Wyhl 1975. 40 Jahre danach.

Was blit? Wu goht's ani?

»Ohne das Kernkraftwerk Wyhl werden zum Ende des Jahrzehnts in Baden-Württemberg die ersten Lichter ausgehen.«
Ministerpräsident Hans Filbinger
am 27.02.1975 im Landtag von Baden-Württemberg

Der erfolgreiche Widerstand gegen das nahe von Wyhl geplante Atomkraftwerk in den 1970er-Jahren wurde zum Symbol für die Wirkungsmacht außerparlamentarischer politischer Einflussnahme und den heraufziehenden gesellschaftlichen Wandel in der Bundesrepublik. Das Podiumsgespräch am 29. Oktober 2015 in Wyhl beleuchtet die Bedeutung, die Wyhl durch den Schulterschluss von einheimischer Landbevölkerung und akademischen Kreisen aus Freiburg erhalten hat.

1975
In einem Bürgerentscheid sprechen sich 55 Prozent der Wyhler Wählerinnen und Wähler für den Verkauf des Baugeländes an den Kernkraftwerksbetreiber aus.
(Grenzüberschreitende) Bürger-Proteste, Bauplatz-Besetzung, Demonstrationen, gewaltfreier Widerstand und ziviler Ungehorsam verhindern letztendlich den Bau des Atommeilers.

2015
Die Energiewende in Deutschland ist politische Wirklichkeit.
In Baden-Württemberg regiert der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands.
Im Wyhler Gemeinderat sind die Grünen nicht vertreten.
Das Kernkraftwerk Fessenheim, keine 35 km von Wyhl entfernt, ist immer noch in Betrieb.


PODIUMSGESPRÄCH

WYHL 1975.

40 JAHRE DANACH.

Grußwort

Joachim Ruth, Bürgermeister der Gemeinde Wyhl

Impulsvortrag

Dr. Thomas Schnabel, Leiter Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart

Podiumsdiskussion mit den Zeitzeugen

  • Axel Mayer, Geschäftsführer BUND, Kreisrat
  • Bernd Nössler, Badisch-Elsässische Bürgerinitiativen
  • Josef Seiter, Wyhl, ehemaliger Gemeinderat
  • Wolfgang Lang, Freiburg, ehemaliger Leiter der Schutzpolizei des Regierungsbezirks Freiburg
  • Friedel Bieselin, Bürgerinitiative Weisweil

Moderation

  • Holger Knöferl, Badische Zeitung
  • Dr. Michael Wehner, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg

Musikalische Umrahmung

Musikverein Wyhl

Bewirtung

Katholischer Frauenbund, Wyhl

Termin: 29. Oktober 2015 um 19 Uhr

Ort: Festhalle, Tullastr. 21, 79369 Wyhl

Eintritt: frei

Eine Kooperationsveranstaltung der Landeszentrale, der Badischen Zeitung und der Gemeinde Wyhl am Kaiserstuhl

Download Programm


Das selbstbewusst-alemannische „Nai hämmer gsait!“ steht symbolisch für den erfolgreichen und stilbildenden Widerstand der Umwelt- und Anti-Atomkraftbewegung rund um den kleinen Ort Wyhl am Kaiserstuhl, wo in den 1970er-Jahren der Bau eines Atomkraftwerks
Foto: Archiv Soziale Bewegungen e.V., Freiburg i. Br.

Kaum etwas verweist heute auf die überregionale Bedeutung, die Wyhl in den 1970er-Jahren durch den Widerstand gegen das nahe am Ort geplante Atomkraftwerk erlangte. Damals führte der Schulterschluss von einheimischer Landbevölkerung und akademischen Kreisen aus Freiburg zur längerfristigen Besetzung des Bauplatzes. Er zog eine hohe mediale Aufmerksamkeit nach sich und erzwang letztlich den Abbruch des gesamten Bauvorhabens. Der erfolgreiche Widerstand wurde zum Symbol für die Wirkungsmacht außerparlamentarischer politischer Einflussnahme und den heraufziehenden gesellschaftlichen Wandel in der Bundesrepublik.

Ein dreifacher Mythos vom Ursprung rankt sich seither um die Verhinderung des Atomkraftwerks: Wyhl steht erstens für den Beginn der Anti-Atomkraftbewegung in der Bundesrepublik Deutschland, zweitens war der Widerstand in Wyhl stilbildend für den Aufschwung der sogenannten Neuen Sozialen Bewegungen ab Mitte der 1970er-Jahre und drittens gelten bis heute die Ereignisse in Wyhl als eine entscheidende Wegmarke zur Gründung und Etablierung der Grünen im Südwesten.

Die Bedeutung Wyhls für die Entwicklung der Neuen Sozialen Bewegungen und besonders der Anti-Atomkraftbewegung beruht zunächst schlicht auf dem Erfolg des praktizierten Widerstands. „David“ – die lokale Bevölkerung – hatte sich gegen den mächtigen „Goliath“ – die Landesregierung – behauptet und durchgesetzt. Wyhl hatte es gezeigt: Der Widerstand von unten gegen staatliche Bevormundung von oben war nicht nur organisierbar, er war auch erfolgreich. Bezeichnend für den Anspruch und zunehmend auch das Selbstbewusstsein der Atomkraftgegner war deren apodiktischer Slogan: „Nai hämmer gsait!“ („Nein haben wir gesagt!“).

Darüber hinaus trug die Auseinandersetzung in Wyhl mit dazu bei, neue Beteiligungs- und Protestformen als Mittel legitimer demokratischer Einflussnahme auch über studentische Kreise hinaus zu etablieren. Zum Einsatz kam nahezu das gesamte Repertoire der damals als unkonventionell bezeichneten Beteiligungs- und Aktionsformen – von der Aufklärung und Mobilisierung der Öffentlichkeit durch Druckerzeugnisse und Diskussionsveranstaltungen über die Durchführung von Protestdemonstrationen und Mahnwachen, den Einsatz juristischer Mittel wie Verfahrenseinsprüche oder Verfassungsbeschwerden bis hin zu Maßnahmen des zivilen Ungehorsams wie Blockaden, Boykotte und Besetzungen.
Ulrich Eith

Mehr Informationen:
Wyhl: „Nai hämmer gsait!“ – stilbildender ziviler Widerstand am Kaiserstuhl
Ulrich Eith

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