Flucht - eine weltweite Herausforderung

Szenen wie diese spielen sich weltweit ab: Das Bild eines weinenden Mädchens neben seiner Mutter ging um die Welt. Das World Press Photo des Jahres 2019 des Fotografen John Moore zeigt das honduranische Kleinkind Yanela Sanchez, als sie und ihre Mutter Sandra Sanchez 2018 in Texas, USA, von US-Grenzbeamten in Gewahrsam genommen werden. Es steht als Symbolbild für die weltweite Flucht von Millionen von Menschen vor Gewalt, Willkür der politischen Systeme, Krieg und Not. Und für die Hilflosikgkeit und Unmenschlichkeit, mit der manche Länder auf die Fluchtbewegungen reagieren.

Niemandem fällt es leicht, seine Heimat zu verlassen. Große Not ist dafür notwendig. Trotzdem waren Ende 2019 79,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Seit dem Zweiten Weltkrieg waren noch nie so viele Menschen gleichzeitig auf der Flucht.

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Kurz & knapp: Flucht weltweit in Zahlen

  • Noch nie hat es mehr Flüchtlinge gegeben als im vergangenen Jahr: Fast 80 Millionen Menschen mussten laut den Vereinten Nationen ihre Heimat verlassen.
  • 40 Prozent davon sind Kinder unter 18 Jahren.
  • Die meisten Flüchtenden kommen aus Syrien (6,6 Millionen), Venezuela (3,7 Millionen), Afghanistan (2,7 Millionen), dem Südsudan (2,2 Millionen) und Myanmar (1,1 Millionen).
  • 45,7 Millionen Menschen sind Binnenvertriebene, also Menschen, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind.
  • 26 Millionen Flüchtende sind vor Konflikten, Verfolgung oder schweren Menschenrechtsverletzungen aus ihrer Heimat geflohen.
  • Asyl suchen weltweit 4,2 Millionen Menschen unter den 79,5 Millionen Flüchtenden. 
  • Die meisten Flüchtenden (39 Prozent) haben 2019 die Türkei (3,6 Millionen), Kolumbien (1,8 Millionen), Pakistan (1,4 Millionen), Uganda (1,4 Millionen) und Deutschland (1,1 Millionen) aufgenommen. Nach wie vor leben die meisten Geflüchteten in den direkten Nachbarstaaten ihrer Heimatländer.
  • 2019 kamen neue Konflikte etwa in der Demokratischen Republik Kongo oder in der Sahel-Region hinzu anstatt dass Auseinandersetzungen gelöst wurden.

    (Quelle: UNHCR 2019)

„Aus diesen Zahlen spricht lauter als jemals zuvor die Notwendigkeit zur Solidarität und zu gemeinsamen Zielen bei der Prävention und Lösung von Krisen."

UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi, 2019

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Wohin fliehen vertriebene Menschen?

Wohin gingen die Menschen, die 2018 neu vertrieben wurden? Die meisten Flüchtenden flohen aus Syrien in die Türkei und aus Venezuela nach Peru, wie diese Grafik des UNHCR zeigt (ein Klick auf das Bild vergrößert es).

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Vertriebene weltweit: Aktuelle Krisenherde

Aus vielen Ländern der Welt fliehen Menschen. Beispielhaft sind hier einige Krisenherde herausgegriffen.

Syrien

Ronia Metwali, Mutter von fünf Kindern, lebt mit ihrer Familie im Flüchtlingslager Domiz im Nordirak. Ronias Ehemann starb, sie zieht allein die fünf Töchter auf. Domiz im Nordirak wurde im April 2012 gegründet und beherbergt Tausende syrischer Flüchtlinge.

Die Situation in Syrien:

Viele Syrerinnen und Syrer fliehen vor Kämpfen und Extremismus über die Grenze. 2011 wurden Proteste in Syrien gewaltsam beendet, es folgten neun Jahre Krieg und die größte Flüchtlingskrise weltweit. Über die Hälfte der Bevölkerung Syrien musste ihre Heimat verlassen. Ende 2019 waren weltweit 6,6 Millionen Flüchtlinge und Asylsuchende aus Syrien. Die meisten suchen Schutz in der benachbarten Türkei, aber auch im Sudan oder Deutschland. Mehr als 6,6 Millionen Menschen sind innerhalb ihres Landes auf der Flucht (Quelle: Uno Flüchtlingshilfe).

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Venezuela

Ein Vater hält ein junges Mädchen fest, um den Fluss Tachira River, der die Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien bildet, zu überqueren.

Die Situation in Venezuela:
Angesichts der grassierenden Hyperinflation, der Verknappung, der politischen Unruhen, der Gewalt und der Verfolgung haben mehr als 5,1 Millionen Menschen Venezuela seit 2014 verlassen (Stand: Mai 2020). Noch immer überqueren Tausende die Grenzen zu Brasilien, Kolumbien. Auch andere südamerikanische Länder melden einen Anstieg der Asylanträge von Venezolaner*innen. Weltweit gibt es kaum eine Region, wo so viele Menschen ihr Land verlassen haben (Quelle: Uno Flüchtlingshilfe).

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Afghanistan

Sadiq Khan ist ein alter Mann unbestimmten Alters, seiner Aussage nach ist er zwischen 70 und 80 Jahren alt. Er musste aus Afghanistan flüchten, nun kehrte er im hohen Alter aus Pakistan zurück und lebt jetzt in Dasht-e Tarakhi, Kabul, Afghanistan.

Die Situation in Afghanistan:

Afghanistan ist von 40 Jahren Vertreibung geprägt. Die Bevölkerung ist von Unsicherheit, Konflikten und extremen Wetterereignissen bedroht. Rund 5,2 Millionen afghanische Flüchtlinge sind seit 2002 wieder nach Hause zurückgekehrt. Vor Ort wird versucht, unter anderem von der UNCHR, eine Grundversorgung für die Rückkehrer zu sichern. Noch immer gibt es 2,7 Millionen Flüchtlinge (Stand Juli 2020, Quelle: Uno Flüchtlingshilfe).

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Myanmar und die Rohingya

Sie lebt im Exil: Das kleine Kind auf dem Bild steht in einem der größten Flüchtlingslager der Welt, Kutupalong in Südost-Bangladesch. Sie ist Rohingya.

Die Situation in Myanmar für die Rohingya:

Die Rohingya sind eine unterdrückte Minderheit in Myanmar, die seit Jahrzehnten diskriminiert werden. Über eine Million Rohingya-Flüchtlinge sind seit Anfang der 1990er Jahre vor der Gewalt geflohen. Der jüngste Exodus begann im August 2017. Ein brutaler Militäreinsatz zwang rund 771.000 Menschen aus Myanmar zur Flucht, mindestens 10.000 Menschen wurden getötet. Die Menschen suchten Sicherheit in Bangladesch in den Flüchtlingssiedlungen Kutupalong und Nayapara. Kutupalong wurde zum weltweit größten Flüchtlingslager (Quelle: Uno Flüchtlingshilfe).

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Video: Zahlen und Fakten - Flucht und Vertreibung

Bundeszentrale für politische Bildung (2018)

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Unterrichtsmaterial & Publikationen der LpB BW

Flüchtlinge, Asyldebatte und Fremdenfeindlichkeit -  die Themen der bei der Landeszentrale erschienenen Zeitschriften und Unterrichtsmaterialien könnten aktueller nicht sein. Die Zuwanderung und die damit verbundenen Diskussionen um Fremdenfeindlichkeit und Populismus sind nach wie vor in der Diskussion der öffentliche Meinung. Diese Diskussion muss sich selbstverständlich auch im Unterricht widerspiegeln. 

Kursbuch "miteinander leben"

Unterrichtsmaterial für Orientierungs- und Sprachkurse
(8. Auflage 2019)
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miteinander lernen

Demokratiebildung in Vorbereitungsklassen

„Zusammenleben – ein Hasen-Cartoon“

Zielgruppe: Grundschule Klasse 3 und 4, SEK I Klasse 5

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Auf der Flucht: Ist das unser Problem?

Einfach verständliches Unterrichtsmaterial für Grundschulen und Sekundarstufe 1, 2015.

Vier Seiten informieren über die Fluchtzahlen weltweit, Gründe der Flucht und regen zur eigenen Urteilsbildung an. Begriffe wie politische Verfolgung, Asyl, Duldung oder Genfer Flüchtlingsabkommen erklärt ein Glossar.

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Leben in Deutschland

Basiswissen für Orientierungskurse mit Flüchtlingen. Alle Texte sind in einfacher Sprache verfasst und mit einer Vielzahl von Fotos und Zeichnungen kombiniert.
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Planspiel

Festung Europa.
Asyl- und Flüchtlingspolitik in der EU. Ein Planspiel.
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Planspiel

Flüchtlinge willkommen?
Aufnahme und Integration von Flüchtlingen in der Kommune. Ein Planspiel.
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Letzte Aktualisierung: November 2020, Internetredaktion LpB BW.