50 Jahre Beutelsbacher Konsens

Chronologie der Beutelsbacher Gespräche

Titel, Themen und Termine

Aus der Tagung in Weinstadt-Beutelsbach am 19. und 20. November 1976 sind die Beutelsbacher Gespräche hervorgegangen. In regelmäßigen Abständen lädt die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg zur Reflexion über politikdidaktische Erfahrungen und Perspektiven. In der Aufstellung der Titel und Themen spiegelt sich auch die Geschichte der politischen Bildung in Baden-Württemberg und Deutschland.

Autor: Robby Geyer ist Publikationsreferent und Redakteur bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Er leitet die Redaktion der Zeitschrift „Politik & Unterricht“ und verantwortet die Didaktische Reihe der Landeszentrale. Außerdem hat er einen Lehrauftrag für politische Bildung und Demokratiebildung am Institut für Politische Wissenschaft (IPW) der Universität Heidelberg

Chronologie der Beutelsbacher Gespräche

1976

1976

1. Das Konsensproblem in der politischen Bildung

Tagungsleitung: Siegfried Schiele und Herbert Schneider

Datum: 19./20. November 1976

Ort: Weinstadt-Beutelsbach

Die Auseinandersetzungen um Bildungspläne und Rahmenrichtlinien machten in den 1970er-Jahren auch vor der politischen Bildung nicht halt. Die unterschiedlichen Demokratie- und Politikvorstellungen wirkten sich auf das Verständnis von politischer Bildung aus. Auf der Tagung stellen verschiedene Referenten ihre Vorstellungen vor und es wurde diskutiert, wie die Verständigung auf einen Minimalkonsens unabhängig vom eigenen Demokratie- und Politikverständnis aussehen könnte. Die nach dieser Tagung von Hans-Georg Wehling formulierten drei Prinzipien entwickelten sich vom „Konsens à la Beutelsbach?“ – so der Titel seines zusammenfassenden Berichts – zum Beutelsbacher Konsens.

1978

1978

2. Familie als Vermittlerin von Normen und Werten

Tagungsleitung: Siegfried Schiele und Herbert Schneider

Datum: 10./11. November 1978

Ort: Stuttgart-Mühlhausen

Die zwei Jahre zuvor entwickelten Prinzipien des Beutelsbacher Konsenses sollten nun auf das Thema Familie angewandt werden. Dazu sollten Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker Unterrichtsentwürfe entwickeln und auf der Tagung vorstellen. Angestrebt war ein erster Praxistest des Beutelsbacher Konsenses, der jedoch nicht gänzlich gelang. Die Frage nach der Relevanz der Leitsätze konnte nicht beantwortet werden.

1986

1986

3. Konsens und Dissens in der politischen Bildung

Tagungsleitung: Siegfried Schiele/Herbert Schneider

Datum: 28.–30. November 1986

Ort: Weinstadt-Beutelsbach

Der 1976 begonnene Diskussionsprozess wurde – nach der Tagung im Jahr 1978 – erst zum zehnjährigen Jubiläum erneut aufgegriffen. In der Zwischenzeit hatten sich die bildungspolitische Debatte abgekühlt und der Beutelsbacher Konsens in der Unterrichtspraxis etabliert. Die Tagung beschäftigte sich mit der grundlegenden Frage, welche Bedeutung Konsens und Dissens für die politische Bildungsarbeit haben. Den Initiatoren war es zudem wichtig, die fachdidaktische Debatte zu beleben, die ihrer Meinung nach neue Impulse nötig hatte.

1990

1990

4. Rationalität und Emotionalität in der politischen Bildung

Tagungsleitung: Siegfried Schiele und Herbert Schneider

Datum: 23.–25. November 1990

Ort: Weinstadt-Beutelsbach

Die nationalen und internationalen Umbrüche 1989/90 kamen bei diesen Beutelsbacher Gesprächen nur am Rande vor. Den Schwerpunkt der Tagung bildete die Frage nach dem Verhältnis von Rationalität und Emotionalität. Dem lag die Beobachtung zu Grunde, dass den Gefühlen beim politischen Lernen zu wenig Raum gegeben werde. Gleichwohl wurden in diesem Zusammenhang auch Herausforderungen wie Irrationalität, Manipulation oder Überwältigung diskutiert.

1993

1993

5. Verfassungspatriotismus als Ziel politischer Bildung?

Tagungsleitung: Siegfried Schiele und Herbert Schneider

Datum: 18.–20. Februar 1993

Ort: Bad Urach

Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Wegfall außenpolitischer Bedrohungen wurde die Frage gestellt, wie die Demokratie und die freiheitlich-demokratische Grundordnung gefestigt werden könnten. Das Konzept des Verfassungspatriotismus wurde dahingehend überprüft, ob es sich unter Berücksichtigung von rationalen wie emotionalen Gesichtspunkten als Ziel der politischen Bildungsarbeit eigne, das demokratische Gemeinwesen zu stärken.

1996

1996

6. Reicht der Beutelsbacher Konsens?

Tagungsleitung: Siegfried Schiele und Herbert Schneider

Datum: 26.–28. Februar 1996

Ort: Bad Urach

Zwanzig Jahre nach der ersten Tagung wurde die Frage gestellt, ob der Beutelsbacher Konsens einer Umformulierung oder Erweiterung bedürfe. Obwohl einige Vorschläge dazu präsentiert wurden, kam man bei diesen Beutelsbacher Gesprächen doch überein, dass der Konsens in seiner knappen und offenen Form ausreiche. So wurde diskutiert, die Abgrenzung von extremistischen Positionen im demokratischen Diskurs deutlicher festzuhalten oder einen Bezug zum Gemeinsinn herzustellen.

1998

1998

7. Handlungsorientierung im Politikunterricht

Tagungsleitung: Siegfried Schiele und Gotthard Breit

Datum: 16.–18. Februar 1998

Ort: Bad Urach

Politisches Handeln und die Rolle der Bürgerinnen und Bürger in einer Demokratie einerseits sowie Handlungsorientierung als Makromethode der politischen Bildung andererseits standen 1998 im Mittelpunkt der Beutelsbacher Gespräche. Während im dritten Konsensprinzip die Befähigung zum politischen Handeln enthalten ist, können handlungsorientierte Methoden eine gute Möglichkeit sein, um die Lernenden vor einer möglichen Überwältigung zu schützen.

2000

2000

8. Werte in der politischen Bildung

Tagungsleitung: Siegfried Schiele und Gotthard Breit

Datum: 14.–16. Februar 2000

Ort: Bad Urach

Bei vorherigen Tagungen war in den Diskussionen immer wieder die Bedeutung eines Wertebezugs für eine demokratische Ordnung zur Sprache gekommen, sodass die Wertevermittlung als Aufgabe der politischen Bildung das Thema der Beutelsbacher Gespräche im Jahr 2000 wurde. Dabei ging es darum, welche Werte in der politischen Bildung grundlegend sind und welche Werte durchaus kontrovers diskutiert werden können. Und auch wie eine Wertevermittlung nach den Prinzipien des Beutelsbacher Konsenses gestaltet werden kann, wurde auf dieser Tagung besprochen.

2002

2002

9. Demokratie-Lernen als Aufgabe politischer Bildung

Tagungsleitung: Siegfried Schiele und Gotthard Breit

Datum: 18.–20. Februar 2002

Ort: Bad Urach

Welche Rolle spielt Demokratie-Lernen beim politischen Lernen? Das war die Leitfrage der Tagung von 2002. Auch wenn der Kern des Politikunterrichts in der Analyse und Beurteilung von Politik zu sehen ist, ist doch die Befähigung zum politischen Handeln bereits im Beutelsbacher Konsens angelegt. Während heutzutage die Gemeinsamkeiten von politischer Bildung und Demokratiebildung betont werden, wurden damals die Unterschiede der Ansätze stärker hervorgehoben.

2004

2004

10. Demokratie braucht politische Bildung

Tagungsleitung: Siegfried Schiele und Gotthard Breit

Datum: 16.–18. Februar 2004

Ort: Bad Urach

2004 ging der langjährige Direktor der Landeszentrale Siegfried Schiele in den Ruhestand. Die Tagung in diesem Jahr war eine Art Zwischenbilanz zu den Erfolgen und Defiziten der politischen Bildung. Die Beutelsbacher Gespräche fanden in einem schwierigen Umfeld statt, waren doch viele Einrichtungen der politischen Bildung von Sparmaßnahmen betroffen. Die durchaus (selbst-)kritische Bestandsaufnahme ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass ein demokratisch organisiertes Gemeinwesen eine starke schulische wie außerschulische politische Bildung brauche.

2008

2008

11. Politik und Religion – Braucht Demokratie eine religiöse Grundlegung?

Tagungsleitung: Siegfried Frech und Ingo Juchler

Datum: 18.–20. Februar 2008

Ort: Bad Urach

Spätestens seit der Jahrtausendwende konnte ein Bedeutungszuwachs von Religion und Religiosität beobachtet werden. Insbesondere der religiöse Fundamentalismus rückte stärker ins Bewusstsein. Diese Entwicklungen machten deutlich, dass die politische Bildung das Thema Religion stärker in den Blick nehmen sollte. Bei den Beutelsbacher Gesprächen 2008 fand deshalb ein Austausch zwischen Religionswissenschaften und Politikwissenschaft sowie zwischen Religions- und Politikunterricht statt.

2010

2010

12. Bürger auf Abwegen? Politikdistanz und politische Bildung

Tagungsleitung: Siegfried Frech und Ingo Juchler

Datum: 22.–24. Februar 2010

Ort: Bad Urach

2010 standen Phänomene wie die sinkende Wahlbeteiligung oder der Rückgang bei den Parteimitgliedschaften bis hin zum Schrumpfen der Volksparteien im Mittelpunkt der Tagung. Sie waren Ausdruck des Verdrusses der Menschen gegenüber den Parteien und Politikerinnen und Politikern. Thematisiert wurde, wie die politische Bildung mit dieser Politikdistanz umgehen muss, um auch politik- und bildungsdistanzierte Zielgruppen anzusprechen. Dabei wurden neue Ansätze und Wege diskutiert, beispielsweise die Elementarisierung.

2012

2012

13. Politische Kompetenzen fördern. Didaktisch-methodische Aspekte des Kompetenzerwerbs

Tagungsleitung: Siegfried Frech und Dagmar Richter

Datum: 27.–29. Februar 2012

Ort: Bad Urach

Nach dem PISA-Schock in Deutschland im Jahr 2001 setzte im Bildungssystem ein Umdenken ein. Schule und Unterricht sollten allem voran Orte des Kompetenzerwerbs sein. Es wurden nationale Bildungsstandards entwickelt, die in den verschiedenen Fachdidaktiken konkretisiert wurden. Dieser Prozess führte in der Politikdidaktik zu einer Diskussion über die Ziele der politischen Bildung, in der unterschiedliche Vorstellungen zu (politischen) Kompetenzen deutlich wurden. Die Beutelsbacher Gesprächen im Jahr 2012 widmeten sich den Fragen, welches die politischen Kompetenzen sind und wie der Kompetenzerwerb der Lernenden erreicht werden kann.

2014

2014

14. Politikunterricht professionell planen

Tagungsleitung: Siegfried Frech und Dagmar Richter

Datum: 10.–12. Februar 2014

Ort: Bad Urach

Die Planung von Politikunterricht war das Leitthema der Tagung im Jahr 2014. Der Hintergrund war die zunehmende Kompetenzorientierung in den didaktischen Modellen. Das Bildungsziel der politischen Mündigkeit wird im kompetenzorientierten Politikunterricht in Form von zu fördernden Kompetenzen konkretisiert. Neben dem systematischen Aufbau des Fachwissens der Schülerinnen und Schüler werden deren politische Urteilsfähigkeit, ihr politisches Interesse und letztlich ihre demokratischen Einstellungen gefördert.

2016

2016

15. Wie ist der Beutelsbacher Konsens heute zu verstehen?

Tagungsleitung: Siegfried Frech und Dagmar Richter

Datum: 22.–24. Februar 2016

Ort: Bad Urach

Vierzig Jahre nach der Diskussion um einen Minimalkonsens war es das Anliegen der Beutelsbacher Gespräche 2016, Rückschau zu halten, Bilanz zu ziehen und in die Zukunft zu schauen. Die Leitfrage war, ob der Beutelsbacher Konsens weiterhin ohne Abstriche Geltung besitzen solle oder ob seine Grundprinzipien einer Überarbeitung bedürfen. Stärker in den Mittelpunkt rückte auch die Frage, was anhand von empirischen Studien über die Wirkung des Beutelsbacher Konsenses bekannt ist. Die immer deutlicher zutage tretenden populistischen Herausforderungen der Demokratie wurden unter dem Aspekt diskutiert, ob und in welchem Maße die politische Bildung mehr Partei ergreifen solle.

2018

2018

16. Gefühle, Affekte, Stimmungen – Emotionen in der politischen Bildung

Tagungsleitung: Siegfried Frech und Dagmar Richter

Datum: 19.–21. Februar 2018

Ort: Bad Urach

Angesichts einer Emotionalisierung in Politik und Gesellschaft griffen die Beutelsbacher Gespräche 2018 die Begriffe Gefühle, Stimmungen und Affekte auf, die als politische wie auch als fachdidaktische Kategorien ihre Berechtigung haben. Als Anspruch der politischen Bildung wurde dabei formuliert, Gefühle und emotionale Äußerungen in die Analyse und Urteilsbildung zu integrieren und sie so für das politische Lernen fruchtbar zu machen. Umgekehrt kann Empathie ein wichtiger Bereich eines Perspektivwechsel sein, den politische Bildung ermöglichen soll.

2020

2020

17. Europa im Unterricht – Aspekte einer politischen Europabildung

Tagungsleitung: Siegfried Frech, Robby Geyer und Monika Oberle

Datum: 19.–21. Februar 2020

Ort: Bad Urach

Im Mittelpunkt der Tagung stand 2020 die politische Europabildung. Die Mündigkeit als Leitperspektive politischer Bildung lässt sich nicht ohne eine zeitgemäße Europabildung realisieren, weil die Entscheidungen der Europäischen Union (EU) maßgeblich die Politik in den Mitgliedstaaten wie auch das Leben der Bürgerinnen und Bürger beeinflusst. Europabildung hat dabei nicht primär die Aufgabe, für die europäische Integration zu begeistern. Sie muss vielmehr die EU verstehbar machen, ihre Probleme analysieren und die politische Urteilsbildung und Handlungsfähigkeit fördern. Ziel der Europabildung ist es, die Bereiche Wissen, Einstellungen und Erfahrungen sowie Urteilskraft und Handlungskompetenz miteinander zu verknüpfen. Auf diese Weise kann sie zur Herausbildung einer „europäischen Identität“ sowie zur Entwicklung einer demokratischen politischen Kultur der EU beitragen.

2022

2022

18. Kontroversität ohne Grenzen? Meinungsvielfalt, Pluralismusprinzip und Dissenskultur in der politischen Bildung

Tagungsleitung: Siegfried Frech, Robby Geyer und Monika Oberle

Datum: 21.–23. Februar 2022

Ort: online (pandemiebedingt)

Die Beutelsbacher Gespräche 2022 gingen der Frage nach, wie Kontroversität und das Kontroversitätsgebot des Beutelsbacher Konsenses in der Praxis der politischen Bildung unter den gegenwärtigen Bedingungen von Pluralität und Polarisierung so gestaltet werden können, dass sie die Vielfalt der Positionen angemessen wiedergeben – und dies unter Berücksichtigung von epistemologischen, wertebasierten und politischen Kriterien. Dies schloss auch die Frage ein, welche Positionen im demokratischen Diskurs als nicht gleichberechtigt zu berücksichtigen sind.

2024

2024

19. Politische Bildung für nachhaltige Entwicklung

Tagungsleitung: Siegfried Frech, Robby Geyer und Monika Oberle

Datum: 19.–21. Februar 2024

Ort: Bad Urach

Bei den Beutelsbacher Gesprächen 2024 rückten die globalen ökologischen und sozio-ökonomischen Herausforderungen in den Mittelpunkt – verbunden mit der Frage nach einem angemessenen Umgang damit in Form einer nachhaltigen Entwicklung. Es wurden die Gemeinsamkeiten und Schnittstellen zwischen politischer Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung diskutiert sowie Ziele, Prinzipien und Ansätze aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Dazu gehörte auch die Frage, welche Faktoren eine gelingende politische Bildung für nachhaltige Entwicklung befördern könnten. 

2026

2026

20. 50 Jahre Beutelsbacher Konsens – Kontinuitäten und Kontroversen

Tagungsleitung: Siegfried Frech, Robby Geyer und Monika Oberle

Datum: 9.–11. März 2026

Ort: Bad Urach

2026 richtet sich der Blick auf das 50-jährige Jubiläum des Beutelsbacher Konsenses – und zugleich auf die drängende Frage, wie er angesichts seiner inhaltlichen Unbestimmtheit, aber auch angesichts aktueller Herausforderungen der politischen Bildung zu interpretieren ist. Hierzu gehört der Umgang mit populistischen und extremistischen Bewegungen oder neuen Formen der Radikalität, die sich beispielsweise in den Sozialen Medien äußern. Thematisiert wird zudem der Umgang mit den Kontroversen zur außenpolitischen Zeitenwende, zum Nahostkonflikt und zu dem fälschlicherweise aus dem Beutelsbacher Konsens abgeleiteten Neutralitätsgebot.

Letzte Aktualisierung: Januar 2026, Internetredaktion LpB BW

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