Der 8. Mai 1945 - 71 Jahre Kriegsende

Stuttgart 1945, Foto: lmz-bw.de

Deutschland 1945 – Das "tausendjährige" Nazi-Reich versank in einem Meer aus Blut und Tränen. Als am 8. Mai die Waffen endlich schwiegen, waren mehr als 60 Millionen Menschen tot. Gefallen an der Front, ermordet in Konzentrationslagern, verbrannt in Bombennächten, gestorben an Hunger, Kälte und Gewalt auf der großen Flucht. Als die Welt erfuhr, was in deutschem Namen nicht nur in den Lagern des Regimes geschehen war, kehrte sich der Zorn der Völker gegen Hitlers ganzes Volk.

Während Berlin im Straßenkampf unterging und zehntausende Menschen den Kampf bis zum bitteren Ende mit ihrem Leben bezahlten, entzog sich Reichskanzler Adolf Hitler am 30. April 1945 der Verantwortung durch Selbstmord - wie er angekündigt hatte. Zu seinem Nachfolger bestimmte er Großadmiral Karl Dönitz. Dönitz beauftragte Generaloberst Alfred Jodl, der Verantwortliche für die Kriegführung von Norwegen bis Nordafrika, die Kapitulationsverhandlungen im amerikanischen Hauptquartier in Reims zu führen. Jodl versuchte noch, die Kapitulation gegenüber der roten Armee hinauszuzögern, um den Deutschen in den Ostgebieten die Flucht nach Westen zu ermöglichen, allerdings ohne Erfolg.

Generaloberst Jodl unterzeichnete am 7. Mai 1945 in Reims im Hauptquartier von General Dwight D. Eisenhower, Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa, die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reichs. Sie trat am 8. Mai 1945 um 23 Uhr in Kraft.
Der sowjetische Diktator Josef Stalin drängte auf eine Wiederholung der Zeremonie im sowjetischen Machtbereich. In der Nacht zum 9. Mai unterschrieb Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der deutschen Wehrmacht, die Kapitulationsurkunde im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst. Nach mehr als fünf Jahren Krieg schwiegen in Europa endlich die Waffen.

KAPITULATIONSERKLÄRUNG

1. Wir, die hier Unterzeichneten, handelnd in Vollmacht für und im Namen des Oberkommandos der Deutschen Wehrmacht, erklären hiermit die bedingungslose Kapitulation aller am gegenwaertigen Zeitpunkt unter deutschem Befehl stehenden oder von Deutschland beherrschten Streitkräfte auf dem Lande, auf der See und in der Luft gleichzeitig gegenueber dem Obersten Befehlshaber der Alliierten Expeditions-Streitkräfte und dem Oberkommando der Roten Armee.....

Unterzeichnet zu Berlin am 8. Mai 1945
gez. v. Friedeburg gez. Keitel gez. Stumpff für das Oberkommando der deutschen Wehrmacht

Der Krieg im Pazifik, der am 7. Dezember 1941 mit dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor begonnen hatte, dauerte noch bis August 1945 und erreichte mit den Atombombenabwürfen auf die Städte Hiroshima und Nagasaki seinen traurigen Höhepunkt. Am 2. September 1945 endete mit der Kapitulation Japans der Zweite Weltkrieg auch im pazifischen Raum.

Die Bilanz des Zweiten Weltkrieges ist erschütternd: Über 60 Millionen Menschen starben, mehr als sechs Millionen europäische Juden wurden ermordet. Tausende Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, politisch Andersdenkende und Homosexuelle wurden verfolgt und getötet. 17 Millionen Menschen waren verschollen. Weite Teile Europas waren zerstört.

Dieser Krieg schuf neue Gesellschaften, er war Voraussetzung für einen anderen, den Kalten Krieg. Der Holocaust, die systematische Vernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen, konnte nur unter den Bedingungen dieses Krieges vollstreckt werden.

Nach dem Ende der Kämpfe begann die Rache der Sieger - Rache für millionenfaches Leid, das von Deutschen und ihren Helfern angerichtet worden war. 14 Millionen Deutsche wurden vertrieben. Es waren vor allem die Frauen, die für Hitlers Krieg bezahlen mussten: Vergewaltigungen, Plünderungen und Morde waren an der Tagesordnung.

Mehr als die Hälfte der rund 5,7 Millionen Soldaten der Roten Armee, die im Zweiten Weltkrieg in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten, überlebten die desaströsen Bedingungen nicht.

Nach Zwangsarbeit, Hunger und Krankheit kehrten nur knapp zwei Millionen der 3,2 Millionen deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion nach Deutschland zurück, die letzten im Januar 1956. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes ist das Schicksal von 1,3 Millionen deutschen Militärangehörigen bis heute ungeklärt.

Das Ende des Krieges war nicht die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit. Die Ursache liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. Der 8. Mai 1945 darf nicht vom 30. Januar 1933 - dem Tag der Machtübergabe an Hitler - getrennt werden.
 


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1933 - Hitler kommt an die Macht

Nur vier Tage nach seiner Ernennung zum Reichskanzler sprach Adolf Hitler am 3. Februar 1933 vor Reichswehroffizieren über die Eroberung von "Lebensraum im Osten". Um Rückenfreiheit für die Zerschlagung der "jüdisch-bolschewistischen Sowjetunion" zu erlangen, sahen seine schon in den zwanziger Jahren entwickelten Pläne ein Bündnis mit der Seemacht Großbritannien vor.

1933 - Hitler kommt an die Macht


Beginn Zweiter Weltkrieg

Am 1. September 1939 vor 75 Jahren begann der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen. Knapp 60 Millionen Menschen verloren während des sechs Jahre dauernden Krieges ihr Leben.

Überfall auf Polen - Beginn Zweiter Weltkrieg


Der Zweite Weltkrieg

Als mit der Zerschlagung der "Rest-Tschechei" im März 1939 auch die letzte Voraussetzung Hitlers für den Kriegsbeginn erfüllt war, garantierten England und Frankreich die Unabhängigkeit Polens. Davon unbeeindruckt, wies Hitler die Wehrmacht Anfang April an, einen Feldzug gegen Polen vorzubereiten.

Der Zweite Weltkrieg


Neubeginn 1945

Nach der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 kann sich Deutschland den Siegermächten USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion nicht widersetzen. Es gibt keine Regierung mehr, die das Land führen kann und für Recht und Ordnung sorgt. Deshalb unterzeichnen die vier Siegermächte am 5. Juni 1945 die Berliner Deklaration. Sie übernehmen die oberste Regierungsgewalt in Deutschland, einschließlich aller Befugnisse der deutschen Regierung, des Oberkommandos der Wehrmacht und der Regierungen, Verwaltungen oder Behörden der Länder, Städte und Gemeinden.

Neubeginn


Kriegsende in Baden-Württemberg

Das zerstörte Stuttgart im Jahr 1946: Blick vom Rathaus über die Altstadt zur Leonhardskirche. Foto: LMZ Baden-Württemberg

In den sechs Jahren des Krieges waren mehr als 225.000 Wehrmachtsangehörige aus dem Südwesten und annähernd 40.000 Zivilpersonen umgekommen. Neunzig Prozent der getöteten Zivilpersonen - deutlich mehr als die Hälfte waren Frauen – und mehr als die Hälfte der gefallenen Soldaten waren seit Januar 1944 vom Nazi-Regime regelrecht geopfert worden. Noch in den letzten Kriegstagen war es zu sinnlosen Verteidigungsgefechten und zu völlig unnötigen Todesurteilen gegen Deserteure und einzelne Mutige gekommen, die versucht hatten, dem grausamen Treiben durch Zusammenarbeit mit den alliierten Truppen ein Ende zu setzten.

Kriegsende in Baden-Württemberg


Nürnberger Prozesse

Die Nürnberger Prozesse gelten als der wichtigste Bestandteil des alliierten Bestrafungsprogramms gegen führende Vertreter des NS-Regimes. Sie fanden von November 1945 bis April 1949 im Justizpalast Nürnberg statt. Die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, die USA, Großbritannien, die Sowjetunion und Frankreich klagten die NS-Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militär Tribunal (IMT) in Nürnberg an.

Nürnberger Prozesse


Europäische Integration nach 45

Die europäische Einigung und die Herausbildung der Europäischen Union gelten nach wie vor den meisten der rund 500 Millionen EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern als wichtiger Meilenstein in der Entwicklung dieses von Krisen und Kriegen geschüttelten Kontinents. Von Anfang an gab es dabei ein Ringen von nationalen Souveränitätsansprüchen, von Ansätzen gouvernementaler Kooperation und sogar von Bestrebungen, neue supranationale Strukturen in Europa zu schaffen.

Europäische Integration


1945 und heute

Der Zweite Weltkrieg hat seine Spuren in der deutschen Geschichte hinterlassen und wirkt noch bis in die Gegenwart hinein. Egal ob Orte, Gefühle, oder Politik - das Kriegsende vor 70 Jahren begleitet uns auch heute.

1945 und heute


Materialien

Hier finden Sie Bausteine, wie Texte und Unterrichtsvorschläge der Landeszentrale zur Gedenkarbeit, sowie Publikationen der LpB und Informationen über Gedenkstätten in Baden-Württemberg.

Materialien


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Richard von Weizsäckers Rede am 8. Mai 1985 zum 40. Jahrestag des Kriegsendes

Richard von Weizsäcker. Foto: Bundesarchiv,Bild 146-1991-039-11/CC-BY-SA
Foto: Bundesarchiv,Bild 146-1991-039-11/CC-BY-SA
Am 8. Mai 1985 hielt der verstorbene Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Bundestag anlässlich des 40. Jahrestags des Kriegsendes die wahrscheinlich wichtigste Rede, die je in Deutschland zu diesem Thema gehalten wurde.

Weizsäcker nannte den 8. Mai für die Deutschen keinen Grund zum Feiern, wohl aber einen „Tag der Befreiung“ von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Er begründete, warum diese Bezeichnung die richtige sei. Alle Deutschen seien damals befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, sagte er.

Zugleich entließ Weizsäcker die Deutschen nicht aus ihrer individuellen Verantwortung für das, was zuvor geschehen war. "Wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für die Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte". Von Kollektivschuld sprach Weizsäcker nicht, doch die Mehrheit der Deutschen war für ihn mitverantwortlich für die Verbrechen - nicht nur Hitler, seine Schergen oder gar der Friedensvertrag von Versailles.

Weizsäcker wandte sich in der etwa 10 Seiten langen Ansprache auch gegen die gängige Behauptung, die Deutschen hätten vom Holocaust nichts gewusst: "Wer seine Ohren und Augen aufmachte, wer sich informieren wollte, dem konnte nicht entgehen, dass Deportationszüge rollten." Dass ein christdemokratischer Politiker, zumal noch der Bundespräsident, die Kollektivschuld der Deutschen an den Naziverbrechen derart deutlich ausspricht, gab es bis dahin noch nicht.

Er forderte überdies eine aktive Kultur der Erinnerung. "Würden wir unsererseits vergessen wollen, was geschehen ist, anstatt uns zu erinnern, dann wäre dies nicht nur unmenschlich. Bei Weizsäcker gab es keine "Stunde Null", sondern nur eine Chance auf einen Neubeginn, der genutzt worden sei "so gut wir konnten". Ihm ging es darum, zu verstehen, wie es zur Nazi-Herrschaft kommen konnte, um es nie wieder soweit kommen zu lassen.

Was Weizsäcker am 8. Mai 1985 sagte, war nicht komplett neu. Alles war zuvor bereits gesagt worden. Sein Verdienst war es, auf die richtige Weise zusammenzufassen, versöhnlich nach außen und nach innen und ohne Pathos vorzutragen - und den Augenblick zu nutzen, der sich ihm in seiner Funktion als Bundespräsident bot.

Wie wenig selbstverständlich die Worte Weizsäckers waren, zeigte die Reaktion in einigen Teilen seiner Partei und aus der CSU. Franz Josef Strauß, damals Ministerpräsident von Bayern und oberster Christsozialer, schimpfte auf die "ewige Vergangenheitsbewältigung als gesellschaftliche Dauerbüßeraufgabe". Die Vertriebenenverbände und ihre politischen Vertreter kritisierten eine mutmaßliche Anerkennung der Grenzen im Osten. Im Ausland fand die Rede hohe Anerkennung.

"Der 8. Mai ist für uns vor allem ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten. Er ist zugleich ein Tag des Nachdenkens über den Gang unserer Geschichte. Je ehrlicher wir ihn begehen, desto freier sind wir, uns seinen Folgen verantwortlich zu stellen.
Der 8. Mai ist für uns Deutsche kein Tag zum Feiern. Die Menschen, die ihn bewusst erlebt haben, denken an ganz persönliche und damit ganz unterschiedliche Erfahrungen zurück. Der eine kehrte heim, der andere wurde heimatlos. Dieser wurde befreit, für jenen begann die Gefangenschaft. Viele waren einfach nur dafür dankbar, dass Bombennächte und Angst vorüber und sie mit dem Leben davongekommen waren. Andere empfanden Schmerz über die vollständige Niederlage des eigenen Vaterlandes. Verbittert standen Deutsche vor zerrissenen Illusionen, dankbar waren andere Deutsche für den geschenkten neuen Anfang...
Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte.
Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.
Wir haben wahrlich keinen Grund, uns am heutigen Tag an Siegesfesten zu beteiligen. Aber wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg."

(Richard von Weizsäcker, Rede zum 8.Mai)

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Landeskundliche Reihe Band 37

 

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