Weltweite Verbreitung des Coronavirus

Seitdem das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 Anfang Januar 2020 in China entdeckt wurde, breitete sich der Erreger weltweit aus. Die WHO stufte die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 als Pandemie (d.h. als weltweite Epidemie) ein. Über 33 Millionen Menschen haben sich mit dem Corona-Virus bestätigt infiziert, über eine Million Menschen sind in Verbindung mit dem Virus bisher gestorben. Während die Lage in den Epizentren der ersten Phase – Wuhan (China),  Norditalien und New York -  weitgehend unter Kontrolle ist, breitet sich das Virus nun gleichzeitig über weite Teile von Lateinamerika, Nordamerika, Indien, Asien und Afrika aus. Auch in Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien steigen die Infektionszahlen wieder. Länder, die rechtzeitig mit einschneidenden Maßnahmen reagiert haben, kommen vergleichsweise gut durch die Coronakrise. Diese Seite gibt einen Überblick über die Länder, die am meisten von der Pandemie betroffen sind oder waren - und wie sie vorgehen.

Zahlen und Fakten zum Coronavirus im Überblick

Chronik des Pandemie-Ausbruchs der ARD

Die ARD gibt einen Überblick darüber, wie die lokale Epidemie in China zur Pandemie wurde.

Coronavirus-Chronik der ARD

Karte und Zahlen der Johns Hopkins University

Eine Echtzeit-Karte der Johns-Hopkins-Universität (JHU) zeigt, wie viele Menschen sich derzeit mit dem Corona-Virus weltweit infiziert haben.

Coronavirus COVID-19 Global Cases

Quellenhinweis: Die auf dieser Seite genannten Zahlen stammen von der JHU, wenn nicht anders angegeben.

Covid-19 in den USA

Aktuell sind die USA weltweit das Land mit den meisten bestätigten Infektionen, nirgendwo sonst sind so viele Menschen an den Folgen von Covid-19 gestorben. Mehr als 7,1 Millionen Menschen (Quelle: Johns Hopkins University, 30.09.2020) in allen Bundesstaaten sind bestätigt am Virus erkrankt, Tendenz stark steigend. Die USA verzeichnen eine Verdopplung der Krankheitsfälle alle 70 Tage. Über 205.000 Menschen sind in Verbindung mit der Lungenentzündung gestorben, über 2,8 Million sind genesen.

Die Anzahl der Neuinfektionen hat in den USA in den vergangenen Wochen wieder deutlich zugenommen. Kritiker führen diesen Anstieg auch auf die Lockerungen im öffentlichen Leben zurück. Am 16. Juli wurde über 77.000 Neuinfektionen gezählt, so viele wie nie zuvor. Mehr als ein Dutzend Bundesstaaten verzeichnen im Juli bisher die höchste Zahl von Neuinfektionen seit Beginn der Pandemie. Die Bundesstaaten Alabama, Arizona, Kalifornien, Florida, Idaho, Mississippi, Missouri, Nevada, Oklahoma, South Carolina und Wyoming haben neue Rekordanstiege gemeldet. Für rund 90 Prozent der Menschen in den USA gelten wegen der Coronavirus-Pandemie eine Form von Ausgangsbeschränkungen.

New York war im April zu einem Zentrum der Pandemie geworden: Rund fünf Prozent aller weltweiten Fälle wurden aus der Millionenstadt gemeldet. New York hatte mit einschneidenden Maßnahmen darauf reagiert und die Verbreitung des Virus unter Kontrolle gebracht. Auch New Orleans war ein weiteres amerikanisches Epizentrum der Corona-Pandemie. Hier breitete sich das Virus schneller aus als an jedem anderen Ort der Welt. Die USA  hatten ein Einreiseverbot für Reisende aus Europa beschlossen. Das Verbot trat am 13. März um Mitternacht in Kraft. US-Präsident Donald Trump hatte wegen der Ausbreitung des Coronavirus in den USA den nationalen Notstand ausgerufen. Mit der Maßnahme können Bundesmittel in Höhe von bis zu 50 Milliarden Dollar zur Bekämpfung des Coronavirus eingesetzt werden. Angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise hat US-Finanzminister Steven Mnuchin ein Soforthilfepaket von zwei Billionen Dollar für Unternehmen in Aussicht gestellt. Das Robert Koch-Institut stuft die USA als Coronavirus-Risikogebiet ein.

Am Memorial Day (24.05.20) hatten viele US-Staaten mit Corona-Lockerungen begonnen. Zahlreiche Partys und überfüllte Strände und Bars sorgten für Kritik aus dem In- und Ausland. Nachdem Präsident Donald Trump von einer „verbrauchten Pandemie“ gesprochen hatte und sich für weitere Lockerungen einsetzt, warnten Forscher wieder einmal eindringlich. Die Corona-Krise in den USA sei noch nicht gebannt und neue und vor allem strikte Ausgangsbeschränkungen könnten wieder nötig werden. Sie sollten Recht behalten. In insgesamt 34 der 50 US-Bundesstaaten sind die Covid-19-Fallzahlen seit Ende Juni wieder gestiegen.

Präsident Trump will - auch wegen der Präsidentschaftswahl im November - möglichst schnell zur Normalität zurückkehren. Seiner Darstellung zufolge war das Coronavirus dabei, nach und nach aus den USA zu verschwinden. Die aktuellen Infektionszahlen zeigen das Gegenteil. Trump hatte den Kampf zur Eindämmung des Virus zuletzt großteils den Gouverneuren der Bundesstaaten und örtlichen Behörden überlassen und schon früh in der Pandemie auf eine rasche Rückkehr zum Normalbetrieb und auf die Wiedereröffnung der Wirtschaft gedrängt. Das Ergebnis ist fatal. Mit den exponentiell steigenden Infiziertenzahlen kann selbst Trump die offensichtlichen Fakten nicht länger ignorieren und macht jetzt eine 180 Grad Kehrtwende: "Es wird wahrscheinlich leider schlimmer werden, bevor es besser wird. Ich sage das nicht gerne über Dinge, aber so ist es." Trump, der bisher Masken abgelehnt hat, äußert jetzt: "Ob Sie die Masken mögen oder nicht, sie haben eine Wirkung, sie werden einen Effekt haben und wir brauchen alles, was wir kriegen können."
United States COVID-19 Statistics

Einen Überblick zum Umgang mit dem Coronavirus in den USA sowie die Folgen für die Wirtschaft und den Wahlkampf sind auf unserer Webseite zur US-Wahl 2020 zu finden.

Nach oben

Covid-19 in Brasilien

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Südamerika zum "neuen Epizentrum" der Coronavirus-Pandemie erklärt. Brasilien ist nach Indien und den USA das am schwersten betroffene Land weltweit. In Brasilien sind offiziell mehr als 4,7 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert und mehr als 142.000 sind in Verbindung mit Covid-19 gestorben, 4,2 Millionen Personen haben die Krankheit überstanden (Stand: 30.09.2020). Am 20. Mai starben erstmals mehr als 1.000 Menschen an nur einem Tag im Zusammenhang mit dem Virus, am 29. Juli wurden mehr als 69.000 Neuinfizierte registriert. Die tatsächliche Zahl der Infizierten dürfte wesentlich höher liegen, da Brasilien nur über sehr geringe Testkapazitäten verfügt. Das Virus breitet sich rasend schnell aus und viele Menschen können nicht mehr behandelt werden. Beispielsweise ist das Gesundheitssystem in der Metropolstadt Manaus im Bundestaat Amazonas kollabiert und Tote können nur noch in Massengräbern beerdigt werden (Quelle). Indessen leugnet der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro, dass eine große Gefahr vom Virus ausgeht. Bolsonaro bezeichnet Covid-19 weiterhin als "kleine Grippe". Er stellt sich gegen Eindämmungsmaßnahmen, lässt sich von seinen Anhängern feiern und ermutigt sie, gegen Einschränkungen zu protestieren (Quelle). National und international wird Bolsonaro dafür stark kritisiert. Viele Brasilianerinnen und Brasiliner protestieren täglich gegen seine Politik.

Eine offizielle, strikte Ausgangssperre gibt es nur in einzelnen Städten, aber nicht landesweit oder in São Paulo ( Quelle). In den Favelas, den Armenvierteln, in denen sehr viele Menschen auf engem Raum leben, setzen Drogengangs unter Gewaltandrohung Ausgangssperren durch. Ende März war der erste Corona-Fall in einer Favela bekannt geworden (Quelle). Auch die Ureinwohner Brasiliens sind durch die Ausbreitung des Virus besonders gefährdet (Quelle). Mehrere brasilianische Bundesstaaten haben dennoch mit einer Lockerung der Restriktionen begonnen.

Am 17. April entließ Bolsonaro den Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta, der über das Coronavirus aufgeklärt und sich für Isolationsmaßnahmen ausgesprochen hatte (sein Nachfolger Nelson Teich trat nach einem Monat Amtszeit ebenfalls zurück, Quelle). Dies führte in der Bevölkerung zu Empörung und Protesten  - laut Umfragen war der Gesundheitsminister zu diesem Zeitpunkt beliebter als Bolsonaro (Quelle). Präsident Bolsonaro sprach bereits im März von ersten Lockerungen, um den Schaden für die Wirtschaft zu begrenzen. Im März hatten die Gouverneure der verschiedenen Provinzen Brasiliens gegen den Willen des Präsidenten Isolationsmaßnahmen und Schließung von Schulen und Geschäften veranlasst (Quelle).

 

Nach oben

Covid-19 in Großbritannien

Großbritannien ist nach Spanien und Frankreich in Europa das Land mit den meisten bestätigten Infizierten und den meisten Toten: Mehr als 448.000 Menschen sind bestätigt inifiziert und mehr als 42.000 sind in Verbindung mit Covid-19 gestorben (Stand: 30.09.2020). Das ist die höchste Zahl in Europa. Die britische Regierung unter Premieminister Boris Johnson steht stark in der öffentlichen Kritik dafür, zunächst die Krankheit ignoriert und dann einen uneindeutigen und riskanten Kurs in der Bekämpfung der Pandemie gefahren zu haben.

Erst wurde von der britischen Regierung die Herdenimmunität vertreten, dann kam am 23. März doch der Lockdown. Ende März wurden strenge Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus erlassen, unter anderem wurden alle Geschäfte außer Lebensmittelläden und Apotheken geschlossen. Eine erste Runde an Lockerungen hatte es bereits Anfang Mai gegeben.

Trotz der gravierend hohen Fallzahlen verkündete Premierminister Boris Johnson am 11. Mai einen 5-Punkte-Plan zur Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen. Das Papier sieht unter anderem die teilweise Öffnung von Restaurants und Friseurgeschäften vor und fordert Menschen, die nicht von Zuhause aus arbeiten können, dazu auf, wieder zur Arbeit zu gehen. Der Plan wurde unter anderem von der Labour-Party und Erziehungsgewerkschaften kritisiert und außerdem von Schottland, Wales und Irland abgelehnt (Quelle). Währenddessen scheinen sich die Pläne, schnell eine Tracing-App einzuführen, nun doch zu verlangsamen (Quelle).

Kritikerinnen und Kritiker weisen darauf hin, dass besonders Pflegeheime zu lange vernachlässigt worden seien - sowohl hinsichtlich der Statistik als auch hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen. Menschen, die in Pflegeheimen oder Zuhause vermutlich an Covid-19 starben, wurden erst ab Ende April in die offizielle Statistik des staatlichen Gesundheitsdienstes (NHS) miteinbezogen, während Patientinnen und Patienten teilweise von Krankhäusern in Hospize und Pflegeheime verlegt wurden. Bis zu 20.000 Menschen seien dort indessen gestorben (Stand: 14.05.2020, Quelle)

Am 13. März hatte Boris Johnon noch verkündet, auf das Prinzip der Herdenimmunität zu setzen ohne das nationale Gesundheitssystem zu sehr zu belasten. Damit wäre Großbritannien einen umstrittenen Weg gegangen, von dem nahezu alle anderen Länder absahen. Doch auf Druck der Öffentlichkeit legte die Regierung noch am selben Tag eine Kehrtwende ein und kündigte an, Großveranstaltungen zu verbieten (Quelle). Auch Schulschließungen leitete die Regierung erst nach einer Petition mit über 600.000 Unterschriften in die Wege. Schulen schlossen am 21. März (Quelle), seit dem 23. März gelten Ausgangsbeschränkungen (Quelle).

Boris Johnson war selbst Mitte März mit dem Coronavirus infiziert worden, arbeitete jedoch weiter, bis er ab dem 5. April bis 12. April im Krankenhaus behandelt wurde. Am 27. April nahm er seine Arbeit wieder auf (Quelle). Am 5. April hatte sich Queen Elizabeth II. zum vierten Mal in ihrer gesamten Amtszeit direkt an die Bevölkerung gewandt - dieses Mal, um ihr Mut zuzusprechen (Quelle).

In Großbritannien ist am 8. Juni eine umstrittene Quarantäne-Regelung für Einreisen ins Land in Kraft getreten. Ab diesem Tag müssen die meisten Einreisenden für zwei Wochen in Isolation gehen. Trotz steigender Neuinfektionen dürfen Pubs, Restaurants, Hotels, Kinos, Museen und Galerien in England vom 4. Juli an unter Beachtung der Sicherheitsvorkehrungen wieder öffnen. Die Abstandsregel werden von zwei Metern auf einen Meter reduziert. Zum Schutz vor dem Virus müssen seit Ende Juli in Supermärkten und anderen Geschäften in England Gesichtsmasken getragen werden.

Die zweite Welle der Corona-Pandemie trifft Großbritannien mit voller Wucht. Großbritannien meldet die höchsten Neuinfektionswert seit Anfang Juni. Angesichts steigender Coronavirus-Infektionsraten verschärft England seine Regeln für soziale Kontakte, nur noch höchstens sechs Personen dürfen sich miteinander treffen. Reisende aus Frankreich und den Niederlanden müssen nach ihrer Ankunft in Großbritannien seit dem 15. August wieder in eine zweiwöchige Selbstisolation gehen. Für Spanien hatte Großbritannien schon Ende Juli eine Reisewarnung ausgesprochen. Am 22. September verkündete der britische Premierminister verschärfte Maßnahmen, um die zweite Corona-Welle im Land zu bremsen. Am 29. September verzeichneten die Behörden erstmals mehr als 7.000 neue Corona-Fälle an einem Tag.

Nach oben

Covid-19 in Schweden

In Schweden sind mehr als 92.000 Menschen mit Corona infiziert und mehr als 5.800 in Verbindung mit Covid-19 gestorben (Stand: 30.09.2020). Damit weist das Land erheblich mehr Todesfälle aus als seine skandinavischen Nachbarländer Dänemark, Norwegen und Finnland. Besonders betroffen war die Region Stockholm, in der die meisten Schweden leben. In der Frühphase der Pandemie hatte Schweden versäumt, ältere Menschen in Pflegeheimen zu schützen.

Schweden ist im Umgang mit dem Coronavirus von Anfang an einen sogenannten "Sonderweg" gegangen: Das öffentliche Leben wurde weit weniger eingeschränkt als in anderen europäischen Ländern, um die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger so weit wie möglich zu bewahren. Schweden setzt – anders als die meisten europäischen Nachbarn – in allen anderen Bereichen eher auf Empfehlungen und Freiwilligkeit. Beispielsweise blieben Schulen, Restaurants und Geschäfte geöffnet.

Schwedens Sonderweg in der Corona-Krise gerät immer mehr in die Kritik. Unter anderem seien 90 Prozent der Corona-Toten über 70 Jahre alt. Vor allem in Pflegeheimen fordert das Coronavirus viele Tote. Mehr als die Hälfte aller Todesfälle stammen aus solchen Heimen. Kritikerinnen und Kritiker sagen, das Vorgehen könnte katastrophale Folgen haben.

Nach dem raschen Anstieg der Fälle wurden öffentliche Zusammenkünfte und Veranstaltungen von mehr als 50 Personen inzwischen verboten, in Alters- und Pflegeheimen gilt ein Besuchsverbot. Universitäten und Schulen ab Klasse neun sind geschlossen. Viele Teile des gesellschaftlichen Lebens sind eingestellt. Die Menschen bleiben zu Hause, reisen nicht, vielen Unternehmen brechen die Umsätze weg.

Nach oben

Covid-19 in China

In China waren offiziell mehr als 90.000 Personen an Covid-19 erkrankt, mehr als 4.700 sind in Verbindung mit der Lungenentzündung gestorben. 85.000 Menschen haben die Krankheit inzwischen überstanden (Stand: 23.09.2020). Der erste Fall einer Infizierung mit dem neuartigen Coronavirus kann auf den 17. November 2019 zurückverfolgt werden. Einen Monat später stieg die Zahl der bekannten Fälle erstmals zweistellig an. Die Anzahl der Neuinfektionen zeigt allerdings bereits seit mehreren Wochen einen Abwärtstrend, China hat den Höhepunkt der Coronavirus-Ausbreitung überschritten. Die Abriegelung der Provinz Hubei wurde inzwischen weitgehend aufgehoben. Hubei gilt als Ausgangspunkt der Pandemie, die Provinz war zwei Monate lang von der Außenwelt abgeschottet.

Um den Ausbruch zu stoppen war das Ziel der WHO, das Virus mit aller Macht an seiner Quelle in China bekämpfen und gleichzeitig verhindern, dass es anderswo Fuß fasst. Diese Strategie ist misslungen. Rasend schnell verbreitete sich das Virus, zunächst in China, dann in Japan, Südkorea, Iran und in Italien und schließlich in weiteren Ländern.

Nach oben

Covid-19 in Russland

Russland ist mit mehr als 1,17 Million Infizierten weltweit hinter den USA, Indien und Brasilien das Land mit den meisten registrierten Corona-Fällen. Offiziell sind in Russland etwa 20.000 Menschen an Covid-19 gestorben. 950.000 Menschen haben die Krankheit überstanden (Stand: 30.09.2020) . Die Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt Moskau ist Russlands Zentrum der Pandemie. Mehr als die Hälfte aller Infektionsfälle wurde im Großraum Moskau registriert.

Die offiziellen Todeszahlen werden jedoch angezweifelt, denn die Todesrate wäre damit um ein Vielfaches geringer als in anderen, westeuropäischen Ländern. Zudem sei die Gesamtsterblichkeit in Moskau dieses Jahr deutlich höher als in den Jahren zuvor, was durch Corona-Todesfälle erklärt werden könnte. Das Moskauer Gesundheitsministerium erklärte dazu, dass nur Tote, die unmittelbar an Covid-19 gestorben sind, in die Statistik aufgenommen werden. In Deutschland gelten hingegen alle Personen, die zum Zeitpunkt ihres Todes mit dem Coronavirus infiziert sind, als Corona-Tote.  Zudem wurde inoffiziell bekannt, dass Pathologen unter Druck gesetzt werden, die Zahl der Covid-19-Todesfälle niedrig zu halten. Außerdem müsste die geringe Fallzahl durch weitere Gründe erklärt werden  (Quelle).

Am 11. Mai kündigte Präsident Wladimir Putin schrittweise Lockerungen der Maßnahmen auf regionaler Ebene an. Seit etwa Ende März traten in den verschiedenen Regionen nach und nach Ausgangssperren in Kraft. Ab dem 30. März wurde die Bevölkerung von der Regierung in bezahlten Zwangsurlaub geschickt. Das galt zunächst für eine Woche, die Maßnahme wurde dann jedoch verlängert. Viele fuhren in der arbeitsfreien Zeit ohne Ausgangssperre in den Urlaub, weshalb die Maßnahme kritisiert wurde (Quelle).

Mehr zur anfänglichen Entwicklung in Russland ist bei der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in der "Covid-19-Chronik, 30. März – 12. April 2020" zu lesen.

 

Nach oben

Covid-19 in Italien

In Italien haben sich mehr als 313.000 Menschen seit Beginn der Pandemie mit dem neuen Coronavirus nachweislich infiziert, über 35.000 sind in Verbindung mit Sars-CoV-2 gestorben. Circa 226.000 Menschen sind genesen (Stand: 30.09.2020). Die Gefahr war groß, dass die Entwicklung in anderen Ländern ohne einschneidende Maßnahmen ähnlich verlaufen wird wie in Italien.

Warum hatte es gerade Italien am Anfang so stark getroffen? Experten sind sich inzwischen ziemlich einig: Der Hauptgrund liegt darin, dass sich das Virus wochenlang unbemerkt ausbreiten konnte. Der erste an Covid-19 erkrankte Patient in Italien hatte sich am 20. Februar mit Fieber, Grippesymptomen und Atembeschwerden in der Notaufnahme des Spitals von Codogno in der Lombardei gemeldet. Die Epidemie in China war für alle Verantwortlichen noch weit weg gewesen, und niemand hatte damals ernsthafte Maßnahmen in Betracht gezogen, das Virus zu bekämpfen. Sehr schnell wurde das Gesundheitssystem mit zu vielen Covid-19-Infizierten an einem Ort zur selben Zeit überlastet. Laut offizieller Zahlen sind mehr als zehn Prozent der Menschen, die sich in Italien offiziell mit Sars-CoV-2 infiziert haben, sind gestorben.

Italien lockert seit dem 4. Mai eine Reihe von Corona-Beschränkungen. Die Menschen sollen wieder mehr Sport im Freien machen und sich wieder stärker in der eigenen Region bewegen dürfen. Die Schulen sollen noch bis zu den Sommerferien geschlossen bleiben und erst im September wieder öffnen.
Das Robert Koch-Institut hatte daraufhin ganz Italien zum Risikogebiet erklärt. Das Auswärtige Amt hatte seine Reise- und Sicherheitshinweise angepasst. Von nicht erforderlichen Reisen nach Italien wurde derzeit abgeraten. Die Einreise nach Italien ist ab dem 3. Juni wieder für alle Reisen aus vielen Ländern ohne Quarantänemaßnahmen wieder gestattet.

Auch in Italien nimmt die Zahl an Covid-19-Infizierten wieder zu. Experten machen dafür vermehrte soziale Kontakte verantwortlich, die mit Urlaub und Nachtleben zusammenhängen.

Rückblick: Ausbreitung und Gegenmaßnahmen in Italien

Die Reaktionen der italienischen Behörden sind inzwischen drastisch: Wie schon in China werden ganze Gebiete, in denen das Virus nachgewiesen wurde, unter Quarantäne gestellt. Das heißt: Niemand darf in die betroffenen Gebiete hinein, niemand darf heraus. Rund eine Viertel der italienischen Bevölkerung stand zunächst wegen des Coronavirus praktisch unter Quarantäne. Alle Schulen und Universitäten bleiben geschlossen. Erst im September werden sie wieder öffnen. Landesweit verhängte die Regierung einen Betriebsstopp für Kinos, Theater und Museen. In vielen Gegenden Norditaliens steht das öffentliche Leben praktisch still. Die italienischen Regionen Emilia-Romagna, Lombardei und die Stadt Vo in der Region Venetien sind weiterhin Pandemiespots. Die italienische Regierung weitet jetzt Sperrungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit wegen der Coronavirus-Krise auf das ganze Land aus. Alle öffentlichen Versammlungen werden verboten. Sportveranstaltungen wie Fußballspiele werden ausgesetzt, Bars und Restaurants sowie fast alle Geschäfte werden geschlossen, nur Supermärkte und Apotheken und Geschäfte, die "wichtige" Dinge verkauften, sind weiter geöffnet.

Am 21. März zog Italien die Notbremse. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte verkündete in seiner Ansprache : "Alles, was nicht unmittelbar für das Funktionieren des Landes notwendig ist, wird jetzt dichtgemacht." Vom 23. März an wurden die Bekleidungs-, die Möbel- oder die Haushaltsgeräteindustrie, die Werke des Luft- und Raumfahrtsektors oder des Fahrzeugbaus stillgelegt, auf den Baustellen durfte nicht mehr gearbeitet werden. Die Einschränkungen galten bis 3. Mai 2020.

Nach oben

Covid-19 in Spanien

Spanien ist das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land Europas. Vor allem in der Region Madrid hatten sich die Krankheitsfälle Ende März gehäuft. Über 748.000 Infektionen wurden seit Beginn der Pandemie registriert. Über 31.000 Menschen sind bisher in Verbindung mit dem Virus gestorben, mehr als 150.000 sind genesen (Stand: 30.09.2020).  Rund um Madrid wurden zunächst Kindergärten, Schulen und Universitäten geschlossen. Alle Sportveranstaltungen wurden abgesagt, alle Direktflüge zwischen Italien und Spanien untersagt.

Seit dem 11. Mai gelten gelockerte Maßnahmen in Spanien, mit der Ausnahme der stark betroffenen Städte Madrid und Barcelona. Unter bestimmten Vorkehrungen öffneten Restaurants, Cafés und Kirchen (Quelle). Die Spanier durften während des „Alarmzustands“ nur in Ausnahmefällen aus dem Haus gehen. Alle Beschäftigten, die in nicht wesentlichen Sektoren tätig sind, mussten vom 31. März bis vorerst zum 25. April zu Hause bleiben. Die Regierung in Madrid verfügte am 13. April über erste Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen: Zunächst nahmen seit dem 13. April Baufirmen und Fabriken den Betrieb wieder auf. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fuhr, erhielt eine Schutzmaske.  Am 20. Mai und am 3. Juni wurde der Alarmzustand bis zum 21. Juni verlängert. Viele Geschäfte und Restaurants bleiben geschlossen und die Menschen dürfen nur zu bestimmten Zeiten aus ihren Wohnungen . Besonders streng wird der Alarmzustand in Madrid und Barcelona gehandhabt.

Seit dem 25. Mai darf wieder an den Stränden einiger Küstenregionen Spaniens wieder gebadet werden, allerdings ist die Anzahl der Besucher begrenzt. Sei dem 1. Juli können ausländische Urlauber wieder einreisen. Nachdem auf Mallorca und Ibiza neue Ausbrüche des Coronavirus Sars-CoV-2 gemeldet worden waren, kündigten die Behörden eine Maskenpflicht für die Balearen an.

Nun hat das Land die zweite Welle erreicht: In Spanien steigen die Infektionszahlen seit Juli wieder stark an. In keinem Land in Europa sind die Fälle derzeit so hoch. Am 10. September wurden über 10.000 Neuinfektionen registriert. Hotspots sind jetzt Madrid, Katalonien, Navarra, Aragón und das Baskenland. Die meisten Infizierten werden rund um Madrid gezählt. Am 13. August verzeichneten die Behörden einen Rekordzuwachs von über 7.500 Neuinfizierten. Treffen von mehr als zehn Personen sind nun verboten, in der ganzen Region gilt eine Maskenpflicht auch im Freien. Einige Regionen erliessen neue Vorschriften, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Unter anderem wurden grössere Versammlungen verboten. Am 21. August beschloss die Regionalregierung in Madrid strenge Maßnahmen und riegelte ausgewählte Viertel für zwei Wochen weitgehend ab. Die spanische Regierung stellt den Regionen jetzt Kräfte der Armee zur Nachverfolgung von Infektionsketten zur Verfügung. Viele europäische Staaten haben für Spanien ein Reisewarnung ausgesprochen.

Nach oben

Covid-19 in Frankreich

In Frankreich waren mehr als 590.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert und mehr als 31.000 sind in Verbindung mit Sars-Cov-2 gestorben. 98.000 Menschen haben die Krankheit überstanden (Stand: 30.09.2020).

Das Virus hatte sich im Großraum Paris und vor allem in der Region Elsass im Osten des Landes sehr schnell ausgebreitet. Zum Höhepunkt der Krankheitsfälle und der Ausleistung von Krankenhäusern häufte sich die Vermutung, dass alte Menschen aus Pflegeheimen für Intensivbehandlungen benachteiligt oder gar ausgeschlossen und stattdessen mit Schmerzmitteln behandelt wurden  (Quelle 1, Quelle 2). Einige schwer erkrankte Menschen wurden von Frankreich nach Deutschland gebracht und in deutschen Krankenhäusern behandelt (Quelle). Ärzte in Colmar fanden heraus, dass es den ersten Corona-Fall im Elsass  bereits im November 2019 gegeben haben muss  - noch bevor der erste Fall aus China gemeldet wurde (Quelle). Am 17. März traten strenge Ausgangssperren in Kraft. Französinnen und Franzosen durften nur das Haus verlassen, wenn es unbedingt nötig war, z.B für Einkäufe von Lebensmittel n oder Arztbesuche. Spaziergänge, Gassigehen oder Sport waren nur eine Stunde pro Tag im Radius von einem Kilometer um die Wohnung erlaubt. Für die Arbeit das Haus verlassen duften nur Menschen, bei denen keine Heimarbeit möglich war. Alle mussten schriftlich nachweisen, dass der Ausgang notwendig war.

Im Elsass wurden die Testkapazitäten stark erhöht und unter anderem das Europaparlament in Straßburg zum Test-Zentrum gemacht (Quelle). Seit dem 11. Mai ist die strenge Ausgangssperre in Frankreich aufgehoben: Die Menschen dürfen ihr Zuhause nun ohne Grund verlassen und der Schulbetrieb wird schrittweise wieder aufgenommen. Die Mehrheit der Bevölkerung - zwei Drittel - besorgt diese Lockerung jedoch, da das Vertrauen in die Regierung und ihr Krisenmanagement gering ist (Quelle).

Frankreich verzeichnet seit Mitte Juli wieder steigende COVID-19 Infektionszahlen. Am 12. September meldete Frankreich über 10.000 neue Corona-Fälle. Besonders betroffen sind die Regionen Île-de-France, dort insbesondere Paris, und Provence-Alpes-Côte d’Azur. In zahlreichen Städten wie Paris oder der Elsass-Metropole Straßburg gilt nun auch eine Maskenpflicht unter freiem Himmel. Die Behörden befürchten eine erneute Überlastung der Krankenhäuser.

Nach oben

Wirtschaftliche Auswirkungen der Pandemie

Das neuartige Coronavirus hat sich zu einer weltweiten Pandemie ausgeweitet. In immer mehr Ländern wurde das öffentliche und wirtschaftliche Leben heruntergefahren, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Wohin sich die globalisierte Wirtschaft in den kommenden Monaten bewegt, hängt vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. Sie hat jetzt schon eine  Kettenreaktion in der eng vernetzten, arbeitsteiligen Weltwirtschaft ausgelöst, deren ökonomische Auswirkungen noch nicht vollständig abzusehen sind. Der weltweite Stillstand, die strengen Quarantäneregeln und die Einschränkungen bspw. im Luftverkehr behindern den globalisierten Handel massiv, auf dem Weltmarkt kommt es zu Engpässen mit Ersatzteilen aus China und vielen anderen Ländern. Weltweit sind besonders kleine und mittelständische Unternehmen von der Krise schwer betroffen.
Die Welthandelsorganisation WHO rechnet für das zweite Quartal 2020 mit einem Rückgang des globalen Warenaustauschs um 18,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. WHO-Generalsekretär Roberto Azevedo bezeichnete den Rückgang des Welthandels als "der steilste, der jemals verzeichnet wurde". Die schnellen Reaktionen der Regierungen und die umfassenden Konjunkturpakete in vielen wichtigen Wirtschaftsräumen hätten aber den Einbruch deutlich abgemildert und das Schlimmste verhindert.

China
Rund 760 Millionen Chinesen waren im Januar und Februar von Abriegelungsmaßnahmen betroffen, 150 Millionen Chinesen konnten nicht oder nur eingeschränkt ihr Zuhause verlassen. Große Teile der chinesischen Wirtschaft waren praktisch zum Erliegen gekommen, auch die deutschen Unternehmen vor Ort machten Verluste. Ab März kam das öffentliche und wirtschaftliche Leben wieder in Gang, dank verschiedener Tracking-Apps wurden viele Restriktionen aufgehoben. Für (auch bereits länger in China lebenede) Ausländer gelten weiterhin oft strengere Regeln und insbesondere  die Einreise aus dem Ausland ist nach wie vor deutlich erschwert. Ende Mai hat die Mehrheit der Firmen in China ihre Produktion wieder auf etwa 90 Prozent hochgefahren. China ist damit im Wiederanfahren der Wirtschaft den meisten anderen Ländern weltweit um Wochen oder Monate voraus. Angesichts eines weltweit prognostizierten Einbruchs der realen Wirtschaftsleistung um mindestens drei Prozent gegenüber 2019 könnte die Volksrepublik China zu den wenigen Ländern weltweit zählen, die selbst 2020 ein positives Wachstum verzeichnen. Für viele Unternehmen gilt China daher als Hoffnungsträger für die Weltwirtschaft.

USA
Die US-Wirtschaft bereitet sich seit Mitte Mai auf ein Wiederhochfahren der Produktion vor, dies geschieht landesweit jedoch uneinheitlich auf Grund unterschiedlicher Restriktionen in einzelnen Bundesstaaten. Problematisch sind unterbrochene Lieferketten und insbesondere massiv eingebrochene Absatzzahlen. In den USA ist insbesondere die Arbeitslosigkeit massiv gestiegen, Ende Mai waren knapp 40 Millionen Arbeitslose zu verzeichnen, weitere 30 Millionen Beschäftigungsverhältnisse gelten als unmittelbar gefährdet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA ist im ersten Quartal 2020 um 4,8 Prozent gesunken. Für das zweite Quartal wird wegen des eingebrochenen privaten Konsums und des wirtschaftlichen Lockdowns ab März ein noch stärkerer Einbruch erwartet. In Erwartung einer wirtschaftlichen Erholung in der zweiten Jahreshälfte rechnet der Internationale Währungsfonds für 2020 insgesamt mit einem BIP-Rückgang von 5,9 Prozent.

Nach oben

Reaktionen der Europäischen Union

Wie reagierte die Europäische Union (EU) im Angesicht des sich ausbreitenden Coronavirus? Als sich die Lage um die Ausbreitung des Virus im März verschärfte, reagierten die Mitgliedstaaten der EU zunächst ohne Einigung auf ein gemeinsames Vorgehen. Viele Länder schlossen auf eigene Faust ihre Grenze, um die Situation auf nationaler Ebene besser unter Kontrolle bringen zu können. Schließlich einigten sich die Mitglieder des Europäischen Rates, d.h. die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten, auf die vorläufige Schließung der EU-Außengrenzen ab dem 17. März (Quelle)

Diese recht unkoordinierte Erstreaktion kritisierten Expertinnen und Experten. Denn mit einer europäischen Zusammenarbeit hätte die Pandemie effektiver bekämpft werden können, z.B. um eine einheitliche Strategie zum Testen von Erkankten und eine sinnvolle Verteilung medizinischer Ausrüstung zu gewährleisten. Ein großes Problem der EU in der aktuellen Situation sehen sie darin, dass die EU in der Gesundheitspolitik kein Mitspracherecht hat - und die Warnungen der zuständigen EU-Agentur lange unbeachtet blieben (Quelle).

Trotz dieser Schwierigkeiten traf die EU in vielen unterschiedlichen Bereichen gemeinsame Maßnahmen u.a. in den Bereichen Gesundheit, Arbeit, Reisen, Verkehr, Forschung und Bekämpfung von Desinformationen. Beispielsweise richtete die EU ein wissenschaftliches Expertenteam ein, das die Mitgliedstaaten bei der Entwicklung von Maßnahmen berät. Die Europäische Kommission koordiniert dabei eine gemeinsame Krisenreaktion.

    Einen chronologischen Überblick über die getroffenen Maßnahmen der EU in Verbindung zur Coronapandemie geben die Organe der EU:

    Wiederaufbaufond: Wirtschaftliche Hilfen in der EU

    Im Mittelpunkt steht auf europäischer Ebene die Frage, wie die wirtschaftlichen Folgen, d.h. die anstehende Rezession, gemeinsam bewältigt werden können. Emmanuel Macron und Angela Merkel einigten sich auf einen Vorschlag für einen zeitlich befristeten Wiederaufbaufond über 500 Millionen Euro, durch den vor allem Haushaltsausgaben für stark betroffene Sektoren und Regionen bereitgestellt werden sollen. Die Zuschüsse sollen den Mitgliedstaaten als Transfer übertragen werden, d.h. dass die Staaten den Betrag nicht zurückzahlen und dadurch keine Schulden aufnehmen müssen. Jedoch soll der Fond durch Anleihen am Finanzmarkt aufgebaut und schließlich aus verschiedenen EU-Haushalten zurückgezahlt werden. Das heißt: Die EU würde dadurch Schulden aufnehmen, die sie bis nach 2027 zurückzahlen muss.

    Die gemeinsame Schuldenaufnahme ist zentral in der Debatte um wirtschaftliche Hilfen in der EU. Denn laut den EU-Verträgen ist die gemeinsame Verschuldung verboten. Jedoch sagen Expertinnen und Experten, dass diese Möglichkeit wichtig ist, um den europäischen Binnenmarkt und die gesamte EU selbst zusammenzuhalten - gerade in der aktuellen Situation, in der die europäische Wirtschaft einbricht. Aus diesem Grund beharrt die Bundesregierung nicht mehr auf dem Verschuldungsverbot, sondern plädiert dafür, rechtlich eine Ausnahme zu schaffen. Ob diese Pläne tatsächlich umgesetzt werden, ist noch unklar: Der Vorschlag für den Fond muss in Verbindung mit dem Haushaltsplan für 2021 bis 2027 von allen 27 Mitgliedstaaten verabschiedet werden. Jedoch sind einige Länder noch dagegen (Stand: 27.05.2020, Quelle).

     

    Nach oben

    Zuletzt aktualisiert: 30.09.2020 durch die Internetredaktion der LpB BW