Juli 2019

Liselotte (Lilo) Herrmann (1909–1938)

Junge Stuttgarterin im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Während der nationalsozialistischen Diktatur wurden in Deutschland unzählige regimekritische Menschen zum Tode verurteilt und hingerichtet. Ein „Instrument des Terrors“ war dabei der 1934 geschaffene „Volksgerichtshof“, der als Sondergericht zur Aburteilung von Hoch- und Landesverrat gegen den NS-Staat den justizförmigen Mord möglich machte. In der Zeit bis 1945 wurden dort über 5.200 Todesurteile ausgesprochen.

Die erste Frau, die im NS-Staat als Widerstandskämpferin aus politischen Gründen hingerichtet wurde, war die seit ihrer Jugend politisch aktive Liselotte (Lilo) Herrmann. Im Juni 1938 wurde sie im Alter von 28 Jahren hingerichtet.

Im Juni 2019 wäre die immer noch kaum bekannte Stuttgarterin 110 Jahre alt geworden.

Kindheit und Schulzeit

Liselotte Herrmann wird am 23. Juni 1909 in Berlin geboren.

Zusammen mit ihrem Bruder Ernst wächst sie bei ihren Eltern Richard und Elise Herrmann auf. Die Familie hat auf Grund der Ingenieurstätigkeit des Vaters keine finanziellen Sorgen. Aufgrund mehrerer Umzüge besucht Lilo in Siegen, Frankfurt und Berlin die Schule.

Schon während ihrer Schulzeit beginnt sie, sich politisch zu engagieren und wird in Berlin Mitglied des Sozialistischen Schülerbundes. Dort lernt sie 1929 Diethelm Scheer kennen, mit dem sie eine lange Freundschaft verbindet.

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Studium und politisches Engagement

Nach dem Abitur will Lilo Herrmann wie ihr Vorbild Käthe Kollwitz Malerin werden. Auf Wunsch ihres Vaters schreibt sie sich jedoch für das Chemiestudium ein, das sie nach einem Laborpraktikum 1929 an der Technischen Hochschule Stuttgart aufnimmt.

Dort ist sie in der 1930 gegründeten Roten Studentengruppe aktiv. Außerdem wird sie Mitglied im Kommunistischen Jugendverband und übernimmt zeitweise die Aufgabe der Bezirkskassiererin. Schließlich tritt Lilo noch während ihrer Studienzeit in Stuttgart der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei.

„Wenn ich über das mir bekannte Ziel des Kommunismus
  befragt werde, dann kann ich dies in einem Satz ausdrücken,
  und der heißt: das größte Glück der größten Menge. (…)
  Wenn ich weiter gefragt werde, wie ich mir den Weg
  zu diesem Ziel vorgestellt habe, dann antworte ich darauf:
  Durch Überzeugung der Massen und Schaffung
  einer Mehrheit für den Kommunismus.“

Lilo Herrmann im Verhörprotokoll vom 7. Februar 1936 (zit. n. Letsche 2017: 86)

1931 zieht Lilo Herrmann nach Berlin und studiert nun an der Friedrich-Wilhelm-Universität das Fach Biologie. Sie bleibt weiterhin in linken Studierendengruppen aktiv und bewegt sich im kulturellen Umfeld der KPD; unter anderem belegt sie Kurse an der Marxistischen Abendschule.

Lilos Studium in Berlin wird aber nach nur zwei Jahren beendet: Nach Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft und dem Verbot aller Parteien außer der NSDAP wird Lilo im Oktober 1933 wegen „kommunistischer Tätigkeiten“ von der Universität relegiert, d.h. entlassen. Sie hatte als eine von 110 Studierenden einen Aufruf zur Verteidigung demokratischer Rechte und Freiheiten an der Berliner Universität unterschrieben.

Fortan ist sie von allen deutschen Hochschulen ausgeschlossen. Nach diesem "Studierverbot" arbeitet Lilo Herrmann als Kinderpflegerin und engagiert sich in mittlerweile verbotenen kommunistischen Kreisen.

Zeitweise nimmt sie den untergetauchten Kommunisten Fritz Rau bei sich auf und wird von ihm schwanger. Am 15. Mai 1934 kommt der gemeinsame Sohn Walter zur Welt. Die Identität des Vaters, der noch Ende 1933 von den Nationalsozialisten im Gefängnis Moabit ermordet worden war, hält Lilo Herrmann geheim. Erst im Jahr 1991 erfährt Walter Herrmann den Namen seines Vaters

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Rückkehr nach Stuttgart und Widerstand gegen den NS-Staat

Ende 1934 kehrt Lilo Herrmann mit ihrem Kind nach Stuttgart zurück, wo nach wie vor ihre Eltern leben. Sie lässt sich zur Stenotypistin ausbilden und arbeitet für das Büro ihres Vaters, den sie mehrere Male zu Dienstreisen in die Schweiz begleitet.

Diese Reisen sind für ihre Untergrundtätigkeiten im Widerstand gegen die Nationalsozialisten überaus nützlich. Zusammen mit ihrem Freund Diethelm Scheer arbeitet Lilo für den geheimen Nachrichtenapparat der KPD, der Informationen über die verbotene Wiederaufrüstung Nazi-Deutschlands sammelt und diese im Ausland veröffentlichen will. Vor ihren Eltern hält sie diese Aktivitäten geheim.

Lilo Herrmann verfasst und vervielfältigt Flugschriften und Flugblätter sowie politische Einschätzungen für Stefan Lovász, den Leiter der im Untergrund agierenden illegalen KPD Württemberg. Ihr Mitstreiter Artur Göritz liefert ihr militärische Informationen über die Produktion von Rüstungsgütern in den Dornier-Flugzeugwerken in Friedrichshafen sowie über den Bau einer unterirdischen Munitionsfabrik bei Celle. Diese Erkenntnisse sollten anschließend in die Schweiz weitergegeben und publik gemacht werden.

Im Juni 1935 wird Lovász auf Grund des Verrats durch einen anderen KPD-Funktionär festgenommen. Im Dezember des gleichen Jahres werden auch Lilo Herrmann und ihr Mitstreiter Josef Steidle in Gewahrsam genommen und verhört.

Bei der Durchsuchung von Lilos Zimmer in Stuttgart findet die Württembergische Politische Polizei, neben sozialistischer Literatur und illegalen Schriften der KPD hinter einem Spiegel versteckt den Plan der geheimen Munitionsfabrik. Aufgrund dieses Fundstücks kommt Lilo im März 1936 in Untersuchungshaft kommt und wird wie ihre Genossen wegen „Landesverrats mit Vorbereitung zum Hochverrat“ angeklagt. Artur Göritz wird im Mai 1936 verhaftet und ebenfalls angeklagt.

Schwere Zeit in der Haft

In den 19 Monaten Haft im Stuttgarter Polizeigefängnis in der Büchsenstraße und anschließender  Untersuchungshaft im Frauengefängnis in der Weimarstraße leidet Lilo Herrmann unter der Trennung von ihrem Sohn, den schwierigen Haftbedingungen und den Verhören durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo) im „Hotel Silber“.

Sie muss schwere körperliche Arbeit verrichten, bekommt nur kleine Essensrationen und lebt in unhygienischen Zuständen. Briefe an die Familie und Märchen, die sie im Gefängnis für ihren Sohn Walter schreibt, spenden Lilo in dieser Zeit Trost.

„In dem Wort Gericht liegt wenigstens noch etwas von dem Worte „Recht“, während man bei der Polizei überhaupt kein Recht hat. Sonst kann ich nichts mehr angeben.“

Verhörprotokoll vom 9. März 1936

Während der weiteren Verhöre, in denen sie massiv unter Druck gesetzt wird, gibt Lilo Herrmann keinerlei Namen preis und schützt so ihre Mitstreiter*innen. Erst als ihr Vater von der Gestapo verdächtigt wird, Kopien des Plans der Celler Munitionsfabrik angefertigt zu haben, nennt sie den Namen eines Genossen, den sie in Sicherheit glaubt. Zwar gibt sie die Erstellung des Plans der Rüstungsfirma zu, verwehrt sich aber gegen den Vorwurf, sie habe den Plan ins Ausland weitergegeben.

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Verurteilung vor dem Volksgerichtshof

Vom 8. bis 12. Juni 1937 findet die Verhandlung gegen Stefan Lovász, Josef Steidle, Artur Göritz und Lilo Herrmann vor dem zweiten Senat des Volksgerichtshofs statt – ein erst 1934 von den Nationalsozialisten geschaffenes oberstes Gericht ohne Berufungsmöglichkeit.

Die Öffentlichkeit wird im Laufe des ersten Verhandlungstages wegen „Gefährdung der Staatssicherheit“ ausgeschlossen.

Obwohl Lilo Herrmann die Weitergabe von Informationen in die Schweiz nicht nachgewiesen werden kann, wird ihre Arbeit für die KPD als versuchter Hochverrat eingestuft. Am letzten Verhandlungstag wird sie gemeinsam mit ihren drei Mitangeklagten wegen „Landesverrats, begangen in Tateinheit mit Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt.

Der ebenfalls festgenommene Alfred Grözinger wird wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt und überlebt das Nazi-Regime.

„Man wollte mit diesem Kommunistenurteil allen anderen Kommunisten  deutlich machen, was sie zu erwarten hätten,
falls sie bei ihrer kommunistischen Betätigung blieben.“

Fritz Pfeffer, Rechtsanwalt von Artur Göritz (zit. n. Letsche 2017: 86)

Die Zeit von der Verurteilung Lilo Herrmanns bis zur Vollstreckung der Todesstrafe beträgt insgesamt über ein Jahr.

Auch nach der Verhandlung werden die Verurteilten noch verhört, insbesondere im Rahmen von anderen Fällen. Dabei wird Lilo gedroht, dass ihr Sohn ihren Eltern weggenommen werde, falls sie keine Informationen preisgebe.

Überdies wird den Gefangenen, insbesondere Josef Steidle, eine Begnadigung in Aussicht gestellt, falls sie doch noch aussagen würden. Doch auch in diesen Verhören bleiben die Widerstandskämpfer*innen standhaft und verraten nichts an die Gestapo.

„Einer jungen Mutter droht das Henkerbeil“

Nach dem Urteilsspruch wird Lilo Herrmann aus Stuttgart in das Berliner Frauengefängnis Barnimstraße gebracht. Auch dort wird sie trotz mangelnder Gesundheit zu schwerer körperlicher Arbeit gezwungen und ist schlechten Haftbedingungen ausgesetzt.

Ihre Eltern ziehen mit Lilos Sohn nach Berlin, um sie in der Haft besuchen zu können.

„Mein Herr, was wollen Sie von mir? Ich bin für Sie eine Tote, und Tote sprechen nicht mehr.“

Liselotte Herrmann zum Staatsanwalt in einer Vernehmung in Berlin

Währenddessen verbreitet sich die Nachricht vom Todesurteil gegen eine junge Mutter auch im Ausland und empört viele Menschen. Die Internationale Rote Hilfe organisiert eine europaweite Kampagne. In Frankreich und Belgien wird etwa die Broschüre „Eine deutsche Mutter in der Todeszelle“ gedruckt und verbreitet, die von Lilo verfasste Tagebucheinträge über die Entwicklung ihres Sohnes enthält.

Protestschreiben aus aller Welt treffen in Deutschland ein, darunter Briefe von bürgerlichen, sozialistischen und christlichen Vereinigungen. Auch frauenpolitische Zusammenschlüsse wie die Internationale Frauenliga und die „Union der jungen Mädchen Frankreichs“ fordern die Aufhebung des Todesurteils und es entstehen Komitees zur Rettung Lilo Herrmanns werden.

Lilo Herrmann selbst verfasst ein Gnadengesuch an die NS-Machthaber, die sie jedoch nicht expli-zit anspricht. Während ihrer letzten Wochen in der Todeszelle im Zuchthaus Berlin-Plötzensee, wo das in den Zellen von Todeskandidat*innen ohne Pause das Licht brennt, verfasst sie Briefe an ihre Eltern und ihren Sohn. Adolf Hitler lehnt ihr Gnadengesuch am 14. Juni 1938 ab.

„Jeder Mensch aber, der zu ihr hineingegeben wurde, erfuhr innerlich eine Wandlung, so tief ging doch ihr Einfluss, der umso größer war, als sie von einer ganz schlichten, warmherzigen, unmittelbaren Menschlichkeit erfüllt war, die auch dem einfachsten Menschen verständlich wurde. Politische Meinungsverschiedenheiten bedeuteten ihr menschlich keine Schranken.“

Charlotte Behrends, Oberlehrerin im Frauengefängnis in der Barnimstraße in Berlin über Lilo Herrmann. (Zit. n. www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/liselotte-herrmann/

Am 20. Juni 1938 werden Lilo Herrmann, Josef Steidle, Stefan Lovász und Artur Göritz in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Ihre Körper werden der Berliner Charité zu Forschungszwecken übergeben und an den ehemaligen Wohnorten der Ermordeten werden rote Plakate angeschlagen.

Als Reaktion auf die Ermordung der Widerstandskämpfer*innen werden im Ausland Gedenkkundgebungen abgehalten und Flugblätter verteilt.

Auch nach ihrem Tod hat Lilo Herrmann noch Bedeutung für den Widerstand gegen das Naziregime.

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In der DDR als Heldin gefeiert…

Nach dem Zusammenbruch der NS-Diktatur und der Gründung von zwei deutschen Staaten wird Lilo Herrmann in Ostdeutschland offiziell als Antifaschistin verehrt und gefeiert. Der DDR-Öffentlichkeit bekannt, wird sie insbesondere durch das biografische Poem „Lilo Herrmann“, in dem sie der Schriftsteller Friedrich Wolf als Heldin darstellt. Sein Werk enthält teilweise falsche Angaben zu ihrem Leben, wie etwa ihre nicht belegbare Tätigkeit als Pionierin.

Wolf lebte als Arzt zur gleichen Zeit wie Lilo Herrmann in Stuttgart, unklar ist aber, ob er sie tatsächlich persönlich kannte. Die Vertonung des Gedichts als Melodram durch Paul Dessau erlangte in der DDR große Bekanntheit und wurde an allen Schulen im Musikunterricht behandelt.

Zeitzeug*innen in der DDR verfassen zudem biographische Schriften über Lilo Herrmann. Sie sind allerdings oft mit falschen Details ausgeschmückt oder halten Fakten zurück. Schwierigkeiten bei der Recherche hat auch die Autorin Ditte Clemens, die 1993 in der Biographie „Schweigen über Lilo“ neue Erkenntnisse veröffentlicht und Lilo Herrmann als Person in den Vordergrund stellt.

Im Jahr 1972 wird das damalige Pädagogische Institut in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) zur Pädagogischen Hochschule „Liselotte Herrmann“. Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten wird die Hochschule 1993 aufgelöst – das dortige Denkmal für Lilo Herrmann überlebt die Wende.

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… im Westen ein schwieriges Gedenken

In den drei Westzonen und der Bundesrepublik Deutschland dagegen wird Liselotte Herrmanns Widerstand gegen den Nationalsozialismus oft verschwiegen. Dieses Schicksal teilt sie mit anderen kommunistischen Widerstandskämpfer*innen, derer nur im Osten gedacht wird.

Zwar wurde 1954 das Melodram „Lilo Herrmann“ in ihrer früheren Heimat Stuttgart uraufgeführt, jedoch begann in der Stadt, in der Lilo Herrmann verhaftet und verurteilt wurde, erst in den 1970er- und 1980er Jahren eine öffentliche Debatte um das Gedenken an sie.

Im Jahr 1970 machte das Buch „Stuttgart: Geheim!“, das Lilo und ihren Gefährten ein Kapitel widmete, ihr Schicksal vor allem bei jungen Menschen bekannt.

1974 forderten Studierende der Universität Stuttgart die Benennung ihres Wohnheims nach Liselotte Herrmann. Der Initiativkreis „Lilo Herrmann“ entstand und forderte die Einrichtung einer Erinnerungsstätte für Lilo Herrmann an der Universität.

Schließlich bildete sich 1975 an der Stuttgarter Uni eine Kommission mit dem Auftrag zur Erforschung, welche Personen von der Universität geehrt werden sollten. Die Kommission endete jedoch ohne das Ergebnis einer Gedenkstätte.

1987 entflammte die Debatte um das Gedenken an Lilo Herrmann erneut, als auf Initiative des Stadtjugendrings Stuttgart und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes VVN – Bund der Antifaschisten Vorschläge für eine Gedenktafel im Stuttgarter Gemeinderat diskutiert und an die Universität weitergeleitet wurde.

In einer neugebildeten Kommission wurde empfohlen, „die Erinnerung an Lilo Herrmann zu pflegen und zu fördern, von der Errichtung eines nur für sie bestimmten Denkmals aber abzusehen“.

Am 20. Juni 1988, Lilo Herrmanns 50. Todestag, errichtete der Stadtjugendring daraufhin selbst einen Gedenkstein nahe der Stuttgarter Universität; dieser wurde auf städtischem Boden geduldet.

Ein Vertreter der Universität begründete die bisher fehlende Ehrung durch die Hochschule mit der Aussage, Lilo Herrmanns Ansichten könnten „nicht die Überzeugungen von Universitäten“ und daher auch kein Vorbild für Studierende sein. Außerdem wird eine starke Bindung von Lilo zur damaligen Technischen Hochschule Stuttgart bezweifelt, sodass eine Herausstellung ihrer Person nicht gerechtfertigt sei. Es folgte eine öffentliche Diskussion, doch der Gedenkstein blieb.

Im Verlauf der kommenden Jahre arbeitete die Universität Stuttgart ihre Geschichte im Nationalsozialismus auf und fand neue Informationen über die Verbindungen Lilo Herrmanns zur TH Stuttgart.

Nach einer Schändung des Gedenksteins für die Widerstandskämpferin im Jahr 2016 organisierte die Universität die aus Spenden bezahlte Restaurierung des Mahnmals.

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Wie wird heute an Lilo Herrmann erinnert?

Seit einigen Jahren wird vermehrt an Liselotte Herrmann erinnert. So wurde 2008 vor dem ehemaligen Wohnhaus von Lilos Eltern in Stuttgart ein Stolperstein für sie verlegt. Zuvor war 1972 eine kleine Anliegerstraße in Stuttgart-Fasanenhof – der allerdings keine Postadressen zugeordnet sind – nach Lilo-Herrmann benannt. Mittlerweile erinnern in mehreren Kommunen Straßennamen an Lilo Herrmann. Seit 2012 existiert in Stuttgart-Heslach das „Linke Zentrum Lilo Herrmann“.

Auf einer Kundgebung am Stuttgarter Gedenkstein zu Lilo Herrmanns 80. Todestag erinnert Lothar Letsche, der sich seit Jahren dafür einsetzt, dass die Erinnerung an Lilo Herrmann wachgehalten wird, an die Worte des ehemaligen Stuttgarter Bürgermeisters Dr. Rolf Thieringer:

„Lilo Herrmann ist wegen ihrer politischen Zugehörigkeit
 im Mosaik des deutschen Widerstands für manche unbequem – aber entscheidend sind ihre Gesinnung und Haltung, aus moralischer und menschlicher Substanz heraus für die Sache der Menschlichkeit das Leben zu wagen.
Nicht Lilo Herrmanns Zugehörigkeit zu kommunistischen
Gruppierungen ist entscheidendes Kriterium, sondern ihr glaubwürdiges, unerschütterliches Bekenntnis zur Verantwortung für Menschlichkeit und Frieden.
Menschlichkeit hat kein Parteibuch, sie ist die Würde des Menschen.
Lilo Herrmann hat dafür ein großes Beispiel gegeben.“

Dr. Rolf Thieringer (CDU), ehem. Erster Bürgermeister von Stuttgart, im Vorwort einer VVN-Broschüre aus dem Jahr 1989
Quelle: www.beobachternews.de/2018/06/25/erinnern-heisst-handeln/

Zu erinnern ist an eine mutige Frau, die auch unter der Folter standhaft blieb und bis zu ihrem Tod davon überzeugt war, dass der Nationalsozialismus besiegt werden kann und danach eine bessere Welt entsteht.


Autorinnen: Lisa Voigt, Beate Dörr / Aufbereitung für das Netz: Internetredaktion der LpB (Stand: Juli 2019)


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Literatur und Links

Literatur:

  • Letsche, Lothar/Traub, Gertrud (1993): Lilo Herrmann – eine Stuttgarter Widerstandskämpferin. ''
    Hg. von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten, Landesverband Baden-Württemberg e.V. Stuttgart
  • Letsche, Lothar (2017): Liselotte (Lilo) Herrmann (1909 – 1938).
    Eine Stuttgarter Kommunistin gegen Aufrüstung und Krieg.
    In: Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg. V(Hg.): Mut bewiesen. Widerstandsbiographien aus dem Südwesten. Stuttgart, S. 81- 90.
  • Wolf, Friedrich (1963): Lilo Herrmann. Die Studentin von Stuttgart.
    Ein biographisches Poem.
    In: VEB Offizin Andersen Nexö (Hg.):.Lilo Herrmann, Berlin (DDR), S.9-23.

    Links:

     

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