Kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung

Eine lebendige und aktivierende Kinder- und Jugendbeteiligung belebt eine Gemeinde und bietet sowohl Kindern und Jugendlichen als auch der Kommune selbst viele Chancen. Beteiligung ist elementarer Bestandteil von Zivilgesellschaft und damit die Basis einer Demokratie. Daher ist auch Kinder- und Jugendbeteiligung an den Entscheidungen in einer Stadt oder Gemeinde nicht nur ein wünschenswertes Zusatzattribut, sondern Grundpfeiler eines demokratischen Zusammenlebens. 

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Kurz & knapp: Kinder- und Jugendbeteiligung

Was ist Kinder- und Jugendbeteiligung?
Gemeint ist damit, dass Kinder und Jugendliche in ihrer Stadt oder Gemeinde mitbestimmen, Ideen einbringen und ihre Meinung äußern können.


Müssen Kinder und Jugendliche ein Mitspracherecht haben?
Ja. Kinder sollen und Jugendliche müssen seit 2015 in Baden-Württemberg an Entscheidungen beteiligt werden, von denen sie betroffen sind.


Ist Kinder- und Jugendbeteiligung schon überall umgesetzt?
Nein. In der Studie "Kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg 2018" gaben 47 Prozent der befragten Kommunen an, dass es bei ihnen keine kommunale Jugendbeteiligung gibt. Kinder bis elf Jahren hat erst rund ein Viertel der befragten Kommunen beteiligt.


Welche Formen von Kinder- und Jugendbeteiligung gibt es?
Eine bekannte Beteiligungsform sind repräsentative Vertretungen, die unterschiedlich bezeichnet werden, zum Beispiel Jugendgemeinderat, Jugendrat oder Jugendparlament. Daneben existieren viele offene oder projektbezogene Formate: Jugendhearing, Jugendkonferenz, Jugendforum...  Es gibt viele Möglichkeiten!

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Was bedeutet Kinder- und Jugendbeteiligung?

Kinder- und Jugendbeteiligung umfasst mehr als „das offene Ohr“ der Kommune für die Anliegen und Wünsche der jüngeren Generationen. Wenn man die Bedeutung des Wortes „Partizipation“ ernst nimmt, bedeutet das für erwachsene Entscheidungsträgerinnen und -träger, einen Teil ihrer Entscheidungsgewalt an Kinder und insbesondere Jugendliche abzugeben. Denn echte Partizipation beinhaltet die Möglichkeit, an Entscheidungen mitzuwirken, diese mitzugestalten und mitzutragen.

Angebote der LpB BW
Kinder und Jugendliche an kommunalpolitischen Entscheidungen zu beteiligen erfordert Aufwand und Planung im Vorfeld. Neben Personal und Budget braucht jede Kommune eine Form, die zur Zielgruppe und den jeweiligen Rahmenbedingungen passt. Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg hilft dabei: Ganz unterschiedliche Workshops, Seminare und Beratungen bietet der Fachbereich Jugend und Politik rund um das Thema kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung an. Sprechen Sie uns an!

Jugendbeteiligung steht an der Schnittstelle zwischen Politik und Zivilgesellschaft, Demokratiebildung und politischer Bildung, Verwaltungsvorschrift (§41a GemO) und Jugendarbeit sowie Selbstorganisation und pädagogischem Auftrag.

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Wozu ist Kinder- und Jugendbeteiligung gut?

Wer Kinder und Jugendliche früh und wirksam in die kommunalpolitischen Entscheidungen einbezieht, profitiert auf vielen Ebenen:

  • Beteiligung macht Kinder und Jugendliche stark und zeigt ihnen Selbstwirksamkeit.
  • Beteiligung ist bereichernd für die Kommune.
  • Beteiligung bildet.
  • Bereits aus demografischer Sicht ist Beteiligung notwendig.
  • Beteiligung stärkt die Verbindung zum Wohnort
  • Beteiligung ist gerecht
  • Beteiligung fördert die Demokratie

zur Quelle.

Außerdem schafft man Ortsbindung, sodass die Kinder und Jugendlichen später eher am Wohnort bleiben. Beteiligung in jungen Jahren fördert den Nachwuchs für den Gemeinderat und motiviert junge Erstwähler*innen, von ihrer Stimme auch Gebrauch zu machen. Unabhängig davon ist eine Entscheidung, die durch Beteiligungsverfahren getroffen wurde, natürlich anders legitimiert.


Ziele von Kinder- und Jugendbeteiligung

  • Interessenartikulation herstellen (Meinungsbildung)
  • Mitgestaltung ermöglichen (Selbstwirksamkeitserfahrung
  • Demokratie stärken (Machtverteilung, Legitimation/Zustimmung herstellen)
  • Politische Bildung durch praktische Erfahrungen (affektives Lernen)

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§41a Gemeindeordnung (GemO): Rechtliche Grundlage

der Kinder- und Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg

Zum 1. Dezember 2015 hat der Landtag in der Gemeindeordnung unter anderem den Paragraf 41a geändert. Die Rechte von Kindern und Jugendlichen bei kommunalen Entscheidungsprozessen sind seither deutlich gestärkt. Kinder sollen und Jugendliche müssen nun an Entscheidungen beteiligt werden, von denen sie betroffen sind.


Spätestens seit der Änderung des §41a GemO wird dem Thema kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung immer mehr Beachtung geschenkt. Der neuformulierte § 41a GemO fordert Kommunen zwar dazu auf, Kinder und Jugendliche zu beteiligen, wie das aussehen soll, sagt der Gesetzestext jedoch nicht.

§41a GemO Baden-Württemberg

(1) Die Gemeinde soll Kinder und muss Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen. Dafür sind von der Gemeinde geeignete Beteiligungsverfahren zu entwickeln. Insbesondere kann die Gemeinde einen Jugendgemeinderat oder eine andere Jugendvertretung einrichten. Die Mitglieder der Jugendvertretung sind ehrenamtlich tätig.

(2) Jugendliche können die Einrichtung einer Jugendvertretung beantragen. […] Der Gemeinderat hat innerhalb von drei Monaten nach Eingang des Antrags über die Einrichtung der Jugendvertretung zu entscheiden; er hat hierbei Vertreter der Jugendlichen zu hören.

(3) In der Geschäftsordnung ist die Beteiligung von Mitgliedern der Jugendvertretung an den Sitzungen des Gemeinderats in Jugendangelegenheiten zu regeln; insbesondere sind ein Rederecht, ein Anhörungsrecht und ein Antragsrecht vorzusehen.

(4) Der Jugendvertretung sind angemessene finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Über den Umfang entscheidet der Gemeinderat im Rahmen des Haushaltsplans. Über die Verwendung der Mittel ist ein Nachweis in einfacher Form zu führen.

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Angebote

der Landeszentrale für politische Bildung zur Kinder- und Jugendbeteiligung

Workshop: Der Habibi-Actionbound

Demokratie-Schnitzeljagd für die offene Kinder- und Jugendarbeit

Was ist eigentlich Politik? Und was hat das mit mir zu tun? Der Habibi-Actionbound behandelt spielerisch und niederschwellig, wie viel Alltägliches mit Politik zu tun hat und wie die Jugendlichen sich für ihre Interessen einsetzen können.
Information und Anmeldung

Projektreihe "Beteiligungs-Dings"

Kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung

Gemeinden müssen Kinder und Jugendliche an Entscheidungen beteiligen, von denen diese betroffen sind. In der Workshop-Reihe "Beteiligungs-Dings" wollen wir Hauptamtlichen in den Kommunen die Möglichkeit bieten, sich dazu auszutauschen und zu vernetzen.
Beteiligungs-Dings

Fachbereich Jugend und Politik

Eine Übersicht aller Angebote finden Sie auf der Seite des Fachbereichs Jugend und Politik der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.

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Formen von Kinder- und Jugendbeteiligung

Zwar ist der "klassische" Jugendgemeinderat durchaus eine bekannte Form der kommunalen Beteiligung - doch es gibt viele weitere Möglichkeiten, wie man dem Paragrafen 41a der Gemeindeordnung gerecht werden und Kinder- und Jugendliche einbinden kann. Welche Form der Beteiligung eine Kommune wählt, ist für Kinder und Jugendliche oftmals weniger entscheidend als die Ernsthaftigkeit, mit der die Beteiligung erfolgt. Neben repräsentativen Formen wie einem Jugendgemeinderat oder einem anderen dauerhaften Gremium können die Jüngeren unserer Gesellschaft auch projektbezogene Mitspracherechte bekommen.

Das Netzwerk Jugend.beteiligen.jetzt bietet außerdem einen Entscheidungsfinder für die passende digitale Beteiligungsmethode an.

    Offene Formen

    • Jugendhearing
    • Kinderrathaus
    • Kinder- und Jugend-Sprechstunde
    • Umfrage
    • Jugendforum

    Projekt- oder anlassbezogene Formen

    • Mitgestaltung eines Stadtfestes
    • Planung eines Skaterparks
    • Umbau des Jugendhauses / Kindergartens
    • Kleidertauschaktion

    Repräsentativ-parlamentarische Formen

    • Jugendgemeinderat
    • Jugendbeirat
    • Kinderbeirat
    • Jugendparlament
    • Jugendrat
    • Jugendvertretung

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    Publikationen

    zur Kinder- und Jugendbeteiligung

    Studie Kinder- und Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg 2018

    Download

    Jugendstudie: Kommunale Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg 2019

    Beteiligungs-Dings
    Angebots-Flyer "Beratungspaket" Kinder- und Jugendbeteiligung
    Download

    Leitfaden "Jugendgemeinderäte - WAS?"

    Bestellen / Download

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