
Thesen zur Gegenwart und Zukunft
der politischen Bildung
Die politische Bildung muss sich vor dem Hintergrund vielfältiger gesellschaftlicher Veränderungen immer wieder neu hinterfragen und zumindest in Teilen immer wieder neu positionieren. Da der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft schwindet, sollte politische Bildung in Zukunft vorrangig das betonen, was diesen Zusammenhalt wieder stärken kann.
Dazu ist es notwendig, die „asozialen Hetzwerke“ zu regulieren oder gar zu zerschlagen, da sie zu oft Radikalisierungstendenzen Vorschub leisten. Gemeinschaftskundeunterricht sollte in allen Schularten in allen Jahrgängen verpflichtend unterrichtet werden. In einer „Gesellschaft der Singularitäten“ (Andreas Reckwitz) braucht es vor allem Ansätze, die Menschen zusammenführen und Gesellschaften nicht zusätzlich spalten.
Die politische Bildung hat in den vergangenen Jahren wieder an Bedeutung hinzugewonnen. Dies zeigt sich nicht nur daran, dass die Bundeszentrale und die Landeszentralen für politische Bildung hinsichtlich ihrer finanziellen und personellen Ausstattung zum Teil starke Zuwächse verzeichnen konnten. Dies lässt sich auch daran erkennen, dass von den öffentlichen Gebietskörperschaften ganz unterschiedliche Projekte zur Förderung der politischen Bildung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts, etwa in Gestalt von Sonderprogrammen, auf den Weg gebracht wurden; Tendenz derzeit noch anhaltend.
Hervorgerufen wurde dies durch die Angriffe, denen die Demokratie weltweit von innen und von außen ausgesetzt war und weiter ist. Das wichtigste Beispiel dafür ist der Aufstieg der politischen Rechten von populistischen bis hin zu extremistischen Ausprägungen in fast allen demokratischen Ländern.
Sinnbild dafür war und ist die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten im Jahr 2016, der von seinem ersten bis zu seinem letzten Amtstag im Januar 2021 gezeigt hat, was er von den Regeln in einer Demokratie hält: rein gar nichts.
Auch über die sogenannten sozialen Netzwerke wird der Demokratie heftig zugesetzt. Es herrscht oft eine Verrohung der Sprache und des politischen Diskurses, es bilden sich Blasen von Gleichgesinnten, die andere Meinungen und deren Begründungen schon gar nicht mehr zur Kenntnis nehmen, und die gesammelten Daten verleihen den Konzernen eine weitgehend unkontrollierte Machtstellung, der mit noch so viel politischer Bildung nicht mehr beizukommen ist.












