Hate Speech

Hate Speech. Grafik: LpB BW / Rebecca Beiter.
Hate Speech. Grafik: LpB BW / Rebecca Beiter.

Im echten (analogen) Leben sind wir eher selten offenen Beleidigungen oder Hass ausgesetzt. Im Internet  hingegen lesen wir deutlich häufiger wütende, hasserfüllte Kommentare, Snaps, Tweets und Posts - gegen uns oder gegen andere. Für diesen Hass im Netz gibt es den Begriff "Hate Speech". 

Hate Speech ist ein Phänomen dem rund zwei Drittel (67 Prozent) der Onliner schon einmal begegnet sind, wie eine forsa-Umfrage im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) zeigt.

Was ist Hate Speech?

Hate Speech ist ein Begriff aus dem Englischen. Er bezeichnet Hassreden, die vor allem im Internet und in sozialen Netzwerken gepostet, geliked und gerechtfertigt werden.

Gegen wen richtet sich Hate Speech?

Hasspostings enthalten Äußerungen, die Einzelne oder Gruppen diskriminieren, zum Beispiel wegen ihrer Herkunft, Religion, ihrer sozialen Zugehörigkeit, wegen einer Behinderung oder wegen ihres Geschlechts. Ziel der sogenannten Hater ist es, Hass auszudrücken und zu verbreiten und Gruppen oder einzelne Personen abzuwerten. Die Täter versuchen, Gruppen oder Einzelne als weniger wert darzustellen.

Der Fachbegriff dafür ist "Diskriminierung".  Bei Diskriminierung werden einzelne Personen oder Personengruppen anders als der Rest der Bevölkerung behandelt und dadurch benachteiligt bzw. schlechtergestellt.

Hasskommentare normalisieren häufig Diskriminierung, bilden eine "Wir" und eine "Ihr"-Gruppe oder nutzen manchmal Verschwörungstheorien. Welche Elemente Hate Speech kennzeichnet, hat die Amadeu-Antonio-Stiftung hier aufgelistet.

Foto: LpB BW/Rebecca Beiter

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Welche Rolle spielt das Internet?

Social Media App Icons auf einem Smartphone. Foto: Photo by Viktor Hanacek, picjumbo.com.
Social Media App Icons auf einem Smartphone. Foto: Photo by Viktor Hanacek, picjumbo.com.

Das Internet ist die Plattform für Hate Speech. Hate Speech im Internet hat eine große Reichweite und kann schnell verbreitet werden. Die Eindämmung von Hasskommentaren ist dadurch schwieriger und diskriminierende, hasserfüllte Äußerungen sind dann für jeden zugänglich.

Das führt zu folgenden Problemen: 

  • Verzerrtes Bild von der Verbreitung von Hass
    Ziel ist es, mit Hass-Kampagnen in Kommentarspalten den Eindruck zu erwecken, die Hetze stelle ein verbreitetes Meinungsbild dar, das also die Debatte eine gesellschaftliche Stimmung abbilde. Die reale Meinung der Mehrheit kommt oft nicht zum Ausdruck, denn die Meinung einer kleinen Minderheit kann durch die einfache Verbreitung im Netz als Meinung der Mehrheit wahrgenommen werden.

  • Anonymität im Netz
    Wer Hassreden verbreitet, kann dank falscher Profile sehr einfach anonym bleiben und von mehreren Accounts gleichzeitig schreiben. Eine rechtliche Verfolgung der Täter wird dadurch erschwert.
    Eine Untersuchung des Londoner Institute for Strategic Dialogue auf Grundlage von Hunderten Diskussionen unter Facebook-Beiträgen von Bild, Focus Online, Kronen-Zeitung, Spiegel Online, tagesschau.de, Welt und den ZDF-Heute-Nachrichten zeigt: Die Hälfte der Likes bei Hasskommentaren auf Facebook gehen auf nur fünf Prozent der Accounts zurück. Der Analyse zufolge lassen sich 25 Prozent der Likes auf nur ein Prozent der Profile zurückführen.

  • Enthemmterer Hass
    Im realen Leben sieht jemand, der andere beleidigt und diskriminiert, die Reaktion des Opfers. Anders ist das im Netz: Der Täter wird nicht direkt mit der Reaktion des Opfers konfrontiert und muss keine direkte kritische Reaktion der Umwelt fürchten. Das Verhalten der Hassredner wird enthemmt und die psychische Hetze kann noch extremere Formen annehmen.

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Folgen von Hate Speech

Smartphone. Foto: Photo by Viktor Hanacek, picjumbo.com.
Smartphone. Foto: Photo by Viktor Hanacek, picjumbo.com.

Folgen für die Opfer

Hass im Netz, das sind doch nur Worte, oder? Nein. Worte sind ein Mittel, um Menschen auszugrenzen. Je hilfloser man sich dabei fühlt, je größer diese Bedrohung im Netz ist, desto schwieriger können wir es verarbeiten. Hass ist nicht folgenlos. Betroffene leiden häufig unter den Auswirkungen, die Hass haben kann. Dazu gehören unter anderem ein geringes Selbstbewusstsein, eine geminderte Leistungsfähigkeit, Ess- oder Schlafstörungen und im Extremfall Selbstmordgedanken.

Wie kann ich als Betroffener oder als Betroffene mit Hate Speech umgehen? Wer selbst Opfer von Hass im Netz ist oder diesem begegnet, kann den Kommentar oder Post melden oder eventuell selbst löschen. Wie man auf Hate Speech auch rechtlich reagieren kann, haben wir hier aufgelistet.

Grundsätzlich hilft ein Austausch mit anderen Betroffenen, auch sollte das soziale Umfeld miteinbezogen werden. Rede mit deinen Eltern, Freunden oder anderen Vertrauenspersonen darüber, was dir im Netz begegnet. 

Folgen für die Täter

Hasspostings bleiben allerdings auch für die Täter nicht folgenlos. Werden sie gemeldet, müssen Sie mit Löschen ihres Textes oder Profils, Strafanzeigen, Geldstrafen oder in extremen Fällen sogar Haftstrafen rechnen. Wichtig ist, Hate Speech auf den Plattformen zu melden oder bei einem Gesetzesverstoß der Polizei anzuzeigen.

Welche Schritte man dabei beachten sollte, haben wir hier aufgelistet. 

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Was kann ich gegen Hate Speech tun?

Von Counterspeech bis zur Anzeige

Handeln gegen Hate Speech. Grafik: LpB BW / Rebecca Beiter.
Handeln gegen Hate Speech. Grafik: LpB BW / Rebecca Beiter.
  1. Reagieren mit Counterspeech!
    Hass sollte nie unkommentiert stehen bleiben. Wenn man nicht weißt, wie man reagieren soll, helfen zum Beispiel die Tipps und Memes von no-hate-speech.de weiter. Auch Hashtags wie #ichbinhier oder #organisierteliebe rufen Leute auf den Plan, die gegen den Hass helfen wollen. Gegenrede wird auch Counterspeech genannt. Lehne diskriminierende Aussagen klar ab. Noch besser wirkt Counterspeech, wenn du klar benennst, warum die Aussage diskriminierend ist oder die Fakten falsch sind und dagegen argumentiertst. Zurückweisen, Enttarnen, Argumentieren.

  2. Melden! 
    Auf den größeren Plattformen kann jeder einen Post, einen Kommentar oder ein Profil "melden". Damit wird dem Seitenbetreiber gesagt, dass er den Inhalt dessen, was gemeldet wurde, überprüfen muss. Meist dauert das wenige Stunden oder maximal wenige Tage. Ein einzelner Kommentar oder Post wird eher gelöscht als ein ganzes Profil, das vorher noch nicht durch Hetze aufgefallen ist.

    Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz gilt seit Jahresbeginn. Unter Androhung hoher Geldbußen zwingt es Internetunternehmen wie Facebook, Twitter, Instagram oder Youtube dazu, gemeldete mutmaßlich rechtswidrige Inhalte innerhalb bestimmter Fristen zu löschen.
    Dabei geht es um Strafrecht: Volksverhetzung, terroristische Inhalte, aber auch um Beleidigungen. Über die Löschungen müssen die Unternehmen halbjährlich öffentlich Bericht erstatten.
    Für Deutschland gab Facebook zuletzt 15.000 Löschungen im Monat an.

  3. Dokumentieren!
    Dokumentiere Hass im Netz immer, indem du einen Screenshot machst, dir die URL des Beitrags und den Namen des Profils speicherst. Das erleichtert es zum Beispiel, bei einer Anzeige einen bereits gelöschten Kommentar zu bewerten.

  4. Anzeigen! 
    Nicht jede Hassrede ist eine Straftat. Verschiedene Äußerungen, die hier aufgelistet sind, sind strafrechtlich relevant.
    Eine Strafanzeige kann jeder mündlich oder schriftlich bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft einreichen. Es gibt auch die Möglichkeit, anonym Anzeige zu erstatten. Dann kann der Täter die Daten den Anzeigenden nicht einsehen. Aber dafür bekommt man auch nicht mitgeteilt, wie das Verfahren ausging. 
    Wichtig ist, niemanden ohne guten Grund oder sogar böswillig anzuzeigen, dann kann man sich selbst strafbar machen. Aber ebenso wichtig ist, dass Täter die rechtlichen Konsequenzen zu spüren bekommen. Wer sich unsicher ist, ob der Fall strafrechtlich relevant ist, kann damit auch bei der Polizei vorbei gehen und sich eine Einschätzung holen.
    Eine Möglichkeit, Hinweise an die Polizei in Baden-Württemberg abzugeben, ist die Internetwache: https://www.polizei-bw.de/internetwache_formular/ 

Und ein letzter Tipp: die Eltern nicht vergessen!

Falls der Täter selbst noch jung ist: Ein Brief oder eine Mail an die Eltern mit einem Screenshot, was ihr Kind im Netz von sich gibt, hilft manchmal Wunder.

Weitere Strategien gegen Hate Speech hat die bpb hier zusammengestellt.

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Infografik: Wie die Deutschen mit Hate Speech im Netz umgehen | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

 

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Gesetze gegen Hate Speech

Cyber Gesetze. Quelle: pixabay.com; pradiprout / 1 Bild; CC0 Creative Commons.
Cyber Gesetze. Quelle: pixabay.com; pradiprout / 1 Bild; CC0 Creative Commons.

Freie Meinungsäußerung und die Grenze
Im Artikel 5 unseres Grundgesetzes steht unter anderem, dass jeder das Recht hat, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten. Aber man darf nicht alles sagen!

Was darf man nicht sagen? Unser Recht auf eine freie Meinungsäußerung hat seine Grenzen, und zwar "in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze sowie den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz der Jugend und der persönlichen Ehre". Beleidigungen, Lügen über eine Person oder Diskriminierung einer Person oder einer ganzen Gruppe von Menschen sind nicht erlaubt und nicht von unserem Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt.


Wie bereits erwähnt ist nicht jede Hassrede strafrechtlich relevant. Es gibt unter anderem folgende Gesetze:

Außerdem kann ein Opfer jemanden direkt wegen Beleidigung, übler Nachrede oder Verleumdung anzeigen: 

Alle Gesetze sind auch in dieser Broschüre des Flüchtlingsrat Thüringen gegen Hate Speech auf Seite 6 aufgelistet: weiter. Noch detaillierter listet diese Seite des No Hate Speech Movement alle Gesetze auf.

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Angebote der LpB BW zum Thema

E-Learning-Kurs:

Mit Herz gegen hate speech!

Sensibilisierung für einen fairen Umgang miteinander
Was ist hate speech überhaupt und wie kann man damit umgehen? Es lohnt sich, mit Mia, Schülerin der achten Klasse, den Online-Kursraum „Mit Herz gegen hate speech!“ zu entdecken. Der Kursraum ist offen zugänglich und für die Nutzung ab Klasse 7 geeignet.

Zum Kursraum: "Mit Herz gegen hate speech!"
Weitere Infos: "Mit Herz gegen hate speech!"

Publikation "mach's klar!"

Hate Speech. Gegen Hass im Internet

01-2016 mach's klar!
Unterrichtshilfe, 4 Seiten
Was genau versteht man unter „Hate Speech“, welche Rolle spielt dabei das Internet und was kann man dagegen tun?
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Broschüren, Infos und Hilfe im Netz


bpb-Dossier: Hate Speech 

zum Dossier


Kostenlose PDF-Broschüren:


Webseiten:

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Letzte Aktualisierung: August 2018.

 

Publikation "mach's klar!"

 

Hate Speech. Gegen Hass im Internet

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