7. Oktober 2023: Angriff der Hamas auf Israel
Ausgangslage, Ablauf und Folgen des Überfalls

Mit dem Hamas-geführten Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 und den folgenden Entwicklungen ist der Nahostkonflikt in eine neue Phase eingetreten. Der zwei Jahre andauernde israelische Krieg im Gazastreifen war einer der tödlichsten weltweit. Bis zum Winter 2024 führten auch Israel und die Hisbollah-Miliz einen vor allem für die Menschen im Libanon verheerenden Krieg, der auch das Leben israelischer Zivilist:innen massiv betraf. Zudem griff Israel in Syrien immer wieder militärisch ein.
Die jemenitische Huthi-Miliz beschoss wiederholt Israel oder vermeintliche israelische Ziele, mit Folgen für die Weltwirtschaft. Im Sommer 2025 schließlich erreichte der Krieg zwischen Israel und dem Iran seine bis dahin höchste Eskalationsstufe, als Israel – zum Teil mit US-Unterstützung – zwölf Tage lang Ziele in Teheran und anderen Landesteilen angriff und der Iran wiederum Israel beschoss.
Die vielschichtigen Wurzeln und Ursachen insbesondere des israelisch-palästinensischen Konflikts reichen viele Jahrzehnte zurück. In diesem Kontext der anhaltenden Besatzung, der Gewalt und der Stagnation fand der brutale Überfall vom 7. Oktober 2023 statt. Das Dossier Der Nahostkonflikt erklärt die Konfliktdimensionen und zeichnet die zahlreichen bisher verfolgten Lösungsansätze nach. Zusätzlich finden Sie hier die Geschichte Israels beziehungsweise die Geschichte Palästinas beschrieben.
Das Dossier auf dieser Seite beschreibt wichtige Entwicklungen und Ereignisse in der Region vor dem 7. Oktober 2023 sowie den Angriff selbst und skizziert seine Folgen. Es endet im Wesentlichen mit dem Gaza-Friedensplan 2025. Der Angriff der USA und Israels auf den Iran im Februar 2026 und daraus folgende aktuelle Entwicklungen sind auf dieser Seite zusammengefasst.
Der 7. Oktober 2023 und seine Vorgeschichte
Wie war vor Oktober 2023 die Situation in der Region?
Von außen betrachtet schien die Situation im israelisch-palästinensischen Konflikt vor dem 7. Oktober 2023 zu stagnieren, auch wenn sowohl in Israel selbst als auch in den palästinensischen Gebieten Bewegung war. Der sogenannte Friedensprozess liegt seit Jahren auf Eis, weil weder auf israelischer noch auf palästinensischer Seite relevante Akteur:innen ihn ernsthaft verfolgen. Auch an der israelisch-libanesischen Grenze sowie zwischen Israel und dem Iran war die Situation verhältnismäßig ruhig. An anderer Stelle gab es sogar bemerkenswerte Entwicklungen, etwa mit den Abraham-Abkommen von 2020 sowie der israelisch-saudischen Annäherung.
Wie kam es zum Angriff unter Führung der Hamas?
Den Überfall vom 7. Oktober 2023 hatte die Hamas-Führung mindestens zwei Jahre im Voraus geplant. Obwohl die Vorbereitungen streng geheim abliefen und es wahrscheinlich ist, dass selbst engste Verbündete der Hamas außerhalb des Gazastreifens nichts davon wussten, gab es einzelne Warnzeichen. Diese wurden jedoch von den israelischen Sicherheitsorganen meist falsch interpretiert.
Welche Dimension hatte der Angriff vom 7. Oktober 2023?
Bei der „Al-Aqsa-Flut“ genannten Operation drangen Kämpfer aus dem Gazastreifen nach Israel ein. Sie töteten fast 1.200 Menschen. Darunter waren sowohl Armeeangehörige als auch Zivilist:innen, sowohl Israelis als auch Menschen aus dem Ausland. Sie nahmen auch rund 250 Geiseln, darunter auch Getötete. Es war der größte Massenmord an Jüdinnen und Juden seit dem Holocaust und – was die Zahl der Opfer betrifft – der schwerste Angriff auf israelisches Staatsgebiet in der Geschichte des Landes.
Welche Folgen hatte der Angriff in Israel und in den palästinensischen Gebieten?
Der Angriff hatte die längsten und tödlichsten Kriege in der israelischen Geschichte zur Folge. Israel griff den Gazastreifen an mit den erklärten Zielen, sowohl die Hamas zu zerschlagen als auch die Geiseln zu befreien. Dieser Krieg dauerte – mit wenigen kurzen Unterbrechungen – über zwei Jahre. Am Ende kamen zwar alle Geiseln frei, davon 168 lebend. Fast alle Geiseln wurden allerdings in Folge von Verhandlungen freigelassen. Die Hamas existiert weiterhin, wenn auch stark geschwächt. Nach palästinensischen und israelischen Schätzungen haben die israelischen Angriffe mehr als 70.000 Palästinenser:innen getötet, andere Schätzungen gehen sogar von deutlich mehr Toten aus. Die humanitäre Lage im Gazastreifen war rasch katastrophal. International werfen namhafte Akteur:innen Israel einen Genozid an der Bevölkerung Gazas vor. Im Westjordanland nahm die Gewalt israelischer Siedler und Sicherheitskräfte gegen die palästinensische Bevölkerung massiv zu.
Welche Folgen hatte der Angriff für Israels Konflikte mit anderen Akteur:innen in der Region?
Die libanesische Hisbollah-Miliz wurde nach monatelangen Gefechten mit Israel nachhaltig geschwächt. Auch die Konflikte zwischen Israel und der jemenitischen Huthi-Miliz sowie dem Iran traten in eine neue Phase. Hinzu kam der Machtwechsel in Syrien im Dezember 2024, begünstigt durch die israelischen Konflikte mit Iran und Hisbollah, in dessen Folge Israel vermehrt Ziele in Syrien angriff und seine Besatzung syrischen Staatsgebiets ausdehnte. Die saudisch-israelische Annäherung wurde bis auf weiteres ausgesetzt.
Weitere Hintergründe
auf den Seiten der LpB Baden-Württemberg
Der
Nahostkonflikt
Konfliktdimensionen und zentrale Punkte im israelisch-palästinensischen Konflikt.
Die Geschichte Israels
Von den Anfängen der zionistischen Bewegung über die Staatsgründung bis heute.
Die Geschichte Palästinas
Zentrale politische Ereignisse und Wendepunkte in der palästinensischen Geschichte.
Aktuelle Entwicklungen
Aktuelle Ereignisse zusammengefasst – rund um Israel, Palästina, Iran, Libanon….
Die Situation in Israel, den Palästinensergebieten und anderen Ländern der Region vor dem 7. Oktober 2023

Von außen betrachtet schien die Situation im israelisch-palästinensischen Konflikt vor dem 7. Oktober 2023 zu stagnieren. Allerdings gab es vor Ort bemerkenswerte Dynamiken. Vieles davon hing mit der Ende 2022 ins Amt gekommenen israelischen Regierung zusammen, in der rechte und rechtsextreme Parteien beteiligt sind. So demonstrierten über Monate hunderttausende Israelis gegen eine geplante Justizreform.
Im Gazastreifen war die humanitäre Lage schon vor dem Krieg dauerhaft schlecht. Im Westjordanland nahm die Zahl der Übergriffe von Siedler:innen gegen die palästinensische Bevölkerung zu.
Auch das Verhältnis zu anderen Akteuren in der Region schien aus israelischer Sicht ruhig. An der Grenze zum Libanon kam es kaum zu Zwischenfällen, und auch zwischen Israel und dem Iran schienen sich die meisten Konfrontationen vor allem auf rhetorischer Ebene abzuspielen.
An anderer Stelle gab es sogar wichtige Entwicklungen: Mit den Abraham-Abkommen von 2020 einigten sich die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und Sudan mit Israel auf gegenseitige Anerkennung und den Ausbau der Beziehungen. Auch der Weg zu einer Vereinbarung zwischen Israel und Saudi-Arabien schien im Herbst 2023 nicht mehr weit zu sein.
Ganz kurz: Wer ist wer und was ist was?
Fatah: Palästinensische politische Bewegung und Partei, dominiert die Palästinensische Autonomiebehörde.
Hamas: Palästinensische islamistische Organisation mit politischem und bewaffnetem Flügel, bekämpft Israel militärisch. Seit 2007 im Gazastreifen an der Macht.
Hisbollah: Libanesische islamistische Partei und Miliz, eng mit dem iranischen Regime verbunden.
Huthi: Politisch-militärische Bewegung im Jemen, steht dem iranischen Regime nahe.
Iran: Islamische Republik, unterstützt Hamas, Hisbollah und Huthi, zentraler Gegner Israels in der Region.
Israelische Regierung: Seit 2022 unter Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud). Koalition umfasst auch nationalreligiöse und rechtsextreme Parteien.
Palästinensergebiete: Gazastreifen, Ostjerusalem, Westjordanland. Direkt oder indirekt unter israelischer Besatzung.
Palästinensische Autonomiebehörde: 1994 als Übergangsverwaltung der Palästinensergebiete geschaffen. Verwaltet heute Teile des Westjordanlands.
Die Lage im Gazastreifen vor dem 7. Oktober 2023
Die Lage im Gazastreifen vor dem 7. Oktober 2023
Gaza: Kleiner, aber zentraler Schauplatz des Konflikts
Schon lange ist der Gazastreifen ein zentraler Punkt des israelisch-palästinensischen Konflikts. Dieses Stück Land bildet gemeinsam mit dem Westjordanland und Ostjerusalem die palästinensischen Gebiete. Mit einer Gesamtfläche von 363 Quadratkilometern würde der Gazastreifen mehr als drei Mal in den Landkreis Reutlingen passen, allerdings ist die Bevölkerungsdichte extrem hoch. Vor Beginn des Kriegs lebten in dem Gebiet mehr als zwei Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser.
Im Gegensatz zum Westjordanland waren vor Oktober 2023 keine israelischen Soldat:innen mehr dauerhaft im Gazastreifen präsent. 2005 zog Israel seine Truppen zurück und räumte die Siedlungen. Der Internationale Gerichtshof entschied in einem Gutachten 2024 dennoch, dass Israel auch vor dem 7. Oktober 2023 weiterhin an besatzungsrechtliche Verpflichtungen gebunden war, durch seine umfassende Kontrolle. Israel und Ägypten kontrollierten zu dem Zeitpunkt ihre jeweiligen Landgrenzen mit dem Gazastreifen, Israel zudem dessen Seegrenze.
Regelmäßige Kriege seit Machtübernahme der Hamas
Bei den bislang letzten palästinensischen Parlamentswahlen 2006 erzielte die radikal-islamische Hamas, die Israel gewaltsam bekämpft, die absolute Mehrheit der Mandate (nicht die absolute Mehrheit der Stimmen). Nach bewaffneten Kämpfen mit der Fatah übernahm die Hamas 2007 mit Gewalt die Kontrolle im Gazastreifen. Übrigens: Als die Hamas Ende 2023 Israel überfiel, war mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Gazastreifens 19 Jahre alt oder jünger. Die meisten Menschen hatten also keine eigene Erinnerung an die Parlamentswahl 2006, geschweige denn ein Stimmrecht bei dieser Wahl.
In der Folge der Hamas-Machtübernahme riegelten Israel und Ägypten ihre Grenzen mit dem Gazastreifen zunehmend ab und beschränkten den Waren- und Personenverkehr massiv. Die Hamas ihrerseits errichtete im Gazastreifen eine autoritäre Regierung. In den Jahren 2008/2009, 2012, 2014, 2021 und 2022 kam es zu mehrtägigen bis mehrwöchigen Kriegen zwischen Israel und bewaffneten palästinensischen Gruppierungen, in der Regel der Hamas, im Gazastreifen. Für die israelische Strategie dahinter etablierte sich der Ausdruck „mowing the grass“ (Rasenmähen). Ziel der Israelis war es demnach, die Hamas immer wieder militärisch „zurecht zu stutzen“, sodass von dieser keine dauerhafte Gefahr ausging.
Hamas baut militärische Kapazitäten aus
Dennoch entwickelte die Hamas sich militärisch weiter. So baute sie ein groß angelegtes, komplexes Tunnelnetz unter dem Gazastreifen. Dessen Länge wird auf bis zu 700 Kilometer geschätzt (bei 45 Kilometern Länge des Gazastreifens), manche Tunnel sollen bis zu 70 Meter tief sein. Die Tunnel dienen der Hamas als Versteck, Schutz vor Luftangriffen, Kommandozentrale, Waffenlager und zur Fortbewegung bei Kämpfen. Zudem stellte die Hamas eine Elitetruppe zusammen, die sich auf grenzüberschreitende Kämpfe spezialisierte.
Auch im Mai 2023 griff Israel die Terrorgruppe Islamischer Dschihad im Gazastreifen an, die zuvor Raketen nach Israel gefeuert hatte. Wie aus einem Bericht der New York Times hervorgeht, hielt sich die Hamas ab dem Jahr 2021 bewusst militärisch zurück, um Israel fälschlicherweise in Sicherheit zu wiegen – und so Israel am 7. Oktober 2023 überraschen zu können (siehe: Vorbereitungen).
Armut nimmt zu, Lebensbedingungen verschlechtern sich
Die Abschottung und die damit einhergehende wirtschaftliche und persönliche Perspektivlosigkeit, die Kriege und auch die autoritäre Hamas-Regierung trugen dazu bei, dass die Bevölkerung im Gazastreifen über die Jahre weitestgehend verarmte. Nach Angaben der Weltbank lebten vor dem 7. Oktober 2023 rund 63,7 Prozent der Menschen im Gazastreifen unterhalb der Armutsgrenze. Sechs Jahre zuvor lag diese Zahl noch bei 29,2 Prozent. Die Infrastruktur wie die Versorgung mit Energie, sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung war schlecht. Nach Angaben von Amnesty International waren zum damaligen Zeitpunkt 73 Prozent der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen. Auch diese Entwicklung begünstigte eine Radikalisierung der Bevölkerung.
Gleichzeitig gab es jedoch auch Entwicklungen, die auf eine Lockerung der Situation hindeuteten. So stellte Israel beispielsweise Ende des Jahres 2021 – nach 15 Jahren Pause – wieder Arbeitserlaubnisse in Israel für Palästinenser:innen aus dem Gazastreifen aus. Die Zahl dieser Arbeitspapiere stieg nach Angaben der israelischen Nichtregierungsorganisation Gisha auf rund 18.500 unmittelbar vor dem 7. Oktober 2023.
Die Lage in Israel vor dem 7. Oktober 2023
Die Lage in Israel vor dem 7. Oktober 2023

Israel: Außen stabil, innen turbulent
Während Israel außen- und sicherheitspolitisch vor dem Oktober 2023 weitgehend stabil schien, war die innenpolitische Lage turbulent. Nach den Parlamentswahlen 2022 bildete Benjamin Netanjahu von der Likud-Partei eine Koalition mit unter anderem rechtsextremen Parteien und wurde so erneut Premierminister.
Die neue Regierung wollte eine weit reichende Reform des Justizsystems durchsetzen und so unter anderem die Kompetenzen des Obersten Gerichts beschneiden. Ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis demonstrierte über Monate mit einer der größten Protestwellen der israelischen Geschichte gegen die Pläne.
Besiedlung in palästinensischen Gebieten
Was das Verhältnis gegenüber den palästinensischen Gebieten angeht, so heißt es im ersten Absatz des unverbindlichen Leitfadens der neuen israelischen Regierung: „Das jüdische Volk hat ein exklusives und unveräußerliches Recht auf alle Teile des Landes Israel. Die Regierung wird die Besiedlung aller Teile des Landes Israel – in Galiläa, dem Negev, dem Golan sowie Judäa und Samaria fördern und entwickeln“ (Übersetzung: LpB). Judäa und Samaria sind dabei die israelische Bezeichnung für das Westjordanland.
In diesem Zusammenhang sorgte auch eine Rede Netanjahus vor der UN-Vollversammlung Ende September 2023, nur wenige Tage vor dem Hamas-Überfall, weltweit für Empörung. Netanjahu zeigte in dieser Rede eine Landkarte Westasiens und Nordafrikas, in der die palästinensischen Gebiete nicht eingezeichnet waren – stattdessen hieß das ganze Gebiet einschließlich Westjordanland, Gazastreifen und Ostjerusalem nur „Israel“ (hier im Video ab Minute 10:40).
Die Lage in Westjordanland und Ostjerusalem vor dem 7. Oktober 2023
Die Lage in Westjordanland und Ostjerusalem vor dem 7. Oktober 2023
Mehr Siedlungen, mehr Übergriffe gegen Bevölkerung
Anders als der Gazastreifen sind das Westjordanland und Ostjerusalem seit 1967 andauernd und unmittelbar vom israelischen Militär besetzt. Die – nach dem Völkerrecht illegalen – israelischen Siedlungen wuchsen zuletzt und erreichten in den Jahren 2022 und 2023 neue Rekord-Zuwachszahlen.
Auch die Zahl der gewaltsamen Übergriffe israelischer Siedler:innen auf Palästinenser:innen im Westjordanland erreichte in diesem Zeitraum neue Höchstwerte. Die UN erfasste in diesem Zeitraum die größte Zahl von Palästinenser:innen, die im Westjordanland im Zusammenhang mit dem Konflikt und der Besatzung getötet wurden – 2022 waren es 154, bis zum 7. Oktober 2023 sogar 198. Gleichzeitig starben allein zwischen Januar und August 2023 insgesamt 26 Israelis, eine Ukrainerin und ein Italiener bei palästinensischen Anschlägen in dem Gebiet.
Beispielhaft für diese Entwicklung waren etwa die massiven Ausschreitungen von mehreren hundert israelischen Siedlern in dem Ort Huwara im Februar 2023. Dabei wurde ein Palästinenser getötet und mehr als hundert verletzt. Vorausgegangen war ein palästinensischer Terroranschlag in Nablus mit zwei israelischen Todesopfern, was wiederum einen israelischen Militäreinsatz zur Folge hatte, bei dem elf Palästinenser getötet wurden und mehr als hundert verletzt. Für zusätzliche Spannung sorgten 2023 auch die wiederholten Besuche des rechtsextremen israelischen Sicherheitsministers Itamar Ben-Gvir auf dem Tempelberg in Jerusalem.
Palästinensische Autonomiebehörde verliert an Rückhalt
Neben der israelischen Besatzung und den damit verbundenen massiven Einschränkungen im Alltag der Menschen – etwa der Bewegungsfreiheit und der wirtschaftlichen Entwicklung – erschwerte auch die unbeliebte und als korrupt geltende Palästinensische Autonomiebehörde unter Führung von Mahmud Abbas das Leben der Menschen zusätzlich. Seit 2006 hatte es in den palästinensischen Gebieten keine Wahlen mehr gegeben, was Abbas' Autorität zunehmend untergrub. International isolierte Abbas sich im September 2023 zusätzlich mit einer antisemitischen und Holocaust-verharmlosenden Rede, von der sich auch zahlreiche palästinensische Politiker, Aktivisten und Intellektuelle distanzierten.
Die Lage an der libanesisch-israelischen Grenze
Die Lage an der libanesisch-israelischen Grenze

Sorge vor Hisbollahs militärischer Stärke
Seit dem sogenannten „Juli-Krieg“ 2006 war die Lage an der israelisch-libanesischen Grenze bis zum 7. Oktober 2023 weitgehend ruhig. Kleinere Gefechte insbesondere zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Hisbollah-Miliz waren die Ausnahme. Sowohl im April als auch im Juli 2023 feuerten Unbekannte aus dem Libanon Raketen in Richtung Israel. Verletzte gab es nicht, die Hisbollah wies in beiden Fällen die Verantwortung von sich.
Nach dem Krieg 2006 stärkten die Vereinten Nationen das Mandat der im Süd-Libanon stationierten UNIFIL-Truppe (United Nations Interim Forces in Lebanon – Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon), um ein erneutes militärisches Erstarken der Hisbollah zu verhindern. Allerdings gingen Fachleute im Oktober 2023 davon aus, dass die vom Iran unterstützte Miliz inzwischen trotz der UN-Präsenz militärisch sehr viel stärker sei als noch im Jahr 2006 – unter anderem, weil sie 2013 an der Seite des Assad-Regimes in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen und dabei Kampferfahrung gesammelt hatte. Nach eigenen Angaben war die Kampftruppe der Hisbollah rund 100.000 Mann stark und verfügte über Luftabwehrraketen oder ausgefeilte Angriffsdrohnen. In Israel galt die Hisbollah als die sehr viel größere Bedrohung im Vergleich zur Hamas.
Signale für Entspannung zwischen Israel und Libanon
Eine Hoffnung auf weitere Entspannung stiftende Entwicklung war, dass Israel und der Libanon sich im Jahr 2022 auf eine gemeinsame Seegrenze einigten. Dies war notwendig geworden, damit beide Länder die Gasvorräte im Mittelmeer ausbeuten konnten. Die Landgrenze zwischen Israel und dem Libanon haben die beiden Länder bis heute nicht final festgelegt – die „Blaue Linie“, die de facto die Grenze bildet, ist völkerrechtlich gesehen ein Provisorium. Insofern war der Schritt mit der Seegrenze bemerkenswert.
Politische Stagnation und wirtschaftlicher Kollaps im Libanon
Hinzu kommt, dass der Libanon seit einigen Jahren innenpolitisch in einer Reihe von tiefen Krisen steckte. Auf die zum Teil gewaltsam unterdrückten Proteste gegen das politische Establishment im Oktober 2019 folgten eine Hyperinflation, die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die verheerende Explosion im Hafen von Beirut im August 2020 sowie eine dramatische Knappheit an Nahrungsmittel- und Energievorräten.
Da sich die politische Elite des Landes im Anschluss an die Parlamentswahl 2022 gegenseitig blockierte, waren seither sowohl die Regierung des Libanon und das Präsidentenamt vakant. Eine Interimsregierung unter dem früheren Premierminister Najib Mikati führte im Oktober 2023 die Geschäfte.
Die Lage zwischen Israel und Iran vor dem 7. Oktober 2023
Jahrzehntelange Feindschaft
Schon Jahrzehnte vor dem 7. Oktober 2023 hatte das iranische Regime den Staat Israel zum Feind erklärt. Die Machthaber der Islamischen Republik fielen wiederholt mit antisemitischer und antiisraelischer Vernichtungsrhetorik auf. Allerdings gab es kaum eine direkte militärische Konfrontation zwischen beiden Staaten. Stattdessen unterstützte der Iran verschiedene Milizen, die gegen Israel kämpfen sollten, unter anderem mit Geld, Waffen und militärischem Know-How. Darunter waren die Hamas oder der Palästinensische Islamische Dschihad in den palästinensischen Gebieten, vor allem im Gazastreifen, die Hisbollah im Libanon, die Huthi-Miliz im Jemen oder Milizen in Irak und Syrien. Dieses Bündnis staatlicher und nichtstaatlicher Akteure unter iranischer Führung nannte sich „Achse des Widerstands“ und unterhielt in Beirut sogar einen eigenen Operationsraum.
Israel wiederum soll immer wieder gezielt das iranische Atomprogramm bekämpft haben, das es als existenzielle Bedrohung auffasst. So soll Israels Geheimdienst im Jahr 2020 Mohsen Fachrisadeh, Leiter des iranischen Atomprogramms, getötet haben – ein Vorwurf, den Israel weder bestätigt noch dementiert.
Massive Proteste gegen das iranische Regime
Allerdings geriet das Regime in Teheran im Jahr vor dem Hamas-Terroranschlag von innen massiv unter Druck. Nachdem Sicherheitskräfte die 22-jährige Jina Mahsa Amini im September 2022 auf einer Polizeiwache so sehr misshandelten, dass sie infolgedessen verstarb, protestierten landesweit Menschen, vor allem Frauen, gegen das männlich dominierte und theokratische Herrschaftssystem und forderten Menschenrechte und Demokratie. Ihr zentraler Slogan lautete „Jin, Jiyan, Azadi“ (kurdisch für Frau, Leben, Freiheit). Hintergrund waren auch eine galoppierende Inflation und wirtschaftliche Probleme im Land.
Das Regime ließ die Proteste gewaltsam niederschlagen und Teilnehmende verhaften und teilweise hinrichten. Offiziell machte das Regime – wenig glaubwürdig – Israel und die westliche Welt für die Unruhen verantwortlich (siehe auch die Konfliktanalyse bei der Servicestelle Friedensbildung).
Die saudisch-israelische Annäherung vor dem 7. Oktober 2023
Die saudisch-israelische Annäherung vor dem 7. Oktober 2023
Saudi-Arabien vor Beitritt zu Abraham-Abkommen
Bereits im Jahr 2020 hatte Israel sich mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Marokko und Sudan auf eine gegenseitige Anerkennung und den Ausbau der Beziehungen geeinigt (sogenannte „Abraham-Abkommen“). In den Monaten vor dem 7. Oktober 2023 deutete vieles darauf hin, dass auch Saudi-Arabien bald ein Friedensabkommen mit Israel treffen könnte.
Neben den wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Aspekten – vor allem einer besser koordinierten Zusammenarbeit gegen den Iran – hätte ein solcher Schritt für Israel auch symbolischen Wert: Saudi-Arabien war treibende Kraft hinter der arabischen Friedensinitiative im Jahr 2002. Diese Initiative formulierte drei Bedingungen für Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga, um diplomatische Beziehungen mit Israel aufzunehmen: das Ende der Besatzung, einen unabhängigen Staat Palästina mit Jerusalem als Hauptstadt und eine einvernehmliche Regelung der Flüchtlingsfrage.
Die derzeitige israelische Regierung war schon vor dem Anschlag der Hamas nicht gewillt, auch nur eine der drei Bedingungen in Betracht zu ziehen. Wenn Saudi-Arabien diese Bedingungen dann selbst nicht einhielte (obwohl Saudi-Arabien zumindest eine spürbare Verbesserung für die Palästinenser:innen als Bedingung für ein solches Abkommen nannte), wäre dies das endgültige Aus der Initiative. Nicht nur die Hamas, auch die PLO unter Führung der Fatah waren entschieden gegen die saudisch-israelische Annäherung.
Der Hamas-geführte Angriff auf Israel

Die Dimension des Terrorangriffs der Hamas und anderer militanter palästinensischer Gruppen auf Israel am 7. Oktober 2023 war gewaltig. Die Terroristen töteten rund 1.200 Menschen in Israel, die meisten davon Israelis. 251 Menschen wurden als Geiseln nach Gaza verschleppt, darunter auch Getötete. An keinem Tag seit dem Holocaust wurden so viele Jüdinnen und Juden getötet, auch in keinem der vorangegangenen israelischen Kriege. Noch nie wurden so viele israelische Geiseln genommen. Viele israelische Familien waren direkt oder indirekt betroffen, die Gesellschaft war erschüttert.
Die Hamas nannte den Angriff „Operation Al-Aqsa-Flut“ (Amaliyat Tufan al-Aqsa – al-Aqsa ist der Name der Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem). Ihm war eine mehr als einjährige Vorbereitung vorangegangen. Auch nach dem 7. Oktober feuerte die Hamas wochenlang weiter Raketen auf Israel.
Hisbollah greift ebenfalls in den Konflikt ein
Noch während die Angreifer in Israel waren, riegelte Israel den Gazastreifen ab und begann, das Gebiet zu bombardieren. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu rief den Kriegszustand aus. Am 8. Oktober begann die libanesische Hisbollah-Miliz, Raketen nach Israel zu schießen, worauf Israel seinerseits mit Beschuss des Libanon reagierte.
International war das Entsetzen über den Terrorangriff groß, zahlreiche Regierungen weltweit und viele Menschen in vielen Städten drückten ihre Solidarität mit den Opfern der Attacke aus.
Vorbereitung und mögliche Warnzeichen
Beim Angriff vom 7. Oktober 2023 war zwar schnell offensichtlich, dass dies kein spontaner Überfall war – unklar war jedoch zunächst, wie die Planungen der Hamas konkret ausgesehen hatten. Im Oktober 2024 zitierte die New York Times erstmals aus Dokumenten, die israelische Soldaten bei ihrem Feldzug im Gazastreifen gefunden hatten, wonach die konkreten Vorbereitungen bereits im Jahr 2022 begonnen hätten. Schon seit dem Jahr 2021 habe die Hamas sich demnach militärisch zurückgehalten, um den Israelis den Eindruck zu vermitteln, die Hamas wolle Ruhe im Gazastreifen. Tatsächlich habe Hamas-Anführer Yahya Sinwar die Qassam-Brigaden gezielt auf den Kampf vorbereitet und ihre Aufrüstung vorangetrieben.
Israel konzentrierte sich auf Westjordanland
Die vermeintliche Zurückhaltung der Hamas war einer der Gründe, warum Israels Armeeführung sich zunehmend auf das Westjordanland konzentrierte, wo die Soldat:innen die – nach internationalem Recht illegalen – israelischen Siedlungen schützen sollten.
Ein Grund, warum die Hamas und andere Gruppen dennoch erst im Herbst des Jahres 2023 angriffen, soll demnach gewesen sein, dass die Hamas-Führung auch Iran und Hisbollah für den Angriff gewinnen wollte. An beide Akteure hatte die Hamas sich erfolgreich wieder angenähert, nach der Entfremdung im Rahmen des syrischen Aufstands und Bürgerkriegs ab 2011. Sowohl Iran als auch Hisbollah zeigten jedoch nur grundsätzliche Unterstützung für ein Vorhaben wie die al-Aqsa-Flut, weigerten sich jedoch, mit eigenen Kämpfern oder Attacken direkt einzugreifen. Bis heute ist nicht endgültig geklärt, wie detailliert Iran und Hisbollah überhaupt in die Pläne eingeweiht waren.
In den Monaten vor dem 7. Oktober 2023 gab es wiederholt Anzeichen, dass die Hamas sich auf einen Grenzdurchbruch, Häuserkampf und Geiselnahmen vorbereite. Zuletzt gab es in der Nacht des Überfalls konkrete Warnungen. Die militärisch Verantwortlichen in Israel gingen jedoch von einer Übung der Hamas aus. Im September 2026 berichtete die israelische Tageszeitung Haaretz zudem, Mohammed bin Zayed, Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, habe Ende September 2023 den israelischen Premier Netanjahu vor einem solchen Ereignis gewarnt. Der israelische Premier habe die Warnung aber ignoriert. Netanjahu dementierte den Bericht.
Ablauf des Überfalls
Die Hamas und andere bewaffnete Gruppen begannen ihren Angriff am Morgen des 7. Oktober mit massivem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Mithilfe von Drohnen setzten die Angreifer Kameras und Warnsysteme an der Grenzanlage zwischen Israel und dem Gazastreifen außer Gefecht, bevor bewaffnete Kämpfer unter dem Schutz des Raketenfeuers an mehreren Stellen den Grenzzaun überwanden und die Wachsoldat:innen töteten. Einzelne Kämpfer drangen auch mit Booten über das Mittelmeer sowie mit Paraglidern nach Israel ein.
In mehr als 20 Städten, Ortschaften und Kibbuzim töteten die Angreifer fast 1.200 Menschen auf zum Teil sehr brutale Weise, die meisten davon Zivilist:innen. Zudem verschleppten sie rund 250 Menschen in den Gazastreifen, darunter auch Menschen, die bereits tot waren. Die meisten der Opfer waren jüdische Israelis, aber es waren auch Angehörige rund 30 weiterer Nationen darunter. Allein beim Nova-Musikfestival östlich des Gazastreifens, wo die Feiernden von der Attacke weitgehend überrascht wurden, starben rund 360 Menschen. Viele der Angreifer streamten die Terrorakte live ins Internet. Sie kontrollierten Straßenkreuzungen, Militärbasen und Ortschaften, schossen wahllos auf Menschen, brachten Geiseln in den Gazastreifen und organisierten Nachschub. Die Zustände waren chaotisch.
Massive Gewalt
Das Ausmaß der verübten Gewalt galt zwischenzeitlich als umstritten. Ein prominentes Beispiel war der Bericht eines israelischen TV-Senders, die Terroristen hätten dutzende Babys und Kinder enthauptet. Selbst US-Präsident Joe Biden und das Büro des israelischen Premiers sprachen von enthaupteten Kindern. Der Bericht stellte sich im Kern als unwahr heraus. Journalistische Recherchen zeigten, dass die palästinensischen Angreifer tatsächlich 38 Kinder töteten, darunter zwei Babys; enthauptet wurde jedoch keins davon.
Laut einer Untersuchung der Vereinten Nationen aus dem März 2024 gibt es hinreichend Anhaltspunkte dafür, dass die Angreifer schwerste sexualisierte Gewalt verübten, darunter Vergewaltigungen und Gruppenvergewaltigungen.
Auch der massive Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen tötete mehrere Menschen. Weil die Hamas die Warnsysteme zerstört hatte, wurden die Israelis lediglich durch die landesweiten Sirenen alarmiert und nicht wie sonst üblich zusätzlich durch Push-Nachrichten auf ihrem Handy.
An vielen Orten dauerte es Stunden, bis israelische Soldatinnen und Soldaten an den Orten des Geschehens waren – wo sie in einzelnen Fällen aufgrund unklarer Einsatzbefehle und Koordination noch mehr Schaden anrichteten. Erst nach drei Tagen hatte die israelische Armee das gesamte Staatsgebiet wieder unter Kontrolle.

Die Geiseln in den Händen der Hamas
251 Menschen wurden von der Hamas und anderen palästinensischen Gruppierungen am 7. Oktober 2023 in den Gazastreifen entführt. Darunter waren sowohl israelische Soldatinnen und Soldaten als auch viele Zivilist:innen, die meisten davon mit israelischer Staatsbürgerschaft. Einige waren bereits tot, als sie in den Gazastreifen verschleppt wurden, weitere starben in den Händen der Hamas und der mit ihr verbündeten Gruppen. Auch (Klein-)Kinder sowie Senior:innen waren unter den Geiseln.
Für die Angehörigen, große Teile der israelischen Öffentlichkeit und einige internationale Akteur:innen begann ein mehr als zwei Jahre andauernder Kampf um die Rückkehr der Geiseln. Zwar gab die israelische Regierung unter Premier Netanjahu die Rückkehr der Geiseln als eins der Ziele für den Krieg im Gazastreifen aus. Doch die Angehörigen der Geiseln, die sich vor allem im „Hostages and Missing Families Forum“ organisierten, wandten sich zunehmend gegen den bewaffneten Kampf. Sie setzten sich stattdessen für Verhandlungen ein, um die Geiseln frei zu bekommen. Auch Teile der israelischen Zivilgesellschaft demonstrierten wiederholt für ein Abkommen und gegen eine Fortsetzung der Kämpfe, aus Angst um die Geiseln.
Je länger der Krieg dauerte, umso größer wurde die Sorge, dass auch die Geiseln den Bombardements oder den katastrophalen humanitären Bedingungen zum Opfer fallen könnten. Freigelassene bzw. befreite Geiseln berichteten zum Teil von Misshandlungen durch ihre Geiselnehmer bis hin zu sexuellen Übergriffen.
Die allermeisten Geiseln kamen durch Verhandlungen frei
Ende Oktober 2025 waren 238 Geiseln nach Israel zurückgekehrt, davon 168 lebend. Fast alle zurückgekehrten Geiseln kamen aufgrund von Verhandlungen frei. Die israelischen Truppen befreiten acht Geiseln lebend. Drei Geiseln wurden irrtümlich von israelischen Soldaten erschossen. Erst im Januar 2026 wurden die sterblichen Überreste der letzten Geisel im Gazastreifen gefunden und nach Israel überführt.

Folgen des Angriffs in der Region
Die Reaktionen auf den Angriff des 7. Oktober 2023 waren gewaltig und werden sowohl die israelische als auch die palästinensische Gesellschaft und viele weitere Länder in der Region noch auf Jahrzehnte prägen. Die folgenden Texte geben einen Überblick über wichtige Entwicklungen.
Israel

Zäsur für die israelische Gesellschaft
Der Angriff vom 7. Oktober 2023 bedeutete für die israelische Gesellschaft eine Zäsur. Er stellte das grundsätzliche Versprechen des Staates – eine sichere Heimat für Jüdinnen und Juden zu sein – in Frage. Die verübten Grausamkeiten weckten Assoziationen mit dem Schicksal der Jüdinnen und Juden im Zweiten Weltkrieg. Insofern wurde die Attacke nicht nur als Angriff auf die nationale Sicherheit, sondern auch als antisemitisch motiviertes Massaker begriffen. Da auch palästinensische Zivilist:innen an dem Überfall beteiligt waren, entstand in Israel zudem die Wahrnehmung, sich im existenziellen Kampf nicht gegen eine Terrorgruppe, sondern gegen eine gesamte Bevölkerung zu befinden.
Gaza

Zehntausende Tote, humanitäre Lage katastrophal
Am nachhaltigsten änderte sich nach dem 7. Oktober 2023 das Leben der Menschen im Gazastreifen selbst. Denn Israel entfachte als Reaktion einen beispiellosen Krieg. Noch am Tag des Angriffs riegelte Israels Militär den Gazastreifen ab – dies betraf in den ersten Tagen auch den kompletten Stopp von Trinkwasser, Strom und Lebensmittel – und bombardierte das Gebiet. Die israelische Militärführung mobilisierte 300.000 Reservist:innen.
Nach vereinzelten Vorstößen am Boden begann am 27. Oktober die massive israelische Bodenoffensive, die erste im Gazastreifen seit dem Krieg 2008/09. Diese hielt – mit Unterbrechungen – rund zwei Jahre lang an. Zehntausende Menschen starben, die humanitäre Situation vor Ort war katastrophal, die Infrastruktur weitgehend zerstört. Auch nach dem offiziellen Ende der Kämpfe im Oktober 2025 besetzen Israels Soldaten weiterhin rund 60 Prozent des – ohnehin schon sehr kleinen – Gazastreifens.
Westjordanland und Ostjerusalem
Mehr Gewalt gegen palästinensische Bevölkerung
Die Gewalt gegen die palästinensische Bevölkerung im Westjordanland verschärfte sich infolge des Angriffs weiter, ebenso wie der Ausbau der israelischen Besatzung. Die israelische Regierung genehmigte neue Siedlungen, deklarierte Flächen zu Staatsland und investierte in die Siedlungsinfrastruktur. Gleichzeitig nahmen auch die Angriffe auf Israelis – Zivilpersonen und Soldat:innen – deutlich zu.
Libanon
Hisbollah greift in den Konflikt ein – mit verheerenden Folgen
Am 8. Oktober 2023, noch während an einzelnen Stellen palästinensische Terroristen in Israel waren, schoss die libanesische Hisbollah-Miliz Raketen nach Israel. Israel reagierte mit Beschuss des Libanon. Zehntausende Israelis und Libanes:innen verließen ihre Wohnungen in der Nähe der Grenze und lebten über viele Monate in anderen Landesteilen.
Der wechselseitige Beschuss fand zunächst über viele Monate mit geringer Intensität statt.
Iran
Über Monate keine direkte Konfrontation
Das iranische Regime begrüßte zwar den Terror-Überfall der Hamas vom 7. Oktober 2023, wies aber jegliche Mitverantwortung an dem Anschlag von sich. Über viele Monate kam es zu keiner direkten Konfrontation Israels mit dem Iran, lediglich mit den vom Iran unterstützten Milizen im Libanon, in Syrien, Irak, Jemen und eben der Hamas. Dies änderte sich erstmals im April 2024, als Israel ein iranisches Botschaftsgebäude in Damaskus angriff. Als Reaktion griff der Iran mit rund 200 Raketen und Drohnen Israel an, die jedoch fast alle abgefangen werden konnten.
Jemen
Beschuss auf Israel und auf Schiffe im Roten Meer
Die Huthi-Miliz im Jemen feuerte am 19. Oktober erstmals Drohnen und Raketen auf Israel. Es folgten über Monate wechselseitige Angriffe. Im November griffen die Huthi vermehrt Schiffe an, die ihrer Einschätzung nach Verbindungen zu Israel aufwiesen oder zu Ländern, die Israel unterstützten. Schauplätze waren vor allem die Gewässer rund um den Jemen: der Golf von Aden, die Meerenge Bab al-Mandab und das Rote Meer.
Syrien und Irak
Syrischer Machtwechsel durch geschwächte Hisbollah begünstigt
In beiden Ländern wurden infolge der Attacke vom 7. Oktober 2023 Milizen aktiv, die sich zur sogenannten „Achse des Widerstands“ zählten. Sie beschossen US-Basen und feuerten vereinzelt Raketen nach Israel.
Vorwürfe des Völkermords und der Kriegsverbrechen
Genozid-Klagen und internationale Haftbefehle
Südafrika reicht Klage ein
Schon wenige Tage nachdem Israel im Oktober 2023 mit seinen Angriffen auf den Gazastreifen begann, stand der Vorwurf im Raum, Israels Armee begehe dabei einen Völkermord. Der Vorwurf an sich ist nicht neu – verschiedene Akteur:innen hatten ihn schon bei früheren Anlässen geäußert.
Dieses Mal allerdings warnten auch Fachleute bald vor einem drohenden Genozid oder sahen die Merkmale dafür bereits erfüllt. Beispielsweise veröffentlichten 800 Wissenschaftler:innen bereits am 15. Oktober 2023 einen Brief, in dem sie schrieben, sie seien „gezwungen, Alarm zu schlagen angesichts der Möglichkeit, dass israelische Kräfte an Palästinensern im Gazastreifen das Verbrechen eines Völkermords begehen“.
Ende Dezember 2023 schließlich reichte die Regierung Südafrikas eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag ein. Darin machte sie Israel den Vorwurf, gegen die Völkermordkonvention zu verstoßen. Die israelische Offensive richte sich nicht alleine gegen die Hamas, so der Antrag, sondern ziele darauf ab, einen wesentlichen Teil der Gruppe der Palästinenser als solche zu zerstören. Außerdem beantragte Südafrika Maßnahmen per einstweiligem Rechtsschutz, damit Israel seine Angriffe einstelle. Israel wies die Vorwürfe zurück.
Im Januar 2024 gab der Gerichtshof im Eilverfahren dem südafrikanischen Antrag größtenteils statt. Er verpflichtete Israel, Maßnahmen zu treffen, um die Zivilbevölkerung in Gaza besser zu schützen. Wichtig ist: Bei Eilverfahren ist die Schwelle für das Gericht niedriger. Es entscheidet nicht, ob Israel tatsächlich einen Völkermord begeht. Es stellt nur fest, dass es plausibel ist, dass das Recht der palästinensischen Bevölkerung Gazas auf Schutz gefährdet ist. Die Entscheidung im Hauptsacheverfahren steht noch aus, mit ihr wird 2027 gerechnet. Ob die IGH-Entscheidung die israelische Kriegsführung beeinflusst hat, war nicht erkennbar.
Auch gegen Deutschland läuft eine Klage
Die Bundesregierung hatte schon im Januar 2024 erklärt, sie wolle im Hauptsacheverfahren an der Seite Israels intervenieren. Gleichzeitig steht aber auch Deutschland selbst vor Gericht: Nicaragua hat eine Klage gegen die Bundesrepublik eingereicht, der Vorwurf lautet Beihilfe zum Genozid. Den Eilantrag lehnte der IGH im April 2024 ab. Wann die Entscheidung im Hauptverfahren fällt, ist nicht bekannt.
Der Streit über die Frage, ob Israel in Gaza einen Völkermord begeht bzw. begangen hat, wird aber nicht nur vor Gericht geführt. Zahlreiche Organisationen und Expert:innen werfen Israel vor, in Gaza einen Genozid oder genozidale Handlungen zu verüben. Dazu zählen Amnesty International (Dezember 2024), Human Rights Watch (Dezember 2024), die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem (Juli 2025), die International Association of Genocide Scholars (Internationaler Verband der Genozid-Forscher, August 2025) oder eine Kommission des UN-Menschenrechtsrats (September 2025). Andere widersprachen, hauptsächlich weil ihrer Ansicht nach die Vernichtungsabsicht nicht nachweisbar sei.
Gleichzeitig machen Wissenschaftler:innen auch wiederholt der Hamas den Vorwurf, dass das Massaker vom 7. Oktober 2023 ein Akt des Völkermords gewesen sei. Bislang wird dieser Vorwurf nicht vor internationalen Gerichten verhandelt. In Israel dagegen werden die Täter des 7. Oktober unter anderem nach dem Gesetz zur Verhütung von Völkermord angeklagt. Das israelische Parlament erklärt dazu, die Angreifer hätten das jüdische Volk und den Staat Israel als Nationalstaat des jüdischen Volks zerstören wollen.
IGH und IStGH
Das ist der Unterschied
Internationaler Gerichtshof (IGH): entscheidet Streitigkeiten zwischen Staaten. Organ der UN.
Internationaler Strafgerichtshof (IStGH): verfolgt einzelne Personen wegen bestimmter internationaler Verbrechen. Nicht Teil der UN.
Beide Gerichte sitzen in Den Haag (Niederlande).
Haftbefehle wegen des Verdachts der Kriegsverbrechen
Daneben steht auch der Vorwurf, dass sowohl die Hamas als auch Israel Kriegsverbrechen begingen. Dies sieht nicht nur die UN so, sondern auch internationale Organisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch.
Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag erließ im November 2024 drei Haftbefehle: gegen Mohammed Deif, den militärischen Anführer der Hamas, gegen Israels Premier Benjamin Netanjahu und gegen den früheren israelischen Verteidigungsminister Joav Galant. Im Zentrum steht der Vorwurf der Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sowohl im Rahmen des Hamas-Massakers am 7. Oktober als auch bei Israels Krieg in Gaza. Deif war zu dem Zeitpunkt mutmaßlich schon tot, allerdings nicht offiziell bestätigt. Die Haftbefehle gegen Netanjahu und Galant bestehen dagegen weiterhin.
Ursprünglich war geplant, auch Hamas-Anführer Yahya Sinwar und Hamas-Auslandschef Ismail Haniyyeh anzuklagen. Allerdings hatte Israel zu dem Zeitpunkt beide bereits getötet.

Folgen des Angriffs weltweit
Mit dem Hamas-geführten Angriff am 7. Oktober 2023 kehrte der Nahostkonflikt auch wieder auf die internationale Agenda zurück, von der er in den Jahren zuvor nahezu verschwunden war. Seine Folgen reichen weit über Israel, die palästinensischen Gebiete und die Nachbarländer hinaus. Einige Schauplätze.
Deutschland
Jüdinnen und Juden berichten von mehr Antisemitismus
Das Massaker vom 7. Oktober 2023 und seine Folgen sind auch drei Jahre später in Deutschland noch zu spüren, sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf politischer Ebene.
EU
Israelisch-europäisches Verhältnis nachhaltig belastet
Direkt nach dem Angriff am 7. Oktober drückten sowohl die EU-Staaten als auch die EU-Kommission ihre Solidarität mit Israel aus und verurteilten die Attacke. Allerdings positionierten sich schon bald danach einzelne EU-Mitgliedsstaaten sehr kritisch gegenüber dem israelischen Vorgehen in Gaza. Der fortgesetzte Krieg belastete das israelisch-europäische Verhältnis nachhaltig.
USA

Außenpolitische Unterstützung für Israel
Der Überfall der Hamas auf Israel und der folgende Krieg Israels gegen den Gazastreifen hatte auch in den USA weit reichende Folgen. Das Land, das als stärkster und engster Verbündeter Israels gilt, erhöhte seine Militärhilfen für Israel – hinzu kamen umfangreiche Waffenverkäufe.
Außerdem engagierten sich die USA selbst militärisch. Unmittelbar nach dem 7. Oktober 2023 verlegten sie mehrere Militärschiffe einschließlich zwei Flugzeugträger ins östliche Mittelmeer. Zudem beteiligten sie sich an Militäreinsätzen gegen die Huthis im Jemen und bombardierten Ziele in Syrien.
Gleichzeitig arbeiteten die USA eng mit Katar und Ägypten zusammen, um auf diplomatischem Weg ein Ende der Kämpfe und eine Befreiung der Geiseln zu erreichen. Eine einwöchige Waffenruhe im November 2023, verbunden mit einem Geisel-Gefangenen-Austausch, war ein erster Erfolg.
Der „Gaza Peace Plan“ und das „Board of Peace“
Der entscheidende Schritt, um die weitere Eskalation der Kämpfe in Gaza vorerst zu beenden und die verbliebenen Geiseln zu befreien, war der sogenannte „Gaza-Friedensplan“ (Comprehensive Plan to End the Gaza Conflict), den US-Präsident Donald Trump Ende September 2025 vorstellte. Katar, Ägypten und die Türkei spielten bei den Verhandlungen eine wichtige Rolle. Zuvor hatte eine Reihe von Akteur:innen schon ähnliche Initiativen unternommen – auch Trump selbst –, die aber ohne bleibenden Erfolg blieben. So war der Gaza-Friedensplan in weiten Teilen identisch mit einem Plan, den Trumps Vorgänger Joe Biden schon 2024 ins Spiel gebracht hatte.
Auch wenn der Plan einige Ziele erreichte, ließ er dennoch wichtige Punkte offen. Entscheidende Fragen sind auch ein Jahr später noch umstritten. So stimmten sowohl Israel als auch die Hamas offiziell nie dem gesamten Plan zu, sondern nur dessen erster Phase, die einen Waffenstillstand, die Freilassung der Geiseln bzw. die Überführung derer sterblicher Überreste und einen teilweisen Rückzug der israelischen Armee vorsieht.
Ein Grund, warum Israels Regierung dem zustimmte, war der Druck von US-Präsident Trump. Hinzu kam die Stimmung in der israelischen Bevölkerung, die zu dem Zeitpunkt verstärkt gegen eine Fortsetzung des Kriegs war. Die Hamas stimmte zu, weil sie militärisch und zivil stark geschwächt war, ebenso wie ihre wichtigsten Verbündeten Hisbollah und Iran.
Der Gaza-Friedensplan
Der von Donald Trump vorgestellte Plan umfasst insgesamt 20 Punkte.
Zentrale Ziele des Gaza-Friedensplans:
- Ende der Kampfhandlungen und Rückzug der israelischen Armee. In einem späteren Schritt vollständiger Abzug der israelischen Armee.
- Freilassung aller israelischen Geiseln im Gazastreifen und Freilassung von fast 2.000 palästinensischen Häftlingen in israelischen Gefängnissen.
- Entwaffnung der Hamas, die keine Rolle in der künftigen Verwaltung spielt. Stattdessen Entsendung einer Internationalen Stabilisierungstruppe (ISF).
- Verwaltung Gazas durch ein palästinensisch-internationales technokratisches Komitee (National Committee for the Administration of Gaza, NCAG). Dieses Komitee wird wiederum von einem internationalen „Board of Peace“ (Friedensrat) unter dem Vorsitz von Donald Trump beaufsichtigt.
- Wiederaufbau Gazas zu einer deradikalisierten Zone, die keine Bedrohung für ihre Nachbarn darstellt und wirtschaftlich wohlhabend ist.
- Keine Vertreibung der Menschen in Gaza, keine israelische Besatzung und keine Annexion des Gazastreifens.
- Die Voraussetzungen schaffen für palästinensische Eigenstaatlichkeit und Selbstbestimmung. Friedliche Koexistenz zwischen Israelis und Palästinensern.
Weder die Hamas noch andere Palästinenser:innen waren bei der Entwicklung des Plans beteiligt, inwiefern Israels Regierung involviert war, ist unklar. Donald Trump selbst hatte zuvor die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung und den Aufbau einer „Gaza-Riviera“ am Mittelmeer ins Spiel gebracht; israelische Regierungsmitglieder hatten wiederholt von einer Annexion oder erneuten Besiedlung des Gazastreifens und einer Vertreibung der Palästinenser:innen gesprochen. Dieser Plan enthält nun eine Reihe von Zielen, die beiden Seiten wichtig sind. Im Gegensatz zu vorher kursierenden Entwürfen wird die Möglichkeit einer palästinensischen Staatlichkeit zumindest erwähnt.
International kritisiert wird an dem Plan vor allem die praktische Umsetzung bzw. die fehlende Umsetzbarkeit des Plans und die offenen Fragen, etwa: Wann übernehmen palästinensische Sicherheitskräfte die Kontrolle und wie arbeiten sie mit der internationalen Stabilisierungstruppe zusammen? Nach welchen Kriterien werden die Mitglieder des „Board of Peace“ ausgewählt und wie werden die Mitglieder des NCAG legitimiert? Was fällt alles unter die „offensive“ Infrastruktur, die zerstört werden soll?
Der UN-Sicherheitsrat unterstützte mit Resolution 2803 im November 2025 den Friedensplan. Er mandatierte damit bis Ende 2027 sowohl das „Board of Peace“ als auch die Stabilisierungsmission ISF für deren Arbeit im Gazastreifen.
Zweite Phase im Januar 2026 eingeleitet
Im Januar 2026 erklärten die USA, dass die Umsetzung des Plans in die zweite Phase gehe. Dabei gehe es um die Entwaffnung der Hamas, die Bildung der Technokratenregierung und den Beginn des Wiederaufbaus.
Tatsächlich wurden im Anschluss die Mitglieder des NCAG vorgestellt unter Vorsitz von Ali Shaath. Shaath ist im Gazastreifen aufgewachsen und war in der Vergangenheit in der Palästinensischen Autonomiebehörde beschäftigt. Doch auch mehr als ein halbes Jahr später gibt es noch keine Perspektive für das NCAG, überhaupt einmal in den Gazastreifen zu reisen bzw. dort zu arbeiten.
Ende Juli 2026 verkündete Donald Trump einen Durchbruch bei den Verhandlungen mit der Hamas über ihre Entwaffnung. Allerdings entstand daraufhin eine Pattsituation.
Die Hamas erklärte: Sie werde mit der Entwaffnung erst beginnen, wenn die Kämpfe tatsächlich beendet sind. Zwischen dem Waffenstillstandsabkommen im Oktober 2025 und Juli 2026 töteten israelische Angriffe immer noch mehr als 1.200 Palästinenser:innen. Unklar bleibt, wer die Entwaffnung der Hamas vor Ort durchsetzen würde – und wie. Weitere Forderungen der Hamas: Das NCAG müsse in Gaza sitzen und die Internationale Stabilisierungsmission (ISF) müsse vor Ort sein. Die Waffen müssten in Gaza gelagert werden und von Palästinenser:innen kontrolliert.
Israel erklärte gleichzeitig, ihre seine werde sich erst weiter zurückziehen, sobald die Hamas und andere Gruppen vollständig entwaffnet sind.
Board of Peace – Der „Friedensrat“
Im Windschatten des Gaza-Friedensplans führte Donald Trump auch ein neues internationales Gremium ein: den „Friedensrat“, auf Englisch „Board of Peace“ (BoP). Laut dem Friedensplan hat dieses Gremium vor allem eine Aufgabe: die technokratische Übergangsverwaltung NCAG zu kontrollieren und die Rahmenbedingungen für die Entwicklung Gazas festzulegen, bis die Palästinensische Autonomiebehörde dazu in der Lage ist. Dieses Gremium wird international stark kritisiert.

Auch wenn der „Gaza-Friedensplan“ zumindest im Gazastreifen die größten Kämpfe zunächst beendet hat, leben die Menschen dort auch ein Jahr später noch in einer entsetzlichen Gegenwart und stehen vor einer ungewissen Zukunft. Israel greift weiterhin regelmäßig Ziele im Gazastreifen an. In Israel bleibt der 7. Oktober 2023 für einen großen Teil der Bevölkerung ein einschneidendes Erlebnis. Er bestimmt auch den Wahlkampf vor den Knessetwahlen im Oktober 2026.
Der terroristische Überfall der Hamas und anderer Gruppierungen prägt damit auch drei Jahre nach dem 7. Oktober 2023 das Leben nicht nur der Menschen in Gaza, sondern auch in Israel, in den übrigen palästinensischen Gebieten, im Libanon und in weiteren Ländern. Die sogenannte „Al-Aqsa-Flut“ hat viele vermeintliche Gewissheiten untergraben, aber auch viele zuvor schon vorhandene Tendenzen verstärkt.
Eine glaubwürdige Perspektive für die Menschen nicht nur in Gaza, sondern in ganz Westasien, ist weiterhin nicht in Sicht.
Quellen und Infos
Literatur
Muriel Asseburg: Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza – Hintergrund, Eskalation, Folgen.
Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung. Hier bestellen.
Aus Politik und Zeitgeschichte: Naher Osten (APuZ #12/2024)
Hier bestellen und downloaden
Wolfgang Kraushaar: Israel: Hamas – Gaza – Palästina; Über einen scheinbar unlösbaren Konflikt.
Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung. Hier bestellen.
Web
Mapping the Massacre – Interaktive Karte zum Massaker am 7. Oktober 2023 und zu den Opfern
oct7map.com
Human Rights Watch: “I Can’t Erase All the Blood from My Mind.” Ausführlicher Bericht zum Überfall am 7. Oktober 2023
hrw.org
Haggai Matar: Wie der 7. Oktober uns alle verändert hat – und was das für unsere politischen Anliegen bedeutet. (Dezember 2023)
boell.de
Fluter: Was geschah am 7. Oktober 2023?
fluter.de
Christoph Driessen: Wie der Gaza-Krieg Deutschland entzweit hat (Oktober 2025)
migazin.de
Marina Chernivsky, Friederike Lorenz-Sinai: Der 7. Oktober als Zäsur für jüdische Communities in Deutschland
APuZ (bpb.de)
Eitan Shamir: Der israelisch-palästinensische Konflikt – Festgefahrene Lage in Gaza und im Westjordanland (August 2026)
bpb.de
Karim El-Gawhary: Zwei Jahre nach dem 7. Oktober – Plädoyer für einen umfassenden Blick (Oktober 2025)
qantara.de
Podcasts
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ): #25 Nahostkonflikt (März 2024)
Hier anhören
SWP-Podcast: Neuanfang in Nahost? Warum mit dem Gaza-Friedensplan noch kein Ende des Konflikts in Sicht ist (Oktober 2025)
Hier anhören
Weitere Hintergründe
auf den Seiten der LpB Baden-Württemberg
Der
Nahostkonflikt
Konfliktdimensionen und zentrale Punkte im israelisch-palästinensischen Konflikt.
Die Geschichte Israels
Von den Anfängen der zionistischen Bewegung über die Staatsgründung bis heute.
Die Geschichte Palästinas
Zentrale politische Ereignisse und Wendepunkte in der palästinensischen Geschichte.
Aktuelle Entwicklungen
Aktuelle Ereignisse zusammengefasst – rund um Israel, Palästina, Iran, Libanon….
Bildlizenzen
Autor: Internetredaktion der LpB BW, Stand: September 2026











