
Geschichte der politischen Bildung: Die 1970er Jahre
Zur Geschichte der LpB Baden-Württemberg
Aufbruch und Umbruch charakterisieren die 1970er Jahre. Die neue Ostpolitik führt zu einer innenpolitischen Polarisierung. Terrorismus, Ölpreiskrisen und stagnierendes Wachstum prägen das Jahrzehnt.
Am 1. März 1972 nimmt die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB) nach der Umwidmung der Arbeitsgemeinschaft „Der Bürger im Staat“ ihre Arbeit auf. Die bewährten Formate politischer Bildungsarbeit werden beibehalten. Gleichzeitig wächst das Aufgabenspektrum, neue und innovative Bildungsangebote entwickeln sich.
Im November 1976 wird der Beutelsbacher Konsens formuliert, der sich zum berufsethischen Fundament und zur Handlungsmaxime für die Praxis der politischen Bildung entwickelt.
Am 1. März 1972 nimmt die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg mit 19 Mitarbeitenden ihre Arbeit auf. Bereits am 25. Januar 1972 waren in der „Bekanntmachung der Landesregierung über die Einrichtung einer Landeszentrale für politische Bildung“ die Rechtsform, die Aufgaben und die dezentrale Struktur der LpB benannt worden.
In vielerlei Hinsicht knüpft die LpB an die bereits bestehenden Formate der Vorgängerorganisation der Arbeitsgemeinschaft „Der Bürger im Staat“ an: Politische Tage, Seminarformate und Vorträge. Gleichzeitig wächst das Aufgabenspektrum, etwa 1975 mit der Beauftragung der LpB mit der Durchführung des Schülerwettbewerbs durch den Landtag. Mit dem „Grundkurs Politik“ geht die LpB ab 1976 auch in der Erwachsenenbildung neue Wege. 1978 folgen dezentrale Großveranstaltungen unter dem Titel „Politik auf dem Markt“.
Studienreisen kommen hinzu – und bei all dem bleiben Publikationen die Hauptsäule der politischen Bildung im öffentlichen Auftrag. Die Zeitschrift „Der Bürger im Staat“ wird seit 1975 durch die didaktische Fachzeitschrift „Politik und Unterricht“ ergänzt.
Das Signum der 1970er Jahre ist die politische Polarisierung der Gesellschaft und – damit einhergehend – auch der Fachdidaktik. Während das „linke“ Lager politische Bildung als pädagogisches Instrument zur Demokratisierung bzw. Veränderung der Gesellschaft versteht, sieht der konservativ-liberale Block die Aufgabe des Unterrichtsfaches Politik darin, der verfassungsmäßigen politischen Ordnung Akzeptanz zu verschaffen. In dieser Situation einer verhärteten Frontstellung didaktischer Konzepte lädt Siegfried Schiele, neu gekürter Direktor der LpB, Fachdidaktiker aus verschiedenen „Lagern“ im November 1976 in den schwäbischen Ort Beutelsbach zu einer Tagung ein.
Das Ergebnis der Tagung ist keine inhaltliche Einigung über Ziele und Konzepte der politischen Bildung, aber die konsensuale Formulierung dreier Grundprinzipien für den Politikunterricht. Diese drei Grundsätze sind das Überwältigungsverbot, das Kontroversitätsgebot sowie der Auftrag der politischen Bildung, die Menschen in die Lage zu versetzen, eine politische Situation und ihre eigene Interessenlage analysieren zu können.
Die „formlose Übereinkunft“ (Siegfried Schiele) findet schnell die Akzeptanz so gut wie aller Didaktiker der politischen Bildung. Der „Beutelsbacher Konsens“ entwickelt sich rasch zum berufsethischen Fundament und zur Handlungsmaxime für die Praxis politischer Bildung.












