Welche Folgen hat Corona für die Wirtschaft?

Die Corona-Krise beeinträchtigt das Wirtschaftsgeschehen massiv. Das Ausmaß übersteigt alles, was es an Krisen seit dem Zweiten Weltkrieg gab. Deutschland erlebt die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte. Wie wirkt sich die Viruskrise auf die Wirtschaft aus? Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt? Und wie wird die Wirtschaft von der Bundesregierung unterstützt?

Nach oben

Gravierender Rückgang der Wirtschaftsleistung

Die weltweite Corona-Krise mit unterbrochenen Lieferketten belastet den deutschen Export, aber auch den privaten Konsum. Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Grenzen und Geschäfte hatten das Wirtschaftsleben seit Mitte März stark beeinträchtigt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte saison- und kalenderbereinigt im ersten Vierteljahr im Vergleich zum Vorquartal um 2,2 Prozent, obwohl die strikten Maßnahmen zur Corona-Eindämmung nur den März betrafen. Im Euroraum war die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal nach Daten des europäischen Statistikamtes Eurostat um 3,8 Prozent geschrumpft, dies war der stärkste Rückgang im gemeinsamen Währungsraum seit Beginn der Erhebungen 1995.

Weitaus gravierender fiel der Rückgang des BIP im zweiten Quartal 2020 aus, das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte laut einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem Vorquartal um 10,1 %. Der Sachverständigenrat der Wirtschaftsweisen rechnet saisonbereinigt mit einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Im Gesamtjahr rechnen die Wirtschaftsweisen mit dem "stärksten Einbruch der deutschen Wirtschaft seit Bestehen der Bundesrepublik", also mit der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte.

Das Bruttoinlandsprodukt könnte 2020 selbst in der Annahme, dass es im zweiten Halbjahr wieder aufwärts gehen könnte, um 6,5 Prozent schrumpfen (in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 betrug das Minus des BIP 5,7 Prozent). Für den Euroraum wird sogar mit einem Minus von 8,5 Prozent gerechnet.

Ökonomen der Förderbank KfW sagten Europas größter Volkswirtschaft „einen langen Weg aus dem Corona-Tal“ voraus. Zwar herrscht bei Ökonomen, Instituten und Verbänden Zuversicht, dass die Deutschland bereits 2021 wieder ein deutliches Wirtschaftswachstum erreichen kann, andererseits aber eine Rückkehr auf das Niveau des BIP vor der Pandemie nicht vor 2022 zu erwarten ist.

Nach oben

Statistik: Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland gegenüber dem Vorquartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt) vom 2. Quartal 2016 bis zum 2. Quartal 2020 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Nach oben

Kurzarbeit nimmt zu und Arbeitslosigkeit steigt

Die Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie in Deutschland hatten massive Auswirkungen auf Dienstleistungen und Produktion. Die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit erreichte im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten nie gekannte Dimensionen: Im Mai 2020 waren 7,3 Millionen Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen, wie das Ifo-Institut berechnet hat. Ende April waren es nach Angaben der Bundesagentur noch sechs Millionen Beschäftigte in Kurarbeit gewesen und Ende März zwei Millionen Beschäftigte. Im Vergleich: der bisherige Höchststand in der Finanzkrise lag im Mai 2009 bei 1,44 Millionen Menschen.

Kurzarbeit ist eine staatliche Entgeltersatzleistung aus der Arbeitslosenversicherung und kann ein Instrument sein, um bei vorübergehendem Arbeitsausfall Kündigungen zu vermeiden. Kurzarbeit heißt für die Betroffenen, bei reduziertem Einkommen für eine noch unbestimmte Zeit weniger Stunden oder gar nicht zu arbeiten. Mit dem erleichterten Zugang zum Kurzarbeitergeld und weiteren Instrumenten versucht die Bundesregierung, die Folgen der Coronakrise für den Arbeitsmarkt zu entschärfen. Gleichwohl könnten viele Menschen ihre Arbeit verlieren.

Erste Auswirkungen sind auch hier bereits deutlich erkennbar: "Jeder fünfte Arbeitslose ist gegenwärtig auf den Corona-Effekt zurück zu führen", so Detlef Scheele, der Chef der Bundesagentur für Arbeit bei der Bekanntgabe der Zahlen für den Mai 2020. Gibt es sonst in den Frühjahrsmonaten in der Regel rückläufige Arbeitslosenzahlen, nahm von April bis Juni 2020 die Zahl der arbeitslos Gemeldeten jeweils zu. Im Juli lag die Zahl der Arbeitslosen bei 2,91 Millionen, 635.000 Personen mehr als im Juli 2019.

Trotz dieses massiven Anstiegs gegenüber dem Vorjahresmonat bewertet die Agentur für Arbeit die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt aber als positiv: Der Anstieg gegenüber dem Juni bewege sich in saisonüblicher Höhe und hänge nicht mit Corona zusammen, die Zahl der Menschen in Kurzarbeit sei gleichzeitig zuletzt massiv zurück gegangen.

Nach oben

Unterstützung durch die Bundesregierung

Die Bundesregierung unterstützt die Wirtschaft in der Corona-Krise mit Investitionen, Kurzarbeitergeld und Krediten, die ökonomischen Folgen will sie mit milliardenschweren Liquiditätshilfen abfedern.

Die Bundesregierung hat bereits am 23. März ein umfangreiches Rettungspaket beschlossen, das Ende März im Eiltempo von Bundestag und Bundesrat verabschiedet wurde. Insgesamt umfasst das Paket laut Finanzminister Olaf Scholz 750 Milliarden Euro zur Unterstützung von Familien, Mietern, Beschäftigten, Selbstständigen und Unternehmen und die Umsetzung mehrerer großer Schutzschirme und umfangreicher Rechtsänderungen.

Erstmals seit vielen Jahren wurde die Schuldenbremse außer Kraft gesetzt und ein Nachtragshaushalt in Höhe von 156 Milliarden Euro verabschiedet. Insgesamt wurden mehr als eine Billion Euro mobilisiert.

Im Juni hat die Bundesregierung ein 130 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket auf den Weg gebracht. Union und SPD haben sich unter anderem auf eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020 und Einmalhilfen und Finanzspritzen für Familien und Kommunen verständigt.

Nach oben

Nach oben

Nach oben

Letzte Aktualisierung: August 2020, Internetredaktion LpB BW