Dossier

Präsidentschaftswahl in Frankreich 2027

Kandidierende, Wahlverfahren, Entwicklungen

Wer folgt auf Emmanuel Macron? Am 18. April 2027 entscheiden die Menschen in Frankreich, wer neuer Präsident oder neue Präsidentin wird. Falls niemand im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der Stimmen erhält, fällt die Entscheidung im zweiten Wahlgang am 2. Mai 2027. Macron selbst darf nach zwei Amtszeiten in Folge nicht erneut gewählt werden.

2017 war Macron angetreten mit dem Versprechen, die innenpolitische Spaltung Frankreichs zu überwinden, die gesellschaftliche Mitte zu stärken und für Europa zu begeistern. Doch schon bei seiner Wiederwahl 2022 zeigte sich, dass sowohl die extreme Rechte als auch die radikale Linke stärker abschnitten als noch fünf Jahre zuvor. 

Blockaden auf vielen Ebenen prägten Macrons zweite Amtszeit. Zwischen Mai 2022 und September 2026 waren sechs verschiedene Regierungen im Amt. Nach der Europawahl 2024 löste Macron die Nationalversammlung auf. Bei der folgenden Parlamentswahl 2024 bildeten die parteipolitisch zersplitterten linken Kräfte unter dem Namen Nouveau Front Populaire ein gemeinsames Bündnis. Durch strategische Kandidatur-Rückzüge des linken und des Macron-Lagers in vielen Wahlkreisen verhinderten die Parteien eine absolute Mehrheit für die rechtsextreme Partei Rassemblement National. Nach der Wahl zerbrach das Linksbündnis. Gleichzeitig hat seither keine Partei und kein politisches Lager mehr eine Regierungsmehrheit in der Nationalversammlung.

Ein drängendes Thema vor der Präsidentschaftswahl ist unter anderem die hohe Staatsverschuldung, die dieses Jahr auf bis zu 119,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen könnte (Europäische Referenzgrenze: 60 Prozent des BIP, Deutschland: 64,2 Prozent). Viele politische Akteur:innen sehen in einer Reform des Sozialstaats eine Möglichkeit, die Staatsausgaben zu senken. Zwar setzte die Regierung im Jahr 2023 die Rentenreform um. Mit der Reform sollte das Renteneintrittsalter schrittweise auf 64 Jahre steigen, zuvor waren es 62 Jahre und neun Monate. Das Parlament setzte im Jahr 2025 den weiteren Anstieg teilweise aus. Gleichzeitig bleiben die gesellschaftlichen Spannungen hoch. Sie spiegeln sich in dem fragmentierten Parlament wieder, mit dem sich auch Macrons Nachfolger oder Nachfolgerin auseinandersetzen muss.

Auf dieser Seite stellen wir die aussichtsreichsten Kandidierenden vor und informieren über wichtige Ereignisse und Hintergründe mit Blick auf die Wahl in Deutschlands und Baden-Württembergs größtem Nachbarland.

Wer kandidiert bei der Wahl 2027 in Frankreich?

Ein „Wimmelbild“ von bis zu 50 Personen

Ein gutes halbes Jahr vor der Wahl im April 2027 ist das Feld der Kandidatinnen und Kandidaten noch völlig offen. Im August 2026 zählte der Tagesspiegel um die 30 Personen, die bislang ihre Kandidatur erklärt haben oder zumindest laut darüber nachdenken, zu kandidieren. Die Welt sprach im September von einem „Wimmelbild“ angesichts von 16 Kandidierenden und 34 möglichen weiteren. Manche davon wollen sich erst bis Dezember entscheiden, wenn es nur noch vier Monate zur Wahl sind.

Die folgende Übersicht ist nicht vollständig. Sie wird ergänzt und aktualisiert, sobald die tatsächlichen Kandidierenden feststehen. Einen guten Anhaltspunkt, wer alles schon seine oder ihre Kandidatur erklärt hat, bietet die französischsprachige Wikipedia-Seite zur Präsidentschaftswahl 2027. Die genannten Umfragewerte sind vom September 2026.

Treten zum vierten Mal an: Le Pen und Mélenchon

Mit 32 bis 36 Prozent weit vorne in den Umfragen liegt aktuell Marine Le Pen. Die Kandidatin der Partei Rassemblement National (RN) tritt zum vierten Mal an. Dass sie das überhaupt darf, ist erst seit Anfang Juli klar. Die 58-Jährige wurde wegen der Veruntreuung von EU-Geldern verurteilt. Seit einem Berufungsurteil Anfang Juli kann sie trotz ihrer Verurteilung erneut für das Präsidentenamt kandidieren. Auch gegen dieses Urteil geht Le Pen allerdings juristisch vor. Seit Jahren bemüht sie sich darum, das Image der von ihrem Vater unter dem Namen Front National gegründeten und für rechtsextreme und antisemitische Positionen bekannten Partei zu moderieren. Politikwissenschaftlich und medial wird das RN unter anderem als nationalidentitär, rechtspopulistisch oder rechtsextrem eingeordnet. Schwerpunkte ihres Wahlkampfs sind die Migration und die französische Staatsverschuldung. 2017 und 2022 kam Le Pen in die Stichwahl, in der sie beide Male Emmanuel Macron unterlag. 

Ebenfalls Hoffnungen auf die Stichwahl macht sich Jean-Luc Mélenchon. Der 75-Jährige tritt für die von ihm gegründete linkspopulistische Partei La France Insoumise (LFI) an, ebenfalls zum vierten Mal. Bei den Wahlen 2022 verpasste er als Drittplatzierter die Stichwahl. Auch wenn er und seine Partei bei der Parlamentswahl 2024 noch Teil des Linksbündnisses Nouveau Front Populaire waren, ist vor allem die Person Mélenchon innerhalb der französischen Linken sehr umstritten. Ein Grund sind als antisemitisch aufgefasste Äußerungen. Um die Schuldenkrise zu bekämpfen schlägt Mélenchon vor, einen Teil der französischen Staatsschulden zu streichen, der von der Banque de France gehalten wird. Aus der Nato will er austreten. In Umfragen kommt er auf 15 bis 19 Prozent.

Die konservative Mitte ist auf der Suche

Ebenfalls als aussichtsreich gilt einige Monate vor der Wahl Édouard Philippe (55). Der ehemalige Premierminister (2017-2020) und Vorsitzende der Partei Horizons präsentiert sich als Kandidat der gemäßigten Rechten und nennt als Prioritäten Bildung, Anpassung an den Klimawandel, Einwanderung und ein stärkeres Europa. Zudem plädiert er für eine längere Lebensarbeitszeit. In Umfragen liegt er meist auf Platz zwei oder drei.

Für Philippes ehemalige Partei Les Républicains (unter anderem die Partei der früheren Präsidenten Jacques Chirac und Nicolas Sarkozy) kandidiert nun mit Bruno Retailleau der aktuelle Vorsitzende. Retailleau war von 2024 bis 2025 Innenminister Frankreichs. In diesem Amt verfolgte der bei der Wahl 66-Jährige unter anderem einen harten Kurs gegen Einwanderung. 

Eine ähnliche Wählerschaft wie Philippe und Retailleau spricht auch der ehemalige Premierminister (Januar-September 2024) Gabriel Attal an. Der bei der Wahl 38-Jährige ist Generalsekretär der Macron-Partei Renaissance, soll aber seit der Parlamentswahl 2024 ein kompliziertes Verhältnis zu Macron haben.

Wer kandidiert für die linken Parteien?

Die sozialdemokratischen Parteien Parti Socialiste (PS), Place Publique (PP) und La Gauche républicaine et socialiste(GRS) führen eine gemeinsame Vorwahl durch, um sich auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin zu einigen. Insgesamt treten fünf Personen an. Als aussichtsreich gelten beispielsweise der Europaabgeordnete Raphaël Glucksmann (PP) oder die frühere Umweltministerin und Präsidentschaftskandidatin von 2007, Ségolène Royal (PS). Außerdem kandidieren Olivier Faure (PS), Jérôme Guedj(PS) und Emmanuel Maurel (GRS). Eine Entscheidung soll am 17. Oktober fallen. Auch der Name von Macrons Vorgänger, des früheren französischen Präsidenten François Hollande(PS), fällt immer wieder. Offiziell hält sich der 72-Jährige aber bedeckt.

Auch bei der Vereinigten Linken, in der unter anderem die französischen Grünen Les Écologistes sowie die Parteien L'Après und Debout! vertreten sind, ist die Situation noch nicht klar. Einstweilen kandidiert für die Grünen Marine Tondelier. Im Dezember entscheidet die Partei, ob sie an einer eigenen Kandidatur festhält. Die 40-Jährige wurde bekannt, als es ihr bei der Parlamentswahl 2024 gelang, mit dem Nouveau Front Populaire ein parteiübergreifendes Linksbündnis zu schmieden, das überraschend stärkste Kraft wurde. In den Umfragen ist sie jedoch weit abgeschlagen, ebenso wie der Debout!-Vorsitzende François Ruffin.

Wann lichtet sich das Feld?

Mit den Vorwahlen im Feld der politischen Linken dürfte der Präsidentschaftswahlkampf endgültig Fahrt aufnehmen. Bis Weihnachten sollte es Klarheit über die Kandidierenden geben, damit noch genügend Zeit bleibt, um die Menschen zu überzeugen. 

Einen ersten Hinweis, wer als aussichtsreich gilt, hat eine Veranstaltung des französischen Unternehmerverbands im August 2026 gegeben. Bei der Diskussionsrunde im berühmten Pariser Tennisstadion „Philippe Chatrier“ nahmen sieben Bewerberinnen und Bewerber teil: Marine Le Pen, Jean-Luc Mélenchon, Gabriel Attal, Édouard Philippe, Raphaël Glucksmann, Marine Tondelier und Bruno Retailleau. 

Doch das Feld bleibt dynamisch. Ende September hat beispielsweise auch Éric Zemmour, Vorsitzender der rechtsextremen Partei Reconquête!, seine Kandidatur angekündigt. 

Wie wird gewählt?

Die Regeln für die Präsidentschaftswahl im Überblick

Der französische Präsident bzw. die Präsidentin wird in allgemeiner und direkter Wahl gewählt. Die Amtszeit des Staatsoberhaupts beträgt fünf Jahre. Eine Wiederwahl ist beliebig oft möglich – allerdings dürfen höchstens zwei Amtszeiten direkt aufeinander folgen. Die Wahl findet frühestens 35 Tage vor dem Ende der Mandatszeit des aktuellen Präsidenten statt und spätestens 20 Tage vorher. Da Emmanuel Macrons Amtszeit am 13. Mai 2027 endet, wurde der erste Wahlgang der anstehenden Präsidentschaftswahl auf den 18. April 2027 gelegt (25 Tage vor Ende der Mandatszeit).

Wie läuft die Wahl ab?

In Frankreich findet die Präsidentschaftswahl nach dem absoluten Mehrheitswahlrecht in zwei Wahlgängen statt:

Im ersten Wahlgang ist gewählt, wer die absolute Mehrheit (also mehr als 50 Prozent) der abgegebenen Stimmen erhält. Erreicht niemand die absolute Mehrheit, was bisher immer der Fall war, so findet zwei Wochen später ein zweiter Wahlgang statt. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Stichwahl, da nur die beiden Kandidierenden antreten, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten haben. So wird sichergestellt, dass der Präsident bzw. die Präsidentin die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält. Im zweiten Wahlgang gilt als gewählt, wer die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreicht hat.

In Frankreich dürfen Wählende aus Angst vor Manipulationen nicht mehr per Briefwahl abstimmen. Wer wählen möchte, muss also entweder selbst zur Wahlurne kommen oder eine Vertretung bestimmen.

Wer darf gewählt werden?

Wählbar für das Amt des Staatspräsidenten sind alle französischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und die die bürgerlichen und politischen Rechte besitzen. Wer kandidieren will, muss außerdem die Unterschrift von 500 Mandatsträger:innen aus mindestens 30 verschiedenen Départements oder Überseegebietskörperschaften vorweisen.

Wer darf wählen?

Das aktive Wahlrecht, also die Berechtigung, wählen zu gehen, haben in Frankreich alle französischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und im Besitz ihrer bürgerlichen und politischen Rechte sind. Eine vorherige Eintragung in ein Wählerverzeichnis im Rathaus, online oder im Konsulat, ist erforderlich.

Wer kontrolliert die Wahl?

Der Verfassungsrat überwacht das Verfahren. Er überprüft, ob die Bewerberinnen und Bewerber die Voraussetzungen erfüllen, und veröffentlicht spätestens 15 Tage vor der Wahl eine Liste der Kandidierenden. Neben der Ordnungsmäßigkeit von Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sowie Volksentscheiden wacht der Verfassungsrat auch über die Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen. 

Das Wahlsystem in Frankreich

Wie wird der Präsident gewählt? Und was hat es mit der Nationalversammlung und dem Senat auf sich? Unsere Seite erklärt, wie Menschen in Frankreich zu ihren Volksvertreter:innen kommen.

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Warum ist das Präsidentenamt so wichtig?

Das semi-präsidentielle System Frankreichs

Das aktuelle politische System Frankreichs wird häufig als die Fünfte Französische Republik bezeichnet. Die zentrale Figur darin ist der Präsident bzw. die Präsidentin. Wer auch immer im Élysée-Palast sitzt, hat großen Handlungsspielraum. Zwar ist der Präsident in Frankreich nicht Teil der Regierung. Aber er ernennt die Regierung, beruft diese ab und sitzt dem Ministerrat vor.  

So kann der Präsident die Richtlinien der Politik bestimmen, obwohl er selbst kein Recht zur Gesetzesinitiative hat. Der Präsident kann auch die Nationalversammlung auflösen und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Außerdem dominiert der Staatspräsident in Frankreich die Außenpolitik. Dies ist in der Verfassung nicht vorgesehen, sondern beruht auf einer Tradition, die Charles de Gaulle, der erste Präsident der Fünften Republik, begründet hat. 

Häufig wird das politische System in Frankreich auch als semi-präsidentiell bezeichnet: Der Präsident hat deutlich mehr Macht als der Präsident in einem parlamentarischen System, in dem das Parlament die Regierung wählt und die Gesetze erlässt (wie z. B. Deutschland). Gleichzeitig gibt es anders als im Präsidialsystem (z. B. USA) zwei Spitzen der Exekutive: den Präsidenten und den Premierminister. Wie groß die Spielräume des französischen Präsidenten sind, hängt stark von den Mehrheitsverhältnissen im Parlament ab.

Laut der französischen Verfassung hat der Präsident folgende zentrale Aufgaben: 

  • Er wacht über die Einhaltung der Verfassung.
  • Er stellt das Funktionieren der staatlichen Gewalt sicher und garantiert den Fortbestand des Staates.
  • Er garantiert die nationale Unabhängigkeit, die territoriale Integrität und das Einhalten der Verträge.

Das Präsidentenamt in Frankreich

Was darf der Präsident – und was nicht? Und wer war alles schon im Amt? Diese Seite gibt einen Überblick

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Quellen und Infos

Autor: Internetredaktion der LpB BW, Stand: September 2026

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