Studie zur kommunalen Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg 2015

Einleitung
Bürgerbeteiligung – Jugendbeteiligung

Demokratische Grundsätze und politische Zusammenhänge werden für Kinder und Jugendliche leichter verständlich, wenn sie selbst auf Entscheidungen Einfluss nehmen und ihr Umfeld mitgestalten können.
Partizipation ist daher ein elementarer Baustein des Demokratielernens. Deshalb müssen Kinder und Jugendliche befähigt werden, ihre eigene Meinung zu formulieren und die Möglichkeit erhalten, diese bei Entscheidungen einfließen zu lassen. Dafür ist es wichtig, ihnen Verantwortung zu übertragen und eigenständiges Handeln zuzutrauen.

Per Gesetz hat die Kinder- und Jugendhilfe die Aufgabe, Partizipation zu ermöglichen. Im Oktober 2015 ist die Verbindlichkeit von kommunaler Kinder- und Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg auch durch die Änderung der Gemeindeordnung § 41a gestärkt worden.

Im „Zukunftsplan Jugend“ gehört „Partizipation“ zu den Leitlinien der  Kinder- und Jugendarbeit mit klar benannten Zielen und Herausforderungen. Zum Engagement von Jugendlichen in Baden-Württemberg liegen derzeit verschiedene Studien vor:

Darüber hinaus hat die Pädagogische Hochschule Freiburg „Zentrale Ergebnisse der Bestandsaufnahme im Rahmen des „Zukunftsplan Jugend“ zusammengefasst.

Die Landeszentrale für politische Bildung BW hat 2012 zum ersten Mal eine Erhebung in den 1101 Kommunen Baden-Württembergs durchgeführt, um eine Übersicht über die verschiedenen Beteiligungsformen herzustellen. Die vorliegende Studie ist also die 2. Auflage dieser Erhebung und ergänzt die  Ergebnisse aus dem Jahr 2012.

Demokratische Grundsätze und politische Zusammenhänge werden für Kinder und Jugendliche leichter verständlich, wenn sie selbst auf Entscheidungen Einfluss nehmen und ihr Umfeld mitgestalten können. Partizipation ist daher ein elementarer Baustein des Demokratielernens. Deshalb müssen Kinder und Jugendliche befähigt werden, ihre eigene Meinung zu formulieren und die Möglichkeit erhalten, diese bei Entscheidungen einfließen zu lassen. Dafür ist es wichtig, ihnen Verantwortung zu übertragen und eigenständiges Handeln zuzutrauen.

Per Gesetz hat die Kinder- und Jugendhilfe die Aufgabe, Partizipation zu ermöglichen. Im Oktober 2015 ist die Verbindlichkeit von kommunaler Kinder- und Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg auch durch die Änderung der Gemeindeordnung § 41a gestärkt worden. Die Darstellung konzentriert sich auf die kommunalen Beteiligungsmöglichkeiten von Jugendlichen in Baden-Württemberg, andere politische Beteiligungsformen wie überregionalagierende NGO ?s wurden nicht berücksichtigt. Der Bereich Kinderbeteiligung wird mit dieser Studie noch nicht erfasst.

Jugendgemeinderäte sind für viele Akteure der Jugendarbeit im Land die geläufigste Form. Die Studie zeigt allerdings, dass sie bei weitem nicht die häufigste ist. Die Rückmeldungen aus den Kommunen lassen einerseits auf eine große Vielfalt und situationsgerechte Strukturen der Jugendbeteiligung schließen. Andererseits zeigen die Antworten und die Zahl der Teilnehmenden auch, dass Kinder- und Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg an vielen Stellen noch Entwicklungspotential hat und verbessert werden kann.

Die Landeszentrale für politische Bildung unterstützt die Kommunen dabei mit einer 3-jährigen Workshop-Reihe seit Februar 2016 zu den verschiedenen Aspekten von Kinder- und Jugendbeteiligung. Parallel dazu entsteht ein Leitfaden für die praktische Arbeit.

Die Kommentare und Anmerkungen im offenen Antwortbereich („Warum ist Jugendbeteiligung für Ihre Kommune wichtig?“) am Ende des Fragebogens sind besonders hervorzuheben. Sie zeigen die große Bedeutung, die Jugendbeteiligung zugeschrieben wird und lassen erkennen, dass sowohl die Jugendlichen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung als auch die Kommune davon profitieren.

Herzlichen Dank an alle, die an der Erhebung teilgenommen haben und durch ihr Engagement Kinder- und Jugendbeteiligung möglich machen.

Die Studie kann komplett als PDF heruntergeladen werden:
Studie zur kommunalen Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg 2015 (4,8 MB)


Inhalt der Studie:

1. Methode

Die vorliegende Studie zur kommunalen Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg wurde im Zeitraum von April 2015 bis Oktober 2015 in der 2. Auflage durchgeführt.

Download des Fragebogen (PDF)

Die Einladung zur Teilnahme an der Online-Befragung wurde via E-Mail Mitte April 2015 an alle 1101 Städte und Gemeinden Baden-Württembergs verschickt. Insgesamt wurden 738 Fragebögen abgegeben, davon waren 247 vollständig. Damit liegt die Rücklaufquote bei 24,8%. Dies entspricht dem Rücklauf der ersten Umfrage 2012. Für die Form der Umfrage ist diese Quote zwar überdurchschnittlich, dennoch ist der Rücklauf nicht repräsentativ.

Die folgende Analyse bezieht sich auf die vollständigen Antwortbögen der Umfrage. Die Erhebung umfasste 14 Fragen zu Formen und Themen der Beteiligung und Motivationen der Jugendlichen. 

Der Fragebogen beinhaltete zwei Teile. Während der erste Teil gänzlich aus Pflichtangaben bestand, waren die Angaben im zweiten Teil auf freiwilliger Basis.

  • Im ersten Teil wurden allgemeine Daten und Kontaktdaten der jeweiligen Kommune erfragt sowie die Form der  Jugendbeteiligung.
  • Der zweite Teil fragte nach Themen der jeweiligen Beteiligungsform sowie dem Bildungshintergrund und der Motivation der dort aktiven Jugendlichen.

Somit ergänzt diese Studie die bestehende Datenbasis und bietet die Möglichkeit der Erweiterung und Aktualisierung.

2. Strukturelle Daten

Unter den teilnehmenden Kommunen bilden Kleinstädte die größte Gruppe der Teilnehmenden, die zweitgrößte Gruppe stellen die Landgemeinden, gefolgt von den Mittelstädten und den Großstädten.

Tabelle der teilnehmenden Kommunen (Download als PDF)

Typ der KommuneDefinition
Großstadtab 100.000 bis 500.000 Einwohner
Mittelstadtab 20.000 bis 99.999 Einwohner
Kleinstadtab 5001 bis 19999 Einwohner
LandgemeindeGemeinden unter 5.000 Einwohnern

Abb.1: Zahl der Kommunen, die an der Umfrage teilgenommen haben

Dass die Kleinstädte und Landgemeinden die größte Teilnehmerzahl darstellen, spiegelt sich entsprechend in der Angabe der Schulformen wider. So sind weiterführende Schulformen deutlich in der Minderheit (Abb. 2). Die Grundschule war die am häufigsten angegebene Schulform. Es folgen die Werkrealschule, Realschule, Förderschule und Gymnasium, Hauptschule, das berufliche Gymnasium, die Gemeinschaftsschule, freie Waldorfschule sowie die integrierte Gesamtschule.


Abb.2: In den Kommunen vertretene Schultypen

Die nachstehenden Karten Baden-Württembergs zeigen die Teilnehmer der ersten und der aktuellen Umfrage im Vergleich.

Kommunale Jugendbeteiligung Baden-Württemberg 2012
Teilnehmende Kommunen: 201

Download der Karte von 2012 als PDF

Kommunale Jugendbeteiligung Baden-Württemberg 2015
Teilnehmende Kommune: 247

Download der Karte von 2015 als PDF

Auch die zahlreichen Vereinsmitgliedschaften und Mitgliedschaften in kirchlichen Jugendorganisationen als Formen von Jugendbeteiligung lassen sich durch die hohe Zahl der Landgemeinden und Kleinstädte erklären (Abb. 4). Die häufige Nennung von Schülervertretungen (SV/SMV) zeigt, dass diese Form der Teilhabe durch alle Schultypen hinweg etabliert ist. Auch Jugendtreffs bzw. Jugendzentren gehören zu den traditionellen Formen der Jugendbeteiligung in den Kommunen.

Jugendorganisationen der Parteien sind zwar ebenfalls in den Kommunen fest verankert, allerdings engagieren sich die Jugendlichen hier weit seltener. Auffällig ist auch, dass sich nach Einschätzung der Teilnehmenden relativ wenige Jugendliche in einem Jugendgemeinderat, Jugendforum oder Jugendbeirat engagieren. Die Beteiligung im Jugendverband/Jugendring, Jugendhearing, selbstverwalteten Zentren, Hochschulgruppen oder politische Partizipation über soziale Medien, welche als wenig institutionalisiert gelten, wurde ebenfalls gering eingeschätzt.

Abb. 4: Formen der Jugendbeteiligung (Vergrößerte Abbildung)

3. Initiative und Kontinuität

Die meisten Kommunen sind der Meinung, dass die Initiative zur Förderung von Jugendbeteiligung vor allem von den Jugendlichen und der Stadtverwaltung sowie dem Gemeinderat ausgeht (Abb.5). Hierbei kann aufgrund der Personen, welche den Fragebogen ausgefüllt haben, und der Funktion, welche sie in der Kommune haben, eine Verzerrung nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Die offene Jugendarbeit steht an dritter Stelle, während die Vereine den vierten Platz belegen. Das Schlusslicht bilden die Schulen, Eltern, die Jugendringe, Jugendorganisationen von Parteien, Jugendverbände, Stiftungen und Jugendreferentinnen und Jugendreferenten.


Abb. 5: Initiative zur Jugendbeteiligung (Vergrößerte Abbildung)

Obgleich  die Teilnehmenden der Meinung sind, dass die offene Jugendarbeit nicht die Initiative ergreift, spielt sie doch eine wichtige Rolle Jugendbeteiligung am Laufen zu halten.


Abb. 6: Kontinuität von Jugendbeteiligung (Vergrößerte Abbildung)

4. Themen und Motivation

5. Zusammenfassung und Ausblick

Zentrale Erkenntnisse der Erhebung:
  • In vielen Jugendbeteiligungsformen sind mehr Hauptschüler vertreten als landläufig angenommen.
  • Projektorientiertes, zeitlich begrenztes Engagement ist in vielen Kommunen eine attraktive Jugendbeteiligungsform.

Die Studie ermöglicht einen Einblick und eine erste Datenbasis zur Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg.

Dass die vorliegende Studie die Beteiligungslandschaft in Baden-Württemberg nicht vollständig abbildet, ist schon allein daran abzulesen, dass Kommunen in ihren Internetauftritten Jugendbeteiligung vor Ort dokumentieren, manche sich an der Erhebung aber nicht beteiligt haben.

Jedoch zeigt die Studie die große Vielfalt der Jugendbeteiligungsformen und die nahezu flächendeckende Verteilung im Land. Sichtbar wird auch, dass gerade für kleine und mittlere Kommunen Jugendbeteiligung ein Thema ist. Bei einer erneuten Befragung sollten Fragen mit einer stärker strukturellen und normativen Ausrichtung ergänzt werden. Zum Beispiel:

  • „Können die Jugendlichen die Themen selbst wählen?“
  • „Welcher Schultyp ist am häufigsten / am wenigsten vertreten?“
  • „Würden Sie sich mehr Jugendbeteiligung in Ihrer Kommune wünschen bzw. halten sie mehr Beteiligung für notwendig?“
  • „Sollte Jugendbeteiligung stärker gesetzlich verankert sein?“
  • „Wünschen Sie sich mehr Vielfalt in den  Beteiligungsformen?“

Unabhängig von der Beteiligungsform gaben die Kommunen an, Hauptschüler seien die am stärksten vertretene Gruppe. Dies ist ein erstaunliches Ergebnis und steht im Widerspruch zu der gängigen Einschätzung von Lehrern, Akteuren der Jugendarbeit und Politikern. Allerdings kann man davon ausgehen, dass die Fragen von denjenigen beantwortet wurden, die die Situation vor Ort am besten kennen und einschätzen können.

In einer erneuten Befragung könnte der Anteil der Schularten in den jeweiligen Beteiligungsformen stärker herausgearbeitet werden. Die vorliegende Studie lässt nicht erkennen, wie viele Jugendliche eines Schultyps in der jeweiligen Beteiligungsform aktiv sind, sondern lediglich ob der Schultyp überhaupt vertreten ist.

Die nachstehende Abbildung zeigt, dass in einem Großteil der Kommunen in allen Beteiligungsformen Hauptschüler vertreten sind. Der Anteil im Vergleich zu den anderen Schularten wird hierbei jedoch nicht sichtbar.

Es ist sicherlich lohnenswert, bei einer nächsten Erhebung das Augenmerk auf eine verfeinerte Fragestellung zum Bildungshintergrund zu richten. Damit können gerade dort zielgruppengerechte Angebote geschaffen werden, wo häufig ein „zu wenig“ an Gemeinschaftskundeunterricht festzustellen und die politische Beteiligung nicht immer selbstverständlich ist.

Bildungshintergrund der Teilnehmerinnen und Teilnehmer (in %)
 
zum Vergrößern der Grafik klick auf die Abbildung

Abbildung 5: In dieser Abbildung ist der Bildungshintergrund der Jugendlichen in den jeweiligen Beteiligungsformen in Prozent aufgeführt. Die Antworten beziehen sich auf die Frage „Welchen Bildungshintergrund haben die Jugendlichen?“ Mehrfachnennungen waren möglich. Die Abbildung zeigt zum Beispiel, dass in nur 58,8% der Jugendbeiräte Gymnasiasten vertreten sind, aber in 96,5% aller Jugendforen sich Hauptschüler beteiligen.

6. Verwendete und weiterführende Quellen

Impressum

Redaktion:
Angelika Barth, Fachbereich Jugend und Politik
angelika.barth@remove-this.lpb.bwl.de

Freie Mitarbeiterinnen der LpB:
Charlotte Jöckel, Studentin der Politikwissenschaft
Julia Bettina Eberhardt, MSc Public Administration
Anna Kistner, Studentin der Politikwissenschaft

                           

 

Studie 2018

 

Studie: Kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung in BW 2018

Download der Studie als PDF ( 4,1 MB) / Bestellen

 
 
 
 
 

Beteiligungs-Dings Beratungspaket

 

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Workshop-Reihe: Beteiligungs-Dings

 

Kommunale Kinder-und Jugendbeteiligung in BW
Aktueller Workshop: "Stadtplanung mit Jugendlichen. Stadtbild und öffentliche Räume mitgestalten" am 10. Juli 2019 in Stutensee.
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Leitfaden "Jugendgemeinderäte - WAS?"

 
Leitfaden Jugendgemeinderäte in Baden-Württemberg

Der Leitfaden Jugendgemeinderäte in Baden-Württemberg versteht sich als Ratgeber und Orientierungsangebot für Kommunen, Betreuende von Jugendgemeinderäten, Jugendliche und an alle, die sich für diese Form der politischen Beteiligung interessieren.
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SINUS-Jugendstudie 2016

 

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