Coronavirus - COVID 19

Die Pandemie in Deutschland und Baden-Württemberg

Ursprung des Corona-Virus

Im Dezember 2019 meldete China der Weltgesundheitsorganisation WHO eine Häufung von Lungenentzündungen unklarer Ursache aus der Millionenstadt Wuhan. Eine Woche später identifizierten Forscher ein neuartiges Virus als Ursache. Die WHO gab dem Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" (Severe Acute Respiratory Syndrome-Coronavirus-2).  Der Name "COVID-19", der bislang als neuartige Lungenkrankheit bezeichneten Coronainfektion, leitet sich ab von Corona, Virus und Disease (dem englischen Wort für Krankheit), ergänzt um das Jahr der Entdeckung 2019. Es gehört zur Gruppe der Coronaviren. Das Virus könnte sich von einem Lebensmittelmarkt in Wuhan aus verbreitet haben. Dort wurden auch exotische Tiere wie Reptilien verkauft. Die Erkrankung ist eine sogenannte Zoonose – eine Seuche durch einen Erreger aus dem Tierreich. Das Virus könnte über einen Zwischenwirt auf Menschen übertragen worden sein. Die WHO wertet jetzt die Ausbreitung des Coronavirus als Pandemie und als "größte Gesundheitskrise unserer Zeit".

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Übertragung
Das Virus wird von Mensch zu Mensch übertragen. Ärzte gehen davon aus, dass es vor allem über Tröpfchen übertragen wird, die erkrankte Menschen beim Niesen, Husten, Ausatmen oder Sprechen hinterlassen. Dass sich das Virus über Oberflächen, eine sogenannte Schmierinfektion, weiterverbreitet, ist nur innerhalb eines kurzen Zeitraums möglich. Der Erreger ist deutlich infektiöser als anfangs angenommen.

Symptome
Die Symptome ähneln denen einer Erkältung, typische Zeichen einer Infektion sind Fieber, Husten und Atembeschwerden. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer Infizierter aus, wobei der Infekt bei den meisten so milde verläuft, dass keine Lebensgefahr besteht.

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Drastische Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus

Die Corona-Pandemie verändert das Leben der Deutschen. Um die Ausbreitung der Lungenkrankheit zu verlangsamen, haben sich Bund und Länder am 22. März 2020 auf drastische Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus geeinigt. Eine Ausgangssperre gibt es zwar nicht, dafür aber unter anderem ein weitreichendes Kontaktverbot.

In einer Pressekonferenz stellte Angela Merkel am 22. März die neuen, bundesweit geltenden Maßnahmen vor.

Regeln für Personen
"Gruppen feiernder Menschen - auch im Privaten - sind inakzeptabel", sagte sie. Bürgerinnen und Bürger sollen Kontakte zu anderen Menschen so weit wie möglich reduzieren. Wer hinausgeht, darf dies nur alleine, mit einer weiteren Person oder mit Angehörigen aus dem Hausstand tun. Außer Haus muss jeder und jede mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen oder Personengruppen halten. Grundsätzlich bleibt es wichtig, Hygienevorschriften einzuhalten.

Regeln für die Wirtschaft
Gastronomiebetriebe wie Restaurants werden geschlossen, Speisen und Getränke dürfen aber mitgenommen werden. Körperpflege-Dienstleistungen werden geschlossen, außer medizinisch notwendigen Diensten.

Die Regeln gelten ab dem 23. März und wurden am 1. April von Bund und Ländern zunächst bis zum 19. April 2020 verlängert.

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Corona-Virus - Sars-CoV-2

Die Inkubationszeit beim Sars-CoV-2 -Virus beträgt 14 Tage, währenddessen man für die Mitbevölkerung hochansteckend ist, ohne dass man es selber weiß. Bei vielen Menschen verursacht die Erkrankung nur milde Symptome, die nicht leicht zu erkennen sind. Symptome treten durchschnittlich nach etwa 6 Tagen auf. Ob jemand die Infektion hat, testen Ärzte, indem sie einen Rachenabstrich mit der sogenannten Polymerasekettenreaktion (PCR) auf das genetische Material des Virus untersuchen. Erkrankte müssen im Krankenhaus isoliert, Kontaktpersonen ermittelt und häuslich isoliert werden.

Covid-19 ist eine Lungenkrankheit, die zu einer Lungenentzündung, einer Pneumonie führen kann. Ein Viertel der Patienten wird hauptsächlich wegen eines akuten Atemnotsyndroms oder "ARDS" auf der Intensivstation behandelt. In diesem Fall füllt sich die Lunge mit Flüssigkeit und ihre Fähigkeit, Sauerstoff aufzunehmen, geht verloren. Dies kann andere Organe wie die Nieren schädigen und schließlich zum Tod führen. Unter den Todesopfern sind vor allem Menschen mit schweren Vorerkrankungen und ältere Menschen. In erster Linie sind damit Erkrankungen gemeint, die die Lunge betreffen. Aber auch Menschen mit Krebs oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes sind gefährdeter als gesunde. Auch ein sehr hoher Blutdruck kann zu Komplikationen bei einer Infektion mit dem neuen Coronavirus führen.

Vergleiche zwischen der Sterblichkeitsrate bei der Grippe/Influenza und dem Corona-Virus sind sehr schwierig. Um die Rate korrekt berechnen zu können, müsste man genau wissen, wie viele Menschen jeweils an beiden Viren erkrankt und wie viele davon gestorben sind. Das ist schwer zu erheben, weil viele Infektionen unbemerkt bleiben bzw. nicht offiziell registriert werden und weil nicht alle Todesfälle korrekt zugeordnet werden können. Bei den Sterblichkeitsraten handelt es sich also sowohl bei der Grippe als auch beim Corona-Virus um Schätzungen, die je nach Art der Erhebung stark voneinander abweichen können. 

Bei der Grippe schätzt Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), die Sterblichkeitsrate auf 0,1 bis 0,2 Prozent - das bedeutet, dass von tausend Erkrankten ein bis zwei Menschen sterben (Quelle). Ulrike Protzer vom Institut für Virologie der Technischen Universität München geht von anderen Zahlen aus: sie schätzt die Sterblichkeit je nach Grippesaison auf 0,5 Prozent bis fünf bis acht Prozent. Das bedeutet, dass von tausend Erkrankten in einer leichteren Grippesaison fünf Menschen, in einer schweren Grippesaison jedoch 50 bis 80 Menschen sterben (Quelle). Eine besonders schwere Grippesaison war beispielsweise der Winter 2017/18, als nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts etwa 25.000 Menschen an der Grippe gestorben sind. Die Zahl der Grippe-bedingten Arztbesuche in der Saison schätzt das Institut auf etwa neun Millionen (Quelle). Wie viele Menschen genau an der Grippe erkrank waren, weiß man nicht. 

Die Sterblichkeitsrate beim Corona-Virus schätzt das Robert-Koch-Institut auf ein bis zwei Prozent - das bedeutet, dass von tausend Erkrankten zehn bis zwanzig Menschen sterben. Bruce Aylward von der Weltgesundheitsorganisation WHO nannte eine mögliche Sterblichkeitsrate in Chinas Regionen ohne das Epizentrum Hubei von 0,7 Prozent - das würde also bedeuten, dass von tausend Erkrankten sieben Menschen sterben. Ulrike Protzer vom Institut für Virologie der Technischen Universität München geht davon aus, dass die Sterblichkeitsraten beim Coronavirus etwa so hoch sind wie bei einer durchschnittlichen Grippesaison (Quelle). Der größte Unterschied zwischen den Viren ist, dass es gegen den Grippe-/Influenza-Virus inzwischen eine relativ wirksame Schutzimpfung gibt (Quelle), gegen den Corona-Virus jedoch nicht. 

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Covid-19 in Deutschland

In Deutschland sind mehr als 91.000 Menschen infiziert, 1.293 Menschen kamen infolge der Lungenerkrankung Covid-19 ums Leben. (Quelle: Johns Hopkins University, 04.04.2020). 

Die ersten Fälle wurden im Januar in Bayern bekannt. Täglich kommen weitere Infektionen hinzu. Alle neun Tage verdoppeln sich inzwischen die Krankheitsfälle.  Auch die Todeszahlen werden in den kommenden Wochen deutlich steigen. Experten gehen davon aus, dass es auch in Deutschland sehr viele unentdeckte Infektionen gibt. Daher muss Deutschland mit einer exponentiellen Ausbreitung des Coronavirus rechnen. Das Robert Koch-Institut stuft das Risiko für die Bevölkerung auf "hoch" ein.

Angesichts der steigenden Zahl von Infektionen wurden Messen, Kongresse, Sportereignisse und andere Veranstaltungen abgesagt. Die Bundesregierung hatte zunächst empfohlen, auch "nicht notwendige" Veranstaltungen mit weniger als 1.000 Teilnehmern abzusagen. Zahlreiche Kommunen schränkten daraufhin das öffentliche Leben immer mehr ein: Veranstaltungen, Theater- oder Kinobesuche werden verboten, Museen, Schwimmbäder, Spielplätze, Fitnesstudios, Restaurants, Bars und Clubs müssen geschlossen bleiben. Die Bundesregierung vereinbarte mit den Ministerpräsidenten der Länder zudem, touristische Übernachtungsangebote zu verbieten und Restaurantbesuche einzuschränken. Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen und die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften werden untersagt. Weiterhin geöffnet bleiben  Lebensmittelgeschäfte, Wochenmärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken, Sparkassen, Poststellen und der Großhandel.

Schulen und Kitas schließen

Statistisch gesehen steckt jede mit Corona infizierte Person zwei bis drei andere Menschen an. Daher hat das Saarland als erstes Bundesland angekündigt, landesweit Schulen und Kindertagesstätten zu schließen. In allen Bundesländern bleiben Schulen und Kitas bis vorerst zum Ende der Osterferien ebenfalls geschlossen.

Von ausfallender Kinderbetreuung bei bundesweiten Schul- und Kitaschließungen sind Millionen Arbeitnehmerhaushalte betroffen. Keinesfalls sollten die Kinder zur Betreuung zu den Großeltern gebracht werden, da diese der Risikogruppe angehören.
Ist bei der Schließung der Kita/Schule unter Berücksichtigung des Alters der Kinder eine Betreuung erforderlich, so müssen die Eltern zunächst alle zumutbaren Anstrengungen zu unternehmen, die Kinderbetreuung anderweitig sicherzustellen. Kann die sie nicht sichergestellt werden und bleiben die Eltern zuhause, haben sie normalerweise auch keinen Anspruch auf Lohn oder Gehalt. Nach § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) haben Eltern einen Entgeltfortzahlungsanspruch - aber nur für bis zu fünf Tage. Möglich wäre, im Homeoffice zu arbeiten oder zu anderen Arbeitszeiten, wenn die Kinderbetreuung sichergestellt ist. Notfalls muss bezahlter oder unbezahlter Urlaub genommen werden, vielleicht können auch Überstunden abgebaut werden. Oder Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer häufen ein negatives Stundenkonto an, also Unterstunden, die sie später abarbeiten. Die Arbeitsvertragsparteien müssen jetzt gemeinsam erträgliche Lösungen finden. Eine Notversorgung mit Kinderbetreuungsplätzen wird zwar eingerichtet, kann aber nur für die Bediensteten angeboten werden, die in sog. systemrelevanten, besonders kritischen Bereichen arbeiten.
Wer wegen Schul- oder Kitaschließung die eigenen Kinder betreuen muss und nicht zur Arbeit kann, soll jetzt laut BMFSFJ gegen übermäßige Einkommenseinbußen abgesichert werden. Dafür wird das Infektionsschutzgesetz angepasst. Eltern erhalten demnach eine Entschädigung von 67 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens (maximal 2.016 Euro) für bis zu sechs Wochen. 

BMAS: Coronavirus: Arbeitsrechtliche Auswirkungen

Ziel der einschneidenden Maßnahmen

Ziel aller Maßnahmen ist es, Zeit zu gewinnen, also die Verbreitung der Krankheit zu verlangsamen. Da das Virus sehr leicht übertragen wird, muss alles versucht werden, es einzudämmen, auch um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Wichtig ist es, die Hygiene- und Abstandsvorschriften einzuhalten. Abstand halten und zu Hause bleiben sind nach wie vor die entscheidenden Gebote. Deshalb untersagen die Bundesländer auch Besuche in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Die Kliniken erwarten, dass die Zahl der Corona-Patienten in nächster Zeit weiterhin drastisch steigt. Gerade Ältere und chronisch Kranke sind auf eine ausreichende Zahl verfügbarer Intensivbetten angewiesen. Inzwischen sind rund 30.000 Beatmungsplätze in der Intensivmedizin vorhanden. Das Risiko, dass die Kapazität der Gesundheitssysteme in den kommenden Wochen überschritten wird, wird vom Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) als hoch eingestuft.

     

    Auf Vorschlag der Bundesregierung sollen Kliniken Platz für Corona-Patienten schaffen. Soweit medizinisch vertretbar sollen grundsätzlich ab dem 16. März alle planbaren Aufnahmen, Operationen und Eingriffe in allen Krankenhäusern auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Mit dieser Maßnahme sollen sich die Krankenhäuser auf den erwartbar steigenden Bedarf an Intensiv- und Beatmungskapazitäten zur Behandlung von Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen durch Covid-19 konzentrieren können. Derzeit sind viele Kliniken dabei, zusätzliche Kapazitäten für die intensivmedizinische Betreuung von Covid-19-Kranken zu schaffen. So werden Gebäudeteile freigeräumt und als Pandemie-Areale ausgewiesen. Um die Kliniken zu entlasten, sollen provisorische Standorte zusätzliche Betten- und Behandlungskapazitäten aufbauen.

    Deutschland schließt Grenzen

    Jetzt schottet sich auch Deutschland wie schon andere europäische Länder ab: Als Reaktion auf die Corona-Pandemie sind die Grenzen zu Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Österreich und der Schweiz geschlossen worden. Ausnahmen gibt es für Pendler und den Warenverkehr. Die norddeutschen Inseln Sylt, Amrum und Föhr, die Halbinsel Nordstrand, die Halligen Hooge und Langeneß, Fehmarn oder Rügen sind für Touristen auf unbestimmte Zeit gesperrt.

    Ausgangsbeschränkungen

    Bayern und das Saarland haben als erste Bundesländer landesweite Ausgangsbeschränkungen verhängt. Die neuen Regeln gelten vorerst für zwei Wochen. Zwar haben sich viele Menschen vorbildlich verhalten, aber es gab leider auch viele, die den Ernst der Lage noch nicht verstanden haben. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist ab dem 21. März  nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. In Baden-Württemberg sind Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen mit mehr als drei Personen verboten. In Rheinland-Pfalz dürfen keine Gruppen mit mehr als fünf Personen zusammenkommen, in Hamburg nicht mehr als sechs.

    Es ist weiter erlaubt:

    • zur Arbeit zu gehen, insofern dies notwendig ist und nicht von zu Hause aus gemacht werden kann,
    • Arztbesuche,
    • Einkauf in Apotheken,
    • Lebensmitteleinkäufe,
    • Spaziergänge und Sportarten im Freien, sofern man dabei allein ist (Joggen, Walken, Skaten),
    • Gassigehen mit dem Hund in Wohnungsnähe,
    • Betreuung Hilfsbedürftiger

    Kontaktverbot

    Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, haben Bund und Länder das öffentliche Leben am 22. März bundeseinheitlich weiter erheblich eingeschränkt: Versammlungen von mehr als zwei Menschen werden verboten.  Ausgenommen werden sollen Familien sowie in einem Haushalt lebende Personen. In der Öffentlichkeit ist, wo immer möglich, zu anderen ein Mindestabstand von mindestens 1,5 m einzuhalten. Zudem müssen Friseure und Restaurants bundesweit schließen. Davon ausgenommen ist die Lieferung und Abholung mitnahmefähiger Speisen für den Verzehr zu Hause. Die Regeln gelten ab dem 23. März und wurden am 1. April von Bund und Länder bis  zunächst zum 19. April verlängert.

    Robert Koch-Institut: COVID-19-Dashboard
    Die Karte zeigt, wie viele Menschen sich derzeit mit dem Corona-Virus in Deutschland infiziert haben.
    Die Angaben basieren auf Zahlen des Robert-Koch-Instituts, wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit (IHPH) der Universität Bonn
    Coronavirus-Deutschland-Karte

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    Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ansprache an die Nation (18.03.2020)

    Die Lage ist ernst, nehmen Sie sie es auch ernst!

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    Covid-19 in Baden-Württemberg

    Zahlen in Baden-Württemberg

    DatumFallzahlTodesfälle
    02.04.202015.971281
    01.04.202014.580239
    31.03.202013.313196
    30.03.202012.257163
    29.03.202011.536128
    28.03.202010.819118
    27.03.20209.729101
    26.03.20208.44176
    25.03.20207.25256
    24.03.20206.04337
    23.03.20205.33332
    22.03.20204.30027
    21.03.20203.818

    23 

    Quelle:  Sozialministerium Baden-Württemberg 

    Nach Nordrhein-Westfalen und Bayern wurden in Baden-Württemberg die meisten Corona-Infektionen gemeldet. Auch Baden-Württemberg schränkt das öffentliche Leben drastisch ein. Wegen der steigenden Corona-Infektionen wurden zahlreiche Einrichtungen geschlossen, ab dem 23. März tritt ein Kontaktverbot wie in den anderen Bundesländern in Kraft. Im ganzen Bundesland gilt, dass nur noch zwei Menschen zusammen draußen unterwegs sein dürfen. Ausnahmen gibt es für Familien. Neu ist auch, dass Menschen, die nicht gemeinsam in einem Haushalt leben, in der Öffentlichkeit einen Abstand von 1,5 Metern zueinander halten sollen.

    Ministerpräsident Winfried Kretschmann appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, sich an die Regeln zu halten – egal, ob im Supermarkt oder beim Spazierengehen. Es ist nicht verboten, die Wohnung zu verlassen – etwa für Arztbesuche, zum Einkaufen, um anderen zu helfen, um frische Luft zu schnappen oder um alleine Sport zu treiben. Auch der Weg zur Arbeit bleibt erlaubt. Kretschmann rechnete damit, dass die Zahl der Menschen, die sich mit dem Coronavirus anstecken, erst einmal weiter steigen wird.

    Die Landesregierung und die Kliniken bereiten sich unter Hochdruck auf steigende Infektionen mit schwerem Verlauf vor. Baden-Württemberg verfügt über rund 3.200 Intensivbetten, darunter rund 2.800 mit Beatmungsbetten. Diese sollen jetzt möglichst schnell ausgebaut werden. Um die Kapazitäten in den Krankenhäusern weiter auszubauen, sollen auch die 190 Rehakliniken für die Pflege miteinbezogen werden.

    Verordnung der Landesregierung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus SARS-Cov-2 (Corona-Verordnung - CoronaVO) vom 17. März 2020 (in der Fassung vom 22. März 2020)

    Wie betroffen ist mein Stadt- oder Landkreis?

    Stadt-/LandkreisFälle von Infizierten
     02.04.2020
    Alb-Donau-Kreis251
    Baden-Baden (Stadtkreis)93
    Biberach264
    Böblingen695
    Bodenseekreis203
    Breisgau-Hochschwarzwald544
    Calw345
    Emmendingen348
    Enzkreis162
    Esslingen945
    Freiburg im Breisgau (Stadtkreis)534
    Freudenstadt185
    Göppingen446
    Heidelberg (Stadtkreis)178
    Heidenheim225
    Heilbronn484
    Heilbronn (Stadtkreis)220
    Hohenlohekreis508
    Karlsruhe373
    Karlsruhe (Stadtkreis)177
    Konstanz210
    Lörrach311
    Ludwigsburg813
    Main-Tauber-Kreis170
    Mannheim (Stadtkreis)240
    Neckar-Odenwald-Kreis120
    Ortenaukreis320
    Ostalbkreis368
    Pforzheim (Stadtkreis)54
    Rastatt322
    Ravensburg377
    Rems-Murr-Kreis537
    Reutlingen482
    Rhein-Neckar-Kreis654
    Rottweil175
    Schwäbisch Hall422
    Schwarzwald-Baar-Kreis250
    Sigmaringen452
    Stuttgart860
    Tübingen764
    Tuttlingen192
    Ulm (Stadtkreis)128
    Waldshut119
    Zollernalbkreis451
    Summe15971

    Quelle:  Sozialministerium Baden-Württemberg

    Hotline des Landesgesundheitsamts

    Bei Fragen zum neuartigen Coronavirus können sich Bürgerinnen und Bürger ab sofort werktags zwischen 9 und 16 Uhr an eine Hotline des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg wenden.

    Telefonnummer: 0711/904-39555

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    Einfluss der Corona-Krise auf die Bevölkerung

    Ein Forscherteam der Universität Mannheim untersucht mit ihrer bevölkerungsrepräsentativen Corona-Studie die Folgen der Einschränkungen durch das Kontaktverbot und liefert Zahlen darüber, wie sie sich auf den Alltag der Menschen auswirkt. Die Studie geht den Fragen nach, in welchem Maße sich die Menschen von der Ausbreitung des Corona-Virus bedroht fühlen, wie sehr sich die Häufigkeit privater physischer Begegnungen in Deutschland in den letzten Wochen verändert hat, welche Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie die Bevölkerung derzeit für angemessen hält und welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Beschäftigungssituation der Bevölkerung hat.

    Die Studie zeigt, dass die Häufigkeit, in der sich Menschen mit Freunden oder Verwandten treffen, in den vergangenen Wochen deutlich gesunken ist. Die Akzeptanz der Veranstaltungsverbote liegt bei 95 Prozent, die Schließung öffentlicher Einrichtungen wie Kitas und Schulen befürworten 92 Prozent, Ausgangssperren werden allerdings von 59 Prozent der Menschen abgelehnt. 59 Prozent der Beschäftigten arbeiten weiterhin vor Ort, nur 21 Prozent können im Homeoffice arbeiten. 10 Prozent wurden von ihrer Arbeit mit Lohnausgleich frei gestellt. Kinder werden zu 89 Prozent von Personen aus dem Haushalt betreut.

    Die Mannheimer Corona-Studie
    Das Leben in Deutschland im Ausnahmezustand
    Bericht zur Lage vom 20. März bis 31. März 2020

     

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    Was kann der Einzelne tun?

    Jeder einzelne ist jetzt gefragt, sein Verhalten anzupassen. Nur wenn Menschen sich isolieren, lässt sich das Coronavirus aufhalten. Wer sich vor dem Coronavirus  schützen möchte, kann sich an die gleichen Regeln halten, die  Gesundheitsexperten jedes Jahr zur saisonalen Grippewelle empfehlen. Jeder Einzelne kann sich vor allem durch Hygienemaßnahmen schützen:

    • Mindestens zwei Meter Abstand zu Menschen halten, insbesondere zu Menschen, die niesen oder husten.
    • Hände gründlich waschen,
    • selbst in ein Taschentuch oder in die Ellenbeuge niesen,
    • Händeschütteln und Umarmungen sollten vermieden werden,
    • Vermeidung, wenn möglich, von Massenansammlungen oder Besuchen in Gemeinschaftseinrichtungen,
    • wo immer möglich auf Sozialkontakte verzichten.

    Weiter wird bei Krankheitssymptomen empfohlen, zunächst einmal Zuhause zu bleiben und telefonisch Kontakt mit dem Hausarzt aufzunehmen. Dieser weiß, wie in einer solchen Situation zu verfahren ist. Betroffene solten zudem unnötige Kontakte vermeiden. Ärzte sollten ihren Arbeitsalltag jetzt so organisieren, dass sie Menschen mit Grippesymptomen in den Randzeiten einbestellen. Diejenigen, die in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet waren, sollten sich selbst auf Symptome beobachten und etwa regelmäßig Fieber messen. Die Bundesärztekammer appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger mit leichten Erkrankungen, Arztbesuchen zu vermeiden – um Kapazitäten für mögliche Corona-Patienten freizuhalten.

    Um Ärzte zu entlasten, können sich Patientinnen und Patienten mit leichten Erkrankungen der oberen Atemwege nun nach telefonischer Rücksprache mit ihrem Arzt bis zu 14 Tage krankschreiben lassen. Patientinnen und Patienten müssen dafür nicht die Arztpraxen aufsuchen, vereinbarten die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung.

    Hotline: Unabhängige Patientenberatung Deutschland - 0800 011 77 22

    Nach Aussage von Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Institut fürs Virologie an der Berliner Charité, werden in Deutschland derzeit pro Woche über eine halbe Million Corona-Tests durchgeführt. Diese Ressourcen sollen allerdings nur für solche Fälle genutzt werden, in denen es einen begründeten Verdacht gibt. Denn für alle, die sich krank fühlen, reichen die Testkapazitäten nicht aus. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, dass Personen getestet werden sollen, auf die folgende Kriterien zutreffen:

    • Personen, die Symptome haben, die zum Coronavirus passen (beispielsweise Fieber, trockener Husten, Kurzatmigkeit, Halsschmerzen) und innerhalb der letzten 14 Tage Kontakt zu einem bestätigten Coronavirus-Fall hatten
    • Personen, die Symptome haben und innerhalb der letzten 14 Tage in einem vom RKI festgelegten Risikogebiet waren.

    Ist eine Person definitiv infiziert, gibt es ein vorgeschriebenes Prozedere: Das Gesundheitsamt ermittelt alle direkten Kontaktpersonen und wird eine häusliche Quarantäne erlassen, die bis zum Ablauf des 14. Tages nach dem letzten Kontakt mit dem Patienten andauern wird. Am Virus erkrankte Personen werden so schnell wie möglich in einem Krankenhaus isoliert.

    Es gibt keine Hinweise darauf, dass eine Atemschutzmaske, wie man sie derzeit auf den Straßen sieht, gesunde Menschen vor einer Sars-CoV-2-Infektion schützen. So ein chirurgischer Mund-Nasenschutz ist dafür konzipiert, die Umwelt vor einem infizierten Träger zu schützen, nicht anders herum. Wenn es also darum geht, andere vor einer Ansteckung zu schützen, dann ist ein Mundschutz sinnvoll. Nur sogenannte FFP-Modelle (Face Filtering Piece) mit eingebautem Filter für die Stufen FFP2 und FFP3 weisen einen Schutz gegen Krankheitserreger aus. Das Robert-Koch-Institut und die WHO halten die Masken nur für Infizierte, deren Angehörige und medizinisches Personal für sinnvoll. Allerdings müssen die Masken etwa alle 20 Minuten ausgetauscht werden, wenn sie vom Atem feucht werden und damit durchlässig für Keime und nicht mehr vor Erregern schützen können. Masken verhindern allerdings, dass Trägerin oder Träger mit möglicherweise kontaminierten Händen Nase und Mund berühren.

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    Infektionsschutzgesetz

    Deutschland hat seit 2005 einen nationalen Pandemieplan, ergänzt durch die Pläne der Bundesländer, der Gemeinden und Unternehmen. Die Bundesregierung und die Länder haben jetzt die schärfsten Maßnahmen in Kraft gesetzt, die dem Staat zur Verfügung stehen. Alles, was nicht lebensnotwendig für die Versorgung der Bevölkerung ist wie der Lebensmittelhandel, Supermärkte oder Apotheken muss schließen. Gesetzlich ist das im Infektionsschutzgesetz geregelt. Im Infektionsschutzgesetz sind die Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Kommunen festgelegt. Das Infektionsschutzgesetz sieht verschiedene Möglichkeiten vor, um ein Infektionsgeschehen zu begrenzen. Zwischen der Absage von Großveranstaltungen, der Schließung von Einrichtungen wie Kitas, Schulen oder Universitäten bis hin zum Abriegeln ganzer Städte sind viele Maßnahmen möglich. Drakonische Maßnahmen wie in China waren bisher in Deutschland kaum vorstellbar, werden jetzt aber Tag für Tag Realtität.

    Der Bund kann in der Regel nicht direkt auf die Ebene der Kommunen durchregieren. Das ist in der Verfassung so garantiert - es gibt eine sogenannte Gewaltenteilung. Dadurch genießen die einzelnen Landkreise, Städte und Kommunen eine große Unabhängigkeit. Dort entscheiden eigene Behörden, was vor Ort passiert. Das bundesweit gültige Infektionsschutzgesetz überträgt den Landesregierungen die Aufgabe, festzulegen, wer Entscheidungen über konkrete Maßnahmen trifft. Auf Landesebene können die Gesundheitsministerien sogenannte "Allgemeinverfügungen" verhängen. Vor Ort entscheiden Kommunen und Gesundheitsämter über lokale Maßnahmen. Die Bewertungen des Robert Koch Instituts sind die Grundlage für Entscheidungen auf kommunaler und Landesebene.

    Der von der Bundesregierung eingesetzte Krisenstab hat für den Reiseverkehr bereits die ersten Maßnahmen besprochen. Für Flug- und Schiffsreisen werden "Aussteigerkarten" angeordnet, für Bahn- und Busreisen hoffe man auf eine Selbstverpflichtung, um zurückverfolgen zu können, wer an Bord war. Reisende aus Infektionsgebieten müssen Informationen über ihren Aufenthaltsort nach der Ankunft abgeben.

    Die Bundesregierung untersagt inzwischen den Export von Atemmasken und anderer Schutzausrüstung. Das Bundesgesundheitsministerium beschafft Schutzausrüstung nun zentral für Arztpraxen, Krankenhäuser und Bundesbehörden.

    Im Infektionsschutzgesetz (IfSG) sind mögliche Einschränkungen der persönlichen Freiheit festgelegt: Die Grundrechte der Freiheit der Person (Artikel 2 Abs. 2 Satz 2 Grundgesetz), der Freizügigkeit (Artikel 11 Abs. 1 Grundgesetz), der Versammlungsfreiheit (Artikel 8 Grundgesetz), der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 Abs. 1 Grundgesetz) und des Brief- und Postgeheimnisses (Artikel 10 Grundgesetz) können insoweit eingeschränkt werden.
    www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__32.html

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    Weltweite Verbreitung des Erregers

    In China waren offiziell mehr als 82.000 Personen an Covid-19 erkrankt, mehr als 3.300 sind an der Lungenentzündung gestorben. 76.000 Menschen haben die Krankheit inzwischen überstanden. Der erste Fall einer Infizierung mit dem neuartigen Coronavirus kann auf den 17. November 2019 zurückverfolgt werden. Einen Monat später stieg die Zahl der bekannten Fälle erstmals zweistellig an. Die Anzahl der Neuinfektionen zeigt allerdings bereits seit mehreren Wochen einen Abwärtstrend, China hat den Höhepunkt der Coronavirus-Ausbreitung überschritten. Die Abriegelung der Provinz Hubei wurde inzwischen weitgehend aufgehoben. Hubei gilt als Ausgangspunkt der Pandemie, die Provinz war zwei Monate lang von der Außenwelt abgeschottet.

    Mittlerweile wurden aus mehr als 120 Ländern Infektionsfälle bekannt. Auch in den USA, Afrika, Australien, Indien und Lateinamerika gibt es immer mehr Infektionsfälle. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass es sich nicht verhindern lässt, dass der Erreger sich weltweit ausbreitet. Die WHO wertet jetzt die Ausbreitung des Coronavirus als Pandemie.

    Um den Ausbruch zu stoppen war das Ziel der WHO, das Virus mit aller Macht an seiner Quelle in China bekämpfen und gleichzeitig verhindern, dass es anderswo Fuß fasst. Diese Strategie ist misslungen. Rasend schnell verbreitete sich das Virus, zunächst in China, dann in Japan, Südkorea, Iran und in Italien. Weitere Länder werden folgen.

    Jetzt sind die USA das Land mit den meisten bestätigten Infektionen, mehr als 270.000 Menschen (Quelle: Johns Hopkins University, 04.04.2020) in allen Bundesstaaten sind am Virus erkrankt, Tendenz stark steigend. Die USA verzeichnen aktuell eine Verdopplung der Krankheitsfälle alle drei Tage. Über 7.100 sind gestorben. New York ist zu einem Zentrum der Pandemie geworden: Rund fünf Prozent aller weltweiten Fälle werden inzwischen aus der Millionenstadt gemeldet. Nun droht auch New Orleans ein amerikanisches Epizentrum der Corona-Pandemie zu werden. Hier breitet sich das Virus schneller aus als an jedem anderen Ort der Welt. Für rund 90 Prozent der Menschen in den USA gelten wegen der Coronavirus-Pandemie eine Form von Ausgangsbeschränkungen. Die USA  haben ein einmonatiges Einreiseverbot für Reisende aus Europa angekündigt. Das Verbot trat am 13. März um Mitternacht in Kraft. US-Präsident Donald Trump hat wegen der Ausbreitung des Coronavirus in den USA den nationalen Notstand ausgerufen. Mit der Maßnahme können Bundesmittel in Höhe von bis zu 50 Milliarden Dollar zur Bekämpfung des Coronavirus eingesetzt werden. Angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise hat US-Finanzminister Steven Mnuchin ein Soforthilfepaket von zwei Billionen Dollar für Unternehmen in Aussicht gestellt. Das Robert Koch-Institut stuft die US-Bundesstaaten Kalifornien, New Jersey, Washington und New York als Coronavirus-Risikogebiete ein.

    Auch Argentinien, Bolivien, Marokko, Paraguay, Peru, Singapur, Türkei und Venezuela kündigten vorübergehende Verbote von Flügen aus Europa an.

    In Italien haben sich schon mehr als 119.000 Menschen mit dem neuen Coronavirus infiziert, über 14.600 sind gestorben und damit mehr als in in allen anderen Ländern. Italien ist inzwischen das drittstärkste von der Coronavirus-Krise betroffene Land weltweit, hier gibt es die meisten Coronatoten. Warum hat es gerade Italien so stark getroffen? Experten sind sich inzwischen ziemlich einig: Der Hauptgrund liegt darin, dass sich das Virus wochenlang unbemerkt ausbreiten konnte. Der erste an Covid-19 erkrankte Patient in Italien hatte sich am 20. Februar mit Fieber, Grippesymptomen und Atembeschwerden in der Notaufnahme des Spitals von Codogno in der Lombardei gemeldet. Die Epidemie in China war für alle Verantwortlichen noch weit weg gewesen, und niemand hatte damals ernsthafte Maßnahmen in Betracht gezogen, das Virus zu bekämpfen. Sehr schnell wurde das Gesundheitssystem mit zu vielen Covid-19-Infizierten an einem Ort zur selben Zeit überlastet. Mehr als zehn Prozent der Menschen, die sich in Italien offiziell mit Sars-CoV-2 infiziert haben, sind gestorben.

    Die Reaktionen der italienischen Behörden sind inzwischen drastisch: Wie schon in China werden ganze Gebiete, in denen das Virus nachgewiesen wurde, unter Quarantäne gestellt. Das heißt: Niemand darf in die betroffenen Gebiete hinein, niemand darf heraus. Rund eine Viertel der italienischen Bevölkerung steht nun wegen des Coronavirus praktisch unter Quarantäne. Alle Schulen und Universitäten bleiben geschlossen. Landesweit verhängte die Regierung einen Betriebsstopp für Kinos, Theater und Museen. In vielen Gegenden Norditaliens steht das öffentliche Leben praktisch still. Die italienischen Regionen Emilia-Romagna, Lombardei und die Stadt Vo in der Region Venetien sind weiterhin Risikogebiete. Die italienische Regierung weitet jetzt Sperrungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit wegen der Coronavirus-Krise auf das ganze Land aus. Alle öffentlichen Versammlungen werden verboten. Sportveranstaltungen wie Fußballspiele werden ausgesetzt, Bars und Restaurants sowie fast alle Geschäfte werden geschlossen, nur Supermärkte und Apotheken und Geschäfte, die "wichtige" Dinge verkauften, sind weiter geöffnet.
    Am 21. März zog Italien die Notbremse. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte verkündete in seiner Ansprache : "Alles, was nicht unmittelbar für das Funktionieren des Landes notwendig ist, wird jetzt dichtgemacht." Vom 23. März an werden die Bekleidungs-, die Möbel- oder die Haushaltsgeräteindustrie, die Werke des Luft- und Raumfahrtsektors oder des Fahrzeugbaus stillgelegt, auf den Baustellen darf nicht mehr gearbeitet werden.
    Das Robert Koch-Institut hat ganz Italien zum Risikogebiet erklärt. Das Auswärtige Amt hat seine Reise- und Sicherheitshinweise angepasst. Von nicht erforderlichen Reisen nach Italien wird derzeit abgeraten. Die Gefahr ist groß, dass die Entwicklung in den anderen Ländern ähnlich verlaufen wird wie in Italien.

    Spanien ist das am stärksten vom Coronavirus betroffene Land in Europa und nach den USA das zweitstärkste betroffene Land weltweit. Vor allem in der Region Madrid hatten sich die Krankheitsfälle gehäuft. Über 124.000 Infektionen wurden registriert. Über 10.900 Menschen sind bisher am Virus gestorben.  Rund um Madrid wurden zunächst Kindergärten, Schulen und Universitäten geschlossen. Alle Sportveranstaltungen wurden abgesagt, alle Direktflüge zwischen Italien und Spanien untersagt. Spaniens Parlament geht in die Virus-Zwangspause, zuvor war die Erkrankung eines Abgeordneten bekannt geworden. Spanien hat jetzt einen zweiwöchigen sogenannten "Alarmzustand" verhängt, der auf die Einschränkung der Bewegungsfreiheit im ganzen Land hinausläuft. Die Spanier dürfen während des „Alarmzustands“ nur in Ausnahmefällen aus dem Haus gehen. Alle Beschäftigten, die in nicht wesentlichen Sektoren tätig sind, müssen vom 31. März bis vorerst zum 9. April zu Hause bleiben. Betroffen sind vor allem der Bausektor und weite Teile der Industrie.

    Ausgangsbeschränkungen in Europa
    Wegen der Coronakrise bleiben die Schulen, Kindergärten und Universitäten in den meisten europäischen Ländern geschlossen. Zahlreiche Länder haben teils drastische Ausgangsbeschränkungen eingeführt.

    • Johns Hopkins University, Baltimore:
      Coronavirus COVID-19 Global Cases
      Eine Echtzeit-Karte der John-Hopkins-Universität zeigt, wie viele Menschen sich derzeit mit dem Corona-Virus weltweit infiziert haben.

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    Impfstoffe

    Angesichts der Ausbreitung des Virus erscheint es fraglich, ob die Epidemie bald gestoppt werden kann. Aktuell gibt es kein spezielles Medikament und keine Impfung gegen das neuartige Coronavirus. Umso wichtiger wäre ein Impfstoff. Mitte Februar einigten sich 400 Experten auf einer Konferenz in Genf, die Suche danach zu beschleunigen, wie der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, mitteilte. In vielen Ländern wird derzeit an der Entwicklung eines Impfstoffes gearbeitet. Es wird allerdings noch Monate dauern, bis er zur Verfügung steht.

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    Wirtschaftliche Auswirkungen

    Überall auf der Welt wird die Wirtschaft heruntergefahren, das öffentliche Leben ist quasi stillgelegt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Wohin sich die globalisierte Wirtschaft in den kommenden Monaten bewegt, hängt vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. Sie hat jetzt schon eine  Kettenreaktion in der eng vernetzten, arbeitsteiligen Weltwirtschaft ausgelöst, deren ökonomische Auswirkungen noch nicht abzusehen sind.

    Rund 760 Millionen Chinesen waren im Januar und Februar von Abriegelungsmaßnahmen betroffen, hatte eine Analyse der New York Times ergeben. 150 Millionen Chinesen können nicht oder nur eingeschränkt ihr Zuhause verlassen. Die Coronakrise geht an die Substanz der chinesischen Wirtschaft. Große Teile der chinesischen Wirtschaft sind wegen der vom Coronavirus ausgelösten sowie den damit verbundenen Maßnahmen in den vergangenen Wochen praktisch zum Erliegen gekommen. Auch die deutschen Unternehmen vor Ort machen Verluste. Nach dem Ausbruch des Coronavirus sind z.B. die Neuwagenverkäufe in China drastisch eingebrochen. Wie der chinesische Autoverband CPCA mitteilte, gingen die Verkäufe im Februar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 92 Prozent zurück.

    Der weltweite Stillstand und die strengen Quarantäneregeln behindern den globalisierten Handel immer stärker. Mittlerweile kommt es auf dem Weltmarkt zu Engpässen mit Ersatzteilen aus China und anderen Ländern. Da es kaum Flugzeuge - 70 Airlines haben ihre Flüge von und nach China eingestellt - und Schiffe gibt, könnten Waren nicht verschifft werden. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen sind von der Krise schwer betroffen. Viele könnten vielleicht nur zwei bis drei schlechte Monate verkraften. Sonst drohten Pleiten.

    Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat vor massiven Belastungen für die Konjunktur wegen des Coronavirus gewarnt. Erste Auswirkungen machen sich am Aktienmarkt bemerkbar. Gewinnwarnungen von Unternehmen, heruntergefahrene Produktion, abgesagte Reisen, gesprengte Lieferketten, Sparmaßnahmen, abgesagte Messen: Die zunehmende weltweite Ausbreitung des Coronavirus steckt immer mehr Unternehmen an. An den Börsen sacken die Kurse weiter ab. Die Coronavirus-Pandemie zwingt immer mehr Unternehmen zur Rücknahme ihrer Gewinnziele. Mit Verlusten von bisher über 30 Prozent seit Monatsanfang erleben die Anleger derzeit die schwärzesten Wochen seit dem Börsencrash vom Oktober 1987.

    Jetzt haben auch die großen Automobilhersteller VW, Daimler, BMW und Opel die Autoproduktion in Europa für vier Wochen gestoppt. Nachdem der Einzelhandel und das Hotel- und Gaststättengewerbe zum Erliegen gekommen ist, befürchten die Unternehmen eine Pleitewelle und den Verlust von Millionen von Arbeitsplätzen, wenn nicht sofort und unbürokratisch staatliche Hilfen an die Unternehmen fließen. Die Coronakrise trifft den Arbeitsmarkt offenbar mit voller Wucht. Eine halbe Million Betriebe schicken Mitarbeiter jetzt in Kurzarbeit. Die Bundesregierung rechnet mit über zwei Millionen Beschäftigten, die in diesem Jahr auf Kurzarbeitergeld angewiesen sein werden.

    Die Bundesregierung unterstützt die Wirtschaft in der Corona-Krise mit Investitionen, Kurzarbeitergeld und Krediten, die ökonomischen Folgen will sie mit milliardenschweren Liquiditätshilfen abfedern. Regierung plant zudem ein milliardenschweres Hilfspaket für Kleinstunternehmen und Solo-Selbstständige von über 40 Milliarden Euro. Geplant sind direkte Zuschüssen und Darlehen. Wegen der drastischen Auswirkungen der Corona-Krise fürchten viele Soloselbstständige um ihre Existenz. Viele Geschäfte mussten schließen, Messen, Veranstaltungen und Konzerte wurden abgesagt. Die Aufträge und Umsätze vieler Soloselbstständiger sind weggebrochen.

    Die Bundesregierung hat am 23. März ein umfangreiches Rettungspaket beschlossen. Das Kabinett brachte gleich mehrere große Schutzschirme und umfangreiche Rechtsänderungen auf den Weg. Insgesamt umfasst das Paket laut Finanzminister Olaf Scholz 750 Milliarden Euro. Familien, Mieter, Beschäftigte, Selbstständige und Unternehmen sollen unterstützt werden. Das Bundeskabinett hat zudem Eckpunkte für Soforthilfen für Kleinstunternehmen und Solo-Selbständige im Volumen von 50 Milliarden Euro beschlossen. Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten soll schnell und unbürokratisch geholfen werden.
    Am 25. März haben im Bundestag alle Fraktion das Maßnahmenpaket der Bundesregierung für Gesundheitsschutz und finanzielle Hilfen unterstützt. Erstmals seit vielen Jahren wurde die Schuldenbremse außer Kraft gesetzt und ein Nachtragshaushalt in Höhe von 156 Milliarden Euro verabschiedet. Insgesamt wurden mehr als eine Billion Euro mobilisiert. Zwei Tage nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat Corona-Rettungspaket in seiner Sondersitzung am 27. März 2020 gebilligt.

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    Wichtige Links

    (Stand: 04.04.2020)

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