196 Staaten beschließen Klimavertrag in Paris

Zum ersten Mal haben 196 Staaten am 12. Dezember 2015 in Paris einen völkerrechtlich bindenden Vertrag beschlossen, um den Klimawandel zu bremsen und seine Auswirkungen abzufedern. Der Text des Pariser Klimavertrages liegt bislang nur auf englisch vor. Das Abkommen soll dafür sorgen, dass die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit beschränkt wird; die Staaten wollen sogar versuchen, die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken.

Der Pariser Klimavertrag wird in Kraft treten, wenn mindestens 55 Staaten, die für mindestens 55 Prozent der globalen Treibhausgase verantwortlich sind, es ratifiziert haben. Die feierliche Unterzeichnung ist am 22. April 2016 in New York geplant. Das Pariser Protokoll soll 2021 an die Stelle des Kyoto-Protokolls treten. Der internationale Vertrag ist 1997 beschlossen worden und 2005 in Kraft getreten; im Jahr 2020 läuft es aus. Am Kyoto-Protokoll hatten sich wichtige Staaten wie die USA nicht beteiligt; andere, wie Kanada, sind ausgetreten. Beim Pariser Abkommen sind alle UN-Mitgliedsstaaten dabei.

Die deutsche Bundeskanzlerin hat das Abkommen begrüßt: "Ungeachtet der Tatsache, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, ist dies ein Zeichen der Hoffnung, dass es uns gelingt, die Lebensbedingungen von Milliarden Menschen auch in Zukunft zu sichern", sagte Angela Merkel kurz nach dem Beschluss.

Die Zeit drängt: Die Menschheit verändert das Klima und damit ihre Lebensgrundlage. Daran lassen die Berichte des Weltklimarates IPCC keinen Zweifel mehr. In seinen Berichten legt der Weltklimarat Vorschläge zur Verhinderung von Katastrophen durch die von Menschen verursachte Erderwärmung vor. Der Energiehunger der Weltwirtschaft und damit die Emissionen an Treibhausgasen steigen weiter an.

Ist die Erde jetzt gerettet und der Klimawandel gestoppt?

Im Pariser Klimavertrag haben sich 196 Staaten auf ehrgeizige Ziele verpflichtet. Sie wollen dafür sorgen, dass die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius begrenzt wird. Gestoppt ist der Klimawandel damit aber noch lange nicht.

Denn selbst wenn alle Länder ihren Kohlendioxidausstoß sofort auf Null reduzieren würden, würden die bereits ausgestoßenen Treibhausgase das Klima weiter erwärmen. Aber davon sind Industrie- und Entwicklungsländer noch weit entfernt.

Das Pariser Protokoll setzt auf nationale Selbstverpflichtungen, sogenannte "Intended Nationally Determined Contributions (INDCs)", also "geplante national bestimmte Beiträge". Jedes Land soll selber sagen, um wie viel Prozent es seine klimaschädlichen Ausstöße reduzieren möchte. Im Vorfeld des Klimagipfels haben die meisten Staaten solche Verpflichtungen abgegeben. Doch diese reichen nicht aus, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, sondern führen voraussichtlich zu einer Erwärmung um etwa drei Grad.

1. Welche Folgen hat der Klimawandel?

Ohne deutliche Verminderungen der Treibhausgas-Emissionen könnte die globale Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um bis zu sieben Grad Celsius ansteigen, mit unabsehbaren Folgen für das Leben auf unserem Planeten. Die ersten 15 Jahre dieses Jahrtausends waren mit einer Ausnahme die 15 wärmsten seit Aufzeichnung der Daten.

In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts haben Naturkatastrophen auf der Nordhalbkugel um 2 bis 4 Prozent zugenommen. Seit Ende der 60er Jahre hat die Schneedecke auf unserem Planeten um 10 Prozent abgenommen. Die sommerliche Eisdicke in der Arktis hat seit den 50er Jahren um 40 Prozent abgenommen. Der Meeresspiegel stieg seit 1994 mehr als fünf Zentimeter. Die wichtigsten Treibhausgase Kohlendioxid (CO2) und Methan haben in den vergangenen Jahren Rekordwerte erreicht. Das geht aus Daten der World Meteorological Organization (WMO) hervor.

Das Szenario eines Klimawandels ist ebenso bedrohlich wie real. Die Vereinten Nationen haben die Menschheit deshalb zum sofortigen Umsteuern aufgerufen.

2. Warum fällt es den Staaten so schwer, sich zu einigen?

Über ein Nachfolge-Abkommen für das Kyoto-Protokoll verhandeln die Staaten schon seit vielen Jahren. Doch eine Übereinkunft ist schwer, weil die Interessen der Staaten unterschiedlich sind: beispielsweise gibt es kleine Insel-Staaten wie die Marshall-Inseln. Sie sind von Überschwemmungen und Landverlust bedroht, wenn der Klimawandel weiter fortschreitet - deshalb sind sie an schnellen Maßnahmen interessiert. Eine andere Gruppe sind schnell wachsende Schwellenländer wie China und Indien. Sie sind inzwischen für einen großen Teil der Treibhausgase verantwortlich. Doch diese Länder haben Angst, dass sie ihren Wirtschaftswachstum gefährden könnten, wenn sie strengen Auflagen zustimmen.

Industrieländer wie Deutschland, viele andere EU-Mitgliedsstaaten oder die USA waren Jahrzehnte lang für den größten Teil der Treibhausgase verantwortlich. Deshalb sehen viele Entwicklungsländer eine besondere Verantwortung der Industrieländer, für die Folgen des Klimawandels aufzukommen. Doch das würde die Industrieländer viel Geld kosten.

Die unterschiedlichen Interessen haben dazu geführt, dass 2009 auf dem Koppenhagener Klimagipfel kein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Klimaprotokoll beschlossen wurde. In den folgenden Jahren gab es immerhin kleinere Schritte: Auf der UN-Klimakonferenz in Durban wurde 2011 beschlossen, das Kyoto-Protokoll zunächst ab 1. Januar 2013 mit einer zweiten Verpflichtungsperiode zu verlängern. Reduktionsziele und Dauer der zweiten Verpflichtungsperiode wurden auf der Klimakonferenz in Katar 2012 festgelegt.

3. Woher weiß man, dass sich das Klima aufheizt?

Viele unabhängige Messungen zeigen, dass die Erde immer wärmer wird. So zeigen Messreihen, dass die Temperatur der Luft und der Meere immer höher wird, während die Gletscher immer weiter abschmelzen. Das Meereis rund um den Nordpol schmilzt sogar viel schneller, als Forscher es vorhergesagt hatten. 97 Prozent der Klimaforscher sind sich inzwischen einig, dass der Klimawandel vom Menschen gemacht ist.

Detaillierte Informationen über die Belege für den Klimawandel findet man auf der Seite www.klimafakten.de. 

4. Welche Länder stoßen am meisten Kohlendioxid aus?

Im Jahr 1990 waren noch vor allem die Industrieländer für einen Großteil der klimaschädlichen Treibhausgase verantwortlich. Das hat sich geändert: heute stoßen die chinesischen Fabriken und Fahrzeuge mit Abstand am meisten Kohlendioxid aus. Im Jahr 2014 war China für fast ein Viertel der weltweiten Treibhausgase verantwortlich. An zweiter Stelle stehen die Vereinigten Staaten mit etwa 15 Prozent Anteil. An dritter Stelle steht mit knapp sechs Prozent ein Schwellenland wie China: Indien.

Russland steht mit knapp fünf Prozent erst an vierter Stelle - das liegt auch daran, dass nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 viele energieintensive Industriebranchen zusammengebrochen sind. Auch die Emissionen Deutschlands - das Land steht mit gut zwei Prozent der Treibhausgas-Ausstöße an achter Stelle - sind gesunken, weil nach dem Mauerfall in der früheren DDR viele Fabriken abgewickelt worden sind.

Die Zahlen zeigen, dass heute eine Einigung zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern notwendig ist, um den Ausstoß an Treibhausgasen zu senken.

Statistik: Die zehn größten CO2-emittierenden* Länder nach Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen im Jahr 2014 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

5. Welche Folgen hat der Klimawandel für Deutschland?

Viele Entwicklungsländer sind vom Klimawandel besonders stark betroffen. Doch auch an Deutschland geht die Entwicklung nicht unbemerkt vorbei. Seit 1881 ist die Durchschnittstemperatur in Deutschland um 1,3 Grad Celsius gestiegen. 2014 erreichte sie in Deutschland mit 10,3 Grad Celsius einen Rekordwert.

Insgesamt werden in Deutschland die Winter aufgrund des Klimawandels milder und feuchter, während die Sommer heißer und trockener werden. Die Schneebedeckung der Nordhalbkugel hat seit 1979 in jedem Jahrzehnt um etwa 20 Prozent abgenommen. Das wirkt sich auch auf die Schneedecke in den Bergen wie beispielsweise in den Alpen aus.

Der Klimawandel führt außerdem dazu, dass die Wahrscheinlichkeit von Starkregen zunimmt, was in den vergangenen Jahren mehrere Male zu "Jahrhundert-Hochwassern" in Deutschland geführt hat (Oder-Hochwasser 1997, Elbe-Hochwasser 2002, Elbe-/Donau-Hochwasser 2013).

Der Klimawandel könnte außerdem dazu führen, dass der in Deutschland häufigste Baum, die Fichte, nicht mehr angebaut werden kann. Die Fichte leidet besonders unter heißen und trockenen Sommern wie im Jahr 2003.

Infografik: Die wärmsten Jahre in Deutschland | Statista

 

COP 21

 

UN Climate Change Conference 2015 Paris
www.cop21.gouv.fr/en/

 
 
 
 
 

Weltklimarat

 
 
 
 
 
 

 

Klimarahmen-
konvention UN

http://unfccc.int/

 
 
 
 
 

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