Digitalisiert Corona die Arbeitswelt?

Von der Corona-Krise ist insbesondere der Arbeitsalltag in einem ungeahnten Ausmaß betroffen. Plötzlich mussten ganze Betriebe vom heimischen Schreibtisch aus arbeiten. Schätzungen nach ist die Zahl der Arbeitenden im Homeoffice während der Pandemie von zwölf auf 25 Prozent aller Beschäftigten gestiegen. Was bleibt vom Zwang zum Homeoffice? Wie digital wird unser Arbeiten?

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Homeoffice während der Corona-Krise

Am Anfang der Pandemie hat jeder vierte Beschäftigte komplett oder überwiegend im Homeoffice gearbeitet. Das hat ein Forscherteam der Universität Mannheim in ihrer Corona-Studie  ermittelt. Dabei sind es überwiegend Menschen mit hoher Schulbildung, die vom heimischen Schreibtisch aus arbeiteten. 

Positive Erfahrung mit der Heimarbeit

Die Heimarbeit wird überwiegend positiv bewertet, wie die Mannheimer-Studie und weitere Studien belegen. So sind nach einer Umfrage  des Fraunhofer-Instituts 90 Prozent der 2000 befragten Teammitglieder und Führungskräfte mit dem Arbeiten von zu Hause zufrieden.  Zu vergleichbaren Ergebnissen kommt auch die Studie  eines Forscherteams der Universität Köln.

Die Forschungsinstitute IGES und Forsa haben für eine Studie der Krankenkasse DAK rund 7000 Personen befragt mit dem Ergebnis: 56 Prozent derjenigen, die mittlerweile regelmäßig im Homeoffice sind, bewerten ihre Produktivität zu Hause höher als im Büro. Zwei Drittel erklären zudem, sie könnten Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren. Positiv erwähnen die Befragten außerdem, dass die Fahrt zum Arbeitsplatz weggefallen sei und sich der Stress reduziert habe.

Allerdings vermisst der DAK-Studie zufolge fast jeder Zweite im Homeoffice eine klare Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Drei Viertel der Befragten fehlt zudem der direkte Kontakt zu den Kollegen. Auf die Frage "Was fehlt im Homeoffice?" antworteten auch bei der Studie des Fraunhofer Instituts, dass der persönliche (85 Prozent) und fachliche Austausch (66 Prozent) fehle. Kaffeepausen und Mittagessen (je rund 65 Prozent) und gemeinsame Kreativ-Sessions (knapp 60 Prozent) werden auch vermisst. 

Rückkehr zur Präsenzkultur?

Mittlerweile arbeiten wieder weniger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausschließlich von zu Hause aus. Die meisten sind teilweise zu Hause und teilweise im Betrieb. Die Krise bewirkt eine Hinwendung zum digitalen Arbeiten. Wie sehr verändert sich unser Arbeiten dadurch?

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Ein Recht auf Homeoffice?

Einen Anspruch auf Arbeit im Homeoffice existiert derzeit nicht. Viele Unternehmen bieten ihren Angestellten aber in Verträgen und Vereinbarungen Regelungen zur Heimarbeit an. In der Corona-Pandemie arbeitet nach einer Befragung des Digitalverbands Bitkom von Anfang Dezember jeder vierte Berufstätige ausschließlich im Homeoffice. Vor der Pandemie war mobiles Arbeiten eher die Ausnahme gewesen. Nur drei Prozent der Berufstätigen arbeiteten ausschließlich im Homeoffice, weitere 15 Prozent teilweise. 

Druck auf Unternehmen nimmt zu

Dass nun so viele Menschen im Homeoffice sind, hat nicht nur auf Unternehmen den Druck erhöht, eine digitale Infrastruktur für das Arbeiten von Zuhause zu schaffen. Es kam auch die politisch diskutierte Frage auf, ob ein Recht auf Homeoffice gesetzlich verankert werden soll. So wollte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ein Gesetz zum Recht auf Heimarbeit umsetzen (Quelle: tagesschau). Auf der einen Seite wollen auch die Gewerkschaften einen Rechtsanspruch auf Homeoffice durchsetzen. Angesichts anhaltend hoher Infektionszahlen mehren sich zudem aus der Politik die Forderungen, die Wirtschaft bei der Bekämpfung der Pandemie stärker in den Fokus zu nehmen (Quelle: tagesschau.de).

Recht auf Homeoffice stößt auch auf Kritik

Auf der anderen Seite ist Heils Homeoffice-Plan auf heftige Kritik gestoßen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier etwa sprach sich dagegen aus. Der CDU-Politiker ist der Ansicht, dass Unternehmen nach der Krise von sich aus auf Heimarbeit setzen würden, aber es passe eben nicht überall - vor allem dort, wo der direkte Kontakt zu Kunden*innen und Mitarbeiter*innen notwendig sei (Quelle: br). Außerdem schätzen Wissenschaftler*innen, dass nur etwa 40 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab und zu im Homeoffice arbeiten könnten. Oft seien es Höherqualifizierte und Besserverdienende, die von zu Hause arbeiten. Man müsse eine Zweiklassengesellschaft in Betrieben vermeiden (Quelle: tagesschau). 

Gefahr zu vereinsamen

Hinzu kommt, dass der Heimarbeitsplatz nicht für jedermann Wunschvorstellung ist. Psychologen warnen vor der Gefahr der Vereinsamung und der psychischen Herausforderung, seinen Arbeitsalltag selbst zu strukturieren.

Zudem sieht etwa das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung eine "Präsenzkultur" in vielen Unternehmen: Nur wer in der Firma anwesend ist, gilt als vollwertiges Mitglied. Wer zu Hause arbeitet, sei stellenweise vom Informationsfluss abgeschnitten. In Deutschland seien Organisationen zudem noch zu sehr auf physische Präsenz der Beschäftigten fixiert. Wer möglichst lange am Schreibtisch sitzt, gelte als fleißig und produktiv (Quellen: Süddeutsche, Tagesspiegel, wdr).

Insbesondere Frauen werden zusätzlich belastet

Homeoffice kommt nicht für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer infrage. Eine andere Schattenseite ist, dass vor allem Frauen, die im Homeoffice tätig sind, eine zusätzliche Belastung durch unbezahlte Care-Arbeit erleben. Darüber hinaus gibt es Bedenken, dass es beim Homeoffice zu einer Vermischung zwischen Privat- und Arbeitsleben kommt, sodass etwa Arbeits- und Ruhezeiten nicht korrekt nachgehalten werden (Quelle: bpb). Welche langfristigen Folgen flexibles digitales Arbeiten haben kann, wenn die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmen, ist eine Frage, die sich aktuell stellt (Quelle: Fraunhofer Institut).

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Wie die Krise die Arbeitswelt verändert

Homeoffice und Online-Konferenzen werden die Arbeitswelt nachhaltig prägen. Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen merken, dass die digitale Arbeit eine sinnvolle Ergänzung zur Präsenzarbeit sein kann.

Nach einer Umfrage des Fraunhofer-Instituts kommen 89 Prozent der Befragten zur Einschätzung, dass Heimarbeit in größerem Umfang realisiert werden kann, ohne dass Nachteile entstehen. Arbeits- und Kooperationsprozesse seien deutlich stärker virtualisierbar als bisher angenommen. Vorurteile gegenüber digitalem Arbeiten wurden abgebaut, so etwa Vorbehalte gegenüber Videokonferenzen und anderen Möglichkeiten der Kommunikation. Onlinemeetings böten Alternativen zu Dienstreisen. Das spare Zeit und Geld und sei ökologisch sinnvoll. Letztlich könnte sich dies auf den Bedarf an Büroflächen auswirken. (Quelle: Das Erste)

Eine zwischen Anfang Juli und Mitte August durchgeführte Umfrage im Auftrag des Arbeitsministeriums kommt zu dem Ergebnis, dass 36 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice oder von unterwegs arbeiteten - zumindest teilweise. (Quelle: Tagesschau)

Das Münchner Ifo-Institut sieht einen Durchbruch beim Homeoffice durch die Coronakrise. Dies geht aus einer Umfrage unter 800 Personalleitern hervor. Demnach wollen 73 Prozent der Unternehmen, die während Corona verstärkt auf das Arbeiten von zu Hause gesetzt haben, auch in Zukunft mehr darauf setzen. 64 Prozent der Betriebe möchten Besprechungen häufiger online abhalten und 61 Prozent Dienstreisen dauerhaft einschränken.

Wo sich das Arbeiten an einem anderen Ort als dem Büro bewährt hat, werden Unternehmen wohl auch nach Corona davon Gebrauch machen. So rechnet etwa der Arbeitspsychologe Thomas Rigotti damit, dass es immer mehr Mischformen von Homeoffice und Vor-Ort-Arbeit geben wird, wie er in einem Interview mit dem SWR erklärt.

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Letzte Aktualisierung: Januar 2021, Internetredaktion LpB BW