflanzenbestände können größere Flächen bedecken; artenreiche Fischgewässer.

Güteklasse II – III: kritisch belastet Gewässerabschnitte, deren Belastung mit organischen, sauerstoffzehrenden Stoffen einen kritischen Zustand bewirkt; Fischsterben infolge Sauerstoffmangels möglich; Rückgang der Artenzahl bei Makroorganismen; gewisse Arten neigen zu Massenentwicklung; fädige Algen bilden häufig größere flächenbedeckende Bestände.

Güteklasse III: stark verschmutzt Gewässerabschnitte mit starker organischer, sauerstoffzehrender Verschmutzung und meist niedrigem Sauerstoffgehalt; örtlich Faulschlammablagerungen; Kolonien von fadenförmigen Abwasserbakterien und festsitzenden Wimpertierchen übertreffen das Vorkommen von Algen und höheren Pflanzen; nur wenige, gegen Sauerstoffmangel unempfindliche tierische Makroorganismen wie Egel und Wasserasseln kommen bisweilen massenhaft vor; mit periodischem Fischsterben ist zu rechnen. Güteklasse III – IV: sehr stark verschmutzt Gewässerabschnitte mit weitgehend eingeschränkten Lebensbedingungen durch sehr starke Verschmutzung mit organischen, sauerstoffzehrenden Stoffen, oft durch toxische Einflüsse verstärkt; zeitweilig totaler Sauerstoffschwund; Trübung durch Abwasserschwebstoffe; ausgedehnte Faulschlammablagerungen; durch Wimpertierchen, rote Zuckmückenlarven oder Schlammröhrenwürmer dicht besiedelt; Rückgang fadenförmiger Abwasserbakterien; Fische nicht auf Dauer und nur ausnahmsweise anzutreffen.

Güteklasse IV: übermäßig verschmutzt Gewässerabschnitte mit übermäßiger Verschmutzung durch organische, sauerstoffzehrende Abwässer; Fäulnisprozesse herrschen vor; Sauerstoff über lange Zeit in sehr niedrigen Konzentrationen vorhanden oder gänzlich fehlend; Besiedlung vorwiegend durch Bakterien, Geißeltierchen und freilebende Wimpertierchen; Fische fehlen; bei starker toxischer Belastung biologische Verödung. (Quelle: Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg)

 

Karte über den Gütezustand der Fließgewässer in Baden-Württemberg

Die Gewässergütekarte 1998 stellt den biologisch-ökologischen Zustand der Fließgewässer in Baden- Württemberg im Zeitabschnitt 1993 bis 1997 dar. Gegenüber der Gütekarte von 1991 hat sich die insgesamt positive Gewässergüteentwicklung der vergangenen beiden Jahrzehnte weiter fortgesetzt. Die stetig abnehmenden Belastungen sind überwiegend das Ergebnis der landesweit verbesserten Abwasserreinigung und Regenwasserbehandlung. So hat sich der Anteil der Gewässer der Güteklasse II und besser seit 1991 von 71,2 % auf 76,2 % erhöht. Der Prozentsatz der am stärksten belasteten Gewässerabschnitte der Güteklasse III-IV ist von 1,6 % auf nur noch 0,4% zurückgegangen.

Insgesamt setzt das baden-württembergische Umwelt und Verkehrsministerium auf Vermeidung und Verwertung von Sonderabfällen sowie auf die zunehmende Behandlung der Abfälle im eigenen Land. Die Chancen zu Verminderung der Schadstoffpotentiale in den Abfällen und zur Wiederverwendung und -verwertung der Abfälle liegen in der Produktion selbst. Die Landesregierung ließ dafür Abfallart für Abfallart, Branche für Branche auf Möglichkeiten zur Verminderung und Verwertung von Sonderabfällen untersuchen und verlangt von den Betrieben die zügige Umsetzung dieser Erkenntnisse. Gesteuert werden die Sonderabfallströme mit Hilfe der 1990 eingeführten Andienungspflicht, die nach 1994 auf alle besonders überwachungsbedürftigen Abfälle erweitert wurde. Insgesamt geht das Konzept der Kreislaufwirtschaft davon aus, langfristig Ressourcen zu schonen und abfallarme, langlebige Produkte zu entwickeln. Wer Güter produziert, vermarktet oder konsumiert, soll auch für die Vermeidung, Verwertung und umweltverträgliche Beseitigung der Abfälle verantwortlich sein.

Die Last mit der Altlast

Auch in Baden-Württemberg ging eine Zeitbombe hoch: die der Altlasten. Jahrzehntelang war man sorglos mit schwer abbaubaren und umweltbelastenden Stoffen umgegangen, hatte sie auf Industriegeländen sowie öffentlichen und wilden Müllkippen gelagert. Das Ausmaß der Katastrophe ist vielfach unterschätzt worden. Anfang 1990 schätzten Experten die Zahl der industriellen Altlasten im Land auf 30.000. Hinzu kommen mindestens 6500 kommunale Altlasten. Häufigste Schäden sind: _ Verunreinigung des Grundwassers, so dass es nicht mehr als Trinkwasser zu verwenden ist; _ Verunreinigung von Bächen, Flüssen und Seen – Fischsterben und andere ökologische Schäden sind die Folge; _ Verunreinigung der Böden; _ Luftverunreinigungen, Gefahren durch giftige Gase. Seit 1988 wurden rund 90 Prozent der Landesfläche auf altlastenverdächtige Bereiche untersucht. Rund 350 kommunale und private Altlasten wurden aus dem errichteten Altlastenfonds saniert oder sind in einem fortgeschrittenen Sanierungsstadium.

 

Das Ökomobil vor Ort

Seit 1987 sind in Baden-Württemberg die Ökomobile unterwegs. Schulklassen, Jugendgruppen, Vereine, Gemeinden oder andere Gruppen können eines der insgesamt vier Ökomobile für einen Tag zu sich einladen. Im Mittelpunkt eines solchen Ökomobil-Tages stehen die Tiere und Pflanzen in der unmittelbaren Umgebung, ihr Aussehen und Verhalten, ihre Lebensbedingungen und Anpassungen an die Umwelt. 24 Arbeitsplätze sind in dem rollenden Naturschutzlabor vorhanden, ausgerüstet mit Schreib- und Malgerät, Bestimmungsbüchern, Ferngläsern, Stereolupen, Mikroskop, Kameras, chemischen Schnelltests u. a. Das Bild zeigt eine Grundschulklasse aus Steinheim an der Murr, der gerade die ersten Spielregeln und Suchaufgaben erklärt werden. Kontaktadressen sind die Bezirksstellen für Naturschutz und Landschaftspflege in Tübingen, Karlsruhe, Freiburg und Stuttgart. 
Foto: R. Wolf, BNL Stuttgart

Ökologie und Ökonomie aus einem Guss

Ulrich Müller, Minister für Umwelt und Verkehr in der Landesregierung von Baden- Württemberg, in der Zeitschrift »Epoche« im Dezember 1998:

»An der Schwelle zum dritten Jahrtausend stehen wir an einem Wendepunkt der Umweltpolitik. Eine nüchterne Bestandsaufnahme zeigt einerseits, dass viele Probleme aus den letzten Jahren und Jahrzehnten gelöst oder erhebliche Verbesserungen erzielt wurden. So konnten beispielsweise beachtliche Erfolge im Gewässerschutz und in der Luftreinhaltung erreicht werden. Dies belegen nicht nur abstrakte Zahlenreihen und Diagramme. Mit bloßem Auge ist erkennbar, dass Schaumberge auf Flüssen und Bächen ebenso verschwunden sind wie rauchende und Staub auswerfende Fabrik- oder Kraftwerksschlote. Andererseits stehen wir vor neuen Herausforderungen, hinter denen häufig globale Gefahrenlagen stehen. Probleme bereiten uns mögliche Klimaveränderungen sowie der ungebremste Ressourcenverbrauch. Dabei sind Ursachenzusammenhänge zwischen umweltschädlichen Verhaltensweisen und deren Folgen wesentlich komplexer. Oft haben wir es mit schleichenden, sich in Jahrzehnten vollziehenden Prozessen zu tun. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass Industrienationen und Entwicklungsländer auf gemeinsame Ziele hinarbeiten und sich über die einzusetzenden Instrumente verständigen. Ein großer Fortschritt war die UN-Konferenz in Rio de Janeiro, auf der sich die internationale Staatengemeinschaft im Jahre 1992 auf Leitlinien zu einer nachhaltigen Entwicklung – sustainable development – einigte. Damit war klar, die ökologischen Probleme können nicht mehr isoliert betrachtet und schon gar nicht isoliert gelöst werden. Vielmehr müssen die Verflechtungen mit ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten berücksichtigt werden. Alle drei Elemente dieses Wirkungsgefüges sind gleichrangig zu beachten. Der Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung ist steinig, es gibt jedoch eine Reihe hoffnungsvoller Ansätze. Die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland hat in den vergangenen zehn Jahren begonnen, den Umweltschutz in ihre Unternehmenspolitik und ihre alltäglichen Betriebsabläufe zu integrieren. Ökonomie und Ökologie sind in vielen Unternehmen keine Gegensätze mehr. Diese Ansätze zu vertiefen, muss ein vorrangiges Politikziel sein. Wir benötigen eine stärker dem qualitativen Wachstum verpflichtete Marktwirtschaft. Wichtiger Baustein der Nachhaltigkeit ist die Erhöhung der Ressourcenproduktivität im Prozess der Wertschöpfung. Das wirtschaftliche Wachstum soll mit immer weniger Einsatz von nicht erneuerbaren Ressourcen und mit immer weniger Umweltbelastungen erzielt werden. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass die erneuerbaren Ressourcen nur so genutzt werden, wie sie sich unter den Bedingungen der industriellen Produktion ständig regenerieren können. Für das Ziel der nachhaltigen, also dauerhaft umweltgerechten Entwicklung spielt die Kooperation von Staat und Wirtschaft eine zentrale Rolle. (...)«

 

Waldfläche in den Naturräumen Baden-Württembergs 1997

Karte mit Waldflächen in Baden-Württemberg

Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Ozon

Mit steigenden Temperaturen gelangt jedes Jahr wieder ein Thema ganz nach oben in der öffentlichen Diskussion: das gesundheitsschädigende bodennahe Reizgas Ozon. Der Kraftfahrzeugverkehr ist sicherlich einer der Hauptverursacher von Ozon. Neben dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs und einem weiteren Technologiesprung hin zu kraftstoffsparenden und emmissionsarmen Fahrzeugen brauchen wir aber vor allem einen bewussteren Umgang mit unserer Mobilität. Seit 1995 gibt es für das gesamte Bundesgebiet das »Ozongesetz«, das an Tagen mit erhöhter Ozonkonzentration eingeschränkte Fahrverbote vorsieht. Besonders an sonnigen Tagen mit hohen Ozonwerten ist weniger Auto fahren deshalb mehr: mehr für Gesundheit und Umwelt.

Lärm

Lärm ist eine allgegenwärtige und unerwünschte, aber nicht immer vermeidbare Erscheinung unseres technischen Fortschritts. In den Bereichen Industrie, Gewerbe und Verkehr sowie in Sport- und Freizeitanlagen ist Lärm gewollt oder ungewollt präsent. Die Lärmbelastung der Bevölkerung hat in den letzten Jahren weiter zugenommen. Lärm gefährdet in erheblichem Ausmaß die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen. Ständige Lärmbelastung führt nicht nur zu Stress, sondern kann auch Gehörschäden und Störungen der Allgemeingesundheit verursachen. Die Landesregierung hat deshalb die Lärmschutzkonzeption Baden- Württemberg als eine umfassende Lärmschutzstrategie mit einer Vielzahl von Vorhaben, Maßnahmenbündeln und Initiativen entwickelt, die eine effektive Lärmvermeidung und Lärmverminderung in allen Lebensbereichen sowie eine umfassende Lärmvorsorge sicherstellen sollen.

Die Umweltforschung

Baden-Württemberg nimmt in der Umweltforschung seit vielen Jahren eine Spitzenstellung unter den Bundesländern ein und konnte hier richtungsweisende Akzente setzen. Im Rahmen von vier Großforschungsprojekten in den Bereichen Wasser-Abfall- Boden, Luftreinhaltung, angewandte Ökologie sowie Umwelt und Gesundheit wurden seit 1983 ca. 700 Forschungsprojekte gefördert. 1998 wurden die vier Großforschungsprojekte in dem Programm »Baden-Württemberg – Programm Lebensgrundlage Umwelt und ihre Sicherung« (BW-PLUS) zusammengeführt. Ziel ist die Förderung anwendungsorientierter Forschungsprojekte im Umweltbereich, die eine besondere Relevanz für Baden-Württemberg haben. Über die Analyse hinaus sollen praktisch verwertbare Konzepte und ökologisch, aber auch ökonomisch tragfähige Problemlösungen erarbeitet werden. BW-PLUS richtet sich an Universitäten, Fachhochschulen, private Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Organisatorisch betreut wird das Programm vom Forschungszentrum Karlsruhe. An der Landesanstalt für Umweltschutz wurde außerdem der Bereich Forschungstransfer eingerichtet, der bei der Konzeption anwendungsorientierter Forschungsprojekte sowie der Vermittlung und Umsetzung der Ergebnisse hilft.

Naturschutz im Land

Für den Naturschutz in Baden- Württemberg sind Leitlinien entwickelt worden – Vorgaben, die vielfach nur mittel- bis langfristig verwirklicht werden können. Letztendlich hängt deren Umsetzung von allen Beteiligten ab: Bürgern, Verbänden, Kommunen und Landesbehörden. Vordringlich soll es darauf ankommen _ die vorhandenen naturnahen Flächen zu sichern; _ in unterdurchschnittlich mit naturnahen Strukturen ausgestatteten Landschaften, also insbesondere in den intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten, Ausgleichsflächen und Regenerationsräume für die Natur zu schaffen und _ die für den Naturschutz wertvollen Flächen so zu entwickeln, dass sie ihre Funktionen als Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten voll erfüllen können.

Naturschutzgebiete und Naturdenkmale

In Baden-Württemberg gibt es fast 900 Naturschutzgebiete. Ihre Zahl hat sich seit 1986 annähernd verdoppelt. Mit rund 67.942 Hektar sind etwa 1,7 Prozent der Landesfläche als Naturschutzgebiete deklariert. Mittelfristig sollen drei Prozent der Landesfläche als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden. Als erstes Bundesland hat Baden-Württemberg 1992 das Biotopschutzgesetz vorgelegt. Dadurch werden besonders wertvolle landesspezifische Biotope wie Moore, Sümpfe, aber auch Feldgehölze oder Hohlwege unter Schutz gestellt. Dazu kommen knapp 14.000 »Naturdenkmale «, rund 5900 davon flächenhafte Naturdenkmale, also kleine Naturschutzgebiete wie Wasserläufe, Moore, Streuwiesen u. a.

Schutzgebiete mit internationaler Bedeutung

In Baden-Württemberg gibt es international bedeutende Naturschutzgebiete: Bereits 1968 erhielt das Wollmatinger Ried in der Nähe von Konstanz am Bodensee das Europadiplom, das 1988 erneut verlängert wurde. Dieselbe Auszeichnung erhielt 1989 das Wurzacher Ried in Oberschwaben.

Landschaftsschutzgebiete und Naturparks

Während durch Naturschutzgebiete hauptsächlich gefährdete Lebensräume für Tiere und Pflanzen erhalten oder entwickelt werden sollen, liegt der Schwerpunkt der Landschaftsschutzgebiete in der Erhaltung der natürlichen Eigenart und Schönheit der Landschaft sowie der Sicherung von Erholungsräumen. Die Schutzintensität ist deutlich geringer als bei den Naturschutzgebieten. In Baden- Württemberg gibt es insgesamt 1472 Landschaftsschutzgebiete mit 750.456 Hektar Fläche (Stand 1996). Das entspricht 20,1 Prozent der Landesfläche. Die derzeit fünf Naturparks in Baden-Württemberg – Obere Donau, Schönbuch, Stromberg- Heuchelberg, Neckartal-Odenwald und Schwäbisch-Fränkischer Wald – umfassen annähernd zehn Prozent der Landesfläche. Die Vorbereitungen für einen Naturpark im Südschwarzwald sind angelaufen.

Reizgas Ozon

Das bodennahe Reizgas Ozon entwickelt sich unter Sonneneinstrahlung durch fotochemische Umwandlung aus Stickoxiden und Kohlenwasserstoffen. Diese stammen vor allem aus Abgasen von Kraftfahrzeugen. Seit Juli 1995 ist bundesweit das Ozongesetz in Kraft, das bei »Sommersmog« ein Fahrverbot vorsieht. Nach einer EU-Richtlinie sollen Warnungen bei 180 Mikrogramm Ozon je Kubikmeter Luft ausgelöst werden. Autofahrer sollten dann auf ihr Fahrzeug verzichten, Kinder und ältere Menschen sollten anstrengende körperliche Tätigkeiten im Freien vermeiden. Das immer wieder heiß diskutierte Fahrverbot ab 240 Mikrogramm Ozon gilt nicht für Fahrzeuge mit geregeltem Drei- Wege-Katalysator, für »Fahrten zu besonderen Zwecken« (Urlauber und Pendler) sowie für weitere zu begründende Einzelausnahmen.

 


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